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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-12-12 · 28 (12.12.1919) · p. Seite 321

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
28 (12.12.1919)
Date
1919-12-12
Page
Seite 321 (sequence 7)
Language
German
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* “V - 3 ■•7T55 - , 811 — . sten verwanden der armen Tante eine Unterstützung bot. so wiesie diese stets entschieden und vornehm zurück: Er sorge schon hrnlanglich für die Seinen. „Ich war seit einem Jahre verheiratet und dein guter «ater hatte mir gern gestattet, etwas für die arme Tante zu tun. Wenn er abwesend war. waS jetzt halbe Wochen lang vorkam, besuchte ich die arme Tante, deren volles Gestcht der innere Gram abzehrte und bleichte, aber nie kam ein Wort der Klage über ihr« Lippen. Nur heimlich durfte ich in der Küche die kleinen Vorräte von Kaffee und Zucker, die ich mitbrachte, den Töchtern zustecken» in deren warmen Untcrröcken ich die Kleider der Mutter «kannte; deshalb trug sie wohl im kalten Winter «in dünnes Kattunkleid. Von'! dem Manne sagte sie, er sei „über Land"/ um Geschäfte zu machen. DaS glaubte sie gewiß, aber mit dem „Werlandfein hatte es eine eigene Bewandtnis, und man flüsterte in der Gemeinde darüber, daß er mit Geld iw der Tasche und mit einer Uhrkette mit goldenem Petschaft zurückkam. Du weißt, mein Kind, daß damals noch jedes deutsche Ländchen seine eigenen Zollschranken hatte; wir waren, gegen Hannover wie gegen Frankfurt zu, abgesperrt, und die Waren, die zumal von Hamburg reichlich zu uns herüber» kamen, mußten an der Grenze, in Landwehrhogen, teuer verzollt werden. Da bildeten sich denn allerlei Schlupfwinkel, wohin die Schwärzer nächtlich ihren Vorrat trugen und in unterirdischen Magazinen anhäuften, von wo sie auf Schleichwegen in die Stadt gebracht wurden. Die Grenzjäger streiften nun bei Tag und bei Nacht, solche Spelunken zu entdecken und aufzuheben, um so mehr, als allerlei Diebesgesindel für gestohlene Güter dort guten Absatz fand; die Strafen wider solche Schwärzer und Hehler wurden stets verschärft und cs gab keine Gnade für die Ertappten. „Da hieß es eines Tages, es. war in der Woche vor de» großen Festtagen, er sei bei Landwehrhagen «in solcher DiebS- und Schmuggelkeller entdeckt und aufgehoben worden und die. Rädelsführer würden in Eisen hereingebracht. Ich hörte das ziemlich gleichgiltig erzählen, und weil ein bäuslichcs Weib nicht viel auf die Gasi« hinaussehen kann, so wäre mir, hätte ich nicht gerade selbst die Fensterscheiben geputzt, der ganze Spektakel entgangen, als sie auf einem Leiterwagen, der auf beiden Seiten mit Grenzjägern eskortiert ivar, die Gefangenen über den Markt nach den Kasematten führten. Aber so ließ mich das Geschrei des Pöbels und das Gejohle der Gasienjungen, aus dem ich den Ausruf „Jidde, Jidde!" vernahm, den Kopf hinauslehnen, und hätte ich mich nicht an das Fensterkreuz gehalten, so wäre ich vor Schrecken zusammengestürzt: denn auf der vorder- Bank des Leiterwagens,' die Hände kreuzweis mit Ehre ist wie ein Schatten; je mehr du ihr nachläufst, desto mehr läuft sie dir davon. ' Gel dverloren, nichts verloren — Ehre verloren, alleverloren. Willst du. daß di« Leute dich achten, achte dich selbst zuvor. In einem armen Dorf« in der Eifel feiert« der betagte Lehrer sein bOjähriges Dienstjubiläum. Die Gemeinde brachte dem verdienten Erzieher einen Fackelzüg, und als daS ganze Dorf vor dem Schulhause versammelt war. hielt der Bürgermeister eine Red«, die mit dem Rufe schloß: „Unser verehrter Lehrer soll leben!" — „Wovonr' antwortete prompt der Gefeierte. Stricken gebunden, saß er, der unglücklich« Mann meiner armen Tante Guttraud. „WaS soll ich dir sagen, Kind? Der Schreck hatte mir fast die Füße gelähmt. Es war ein Alarm in der Stadt, ärger als bei einer Feuersbrunst. Vor den Türen und aus 'den Fenstern schrieen die Nachbarsleute Schimpfwörter auf ihn und auf die Juden; ich ließ nur geschwind die Fenster rouleaux herab. Dein Vater kam vom Kontor nach Hause, totenbleich. Die ganze Gemeinde war von dem Schlage getroffen, denn tvenn bei uns ein Jude etwas angestellt hat, fo läßt man's gleich die ganze Gemeinde entgelten. Ich dachte nicht an die Gemeinde, als dein Vater mir erzählte, der Unglückliche sei seit langer Zeit das Haupt der Hehler und Schwärzer gewesen. „Arme Tante Guttraud!" war alles, was ich hervorbringen konnte. sJortsetzung folgt.) - Küchrrscha«. . „*1 Hnnifsim", eine Chanukaaabe für di« jüdische Jugend. Sondernummer von „Bär Kochba", Blätter für die Heranwachsende jüdische Jugend, herauSaegeben von 8. Z. Klätzel. Welt-Verlag. Berlin NW. 7, drosch. 2 M. Ein sehr hübsche- Heft, daß auf 82 Seiten alle», aber auch alle» bringt, was da» Chanukafest einem jüdischen Kind« in Wort ünd Lied zu sagen vermag. Schöne und edle Verse, eine humorvolle Schilderung von Schalom Asch, Auszüge auß dem Makkabäerbuch, die Noten von Moau» zur, die lustige Erzählung von MosrS vipenbrink, dem jüdischen Findling im Hamburger Schifferhause, dazwischen Bilder, Aufnahmen. Rätsel usw. Wer seinem Kinde eine wirkliche Freude machen will, lege ihm va» Heft auf den Chanukatisch. ooooooaoovoooooooooo o n □□□□□□□□□□□oaoaag 8 Der Wereinsvote. § u 8 □DaoDDDaaaaaaaaaaaDa □ □ aaaoanaaoDDaaaaiio Wir stellen diese Stelle allen jüdischen Vereinen frei zur Verfügung, um hier ihre wöchentlichen Veranstaltungen kurz anzukündigen. Lerlln. Die Kotentasche. Jüdische Sprichwörter. (Hochmut und Ehre.) Hochmut liegt auf dem Misthaufen, wer nur will, kann ihn sich holen. Je leerer die Fäsier, ihr Lärm um so größer. Wer beleidigt, beleidigt sich. (Kidduschin 70 n.) Lauf der Ehre nicht nach, so kommt sie dir inS Haus. Jüdischer Rationalfondr. v. Postscheckkonto Berlin NW. 7 Rr. 28 217. von der im Jahre 1919 aufzubringenden Million sind bizum 2. Dezember 919814.67 M. eingezahlt worden. verncallel. Hier findet am SamStag den 26. Dezember «in Chanuka-Vall statt. Siehe S. 323. veuel. Am 20. Dezember findet hier ein Ehanukaball statt. Nähere Anzeige sieh« Seite 328. vonn. ' Zion. Ortsgruppe. Vorsitzender: Max Goldreich, Beuel, Friedrichstr. 15. DienStag abend 8 Uhr Cafä Gangolf: Zionist. Stammtisch. SamStag abend 8 Uhr im Gemeindehaus, Tempelstraß« 12: Zion. EinführungSkursuS. Gäste willkommen. . Jüdischer Jugcndverein „Die Kameraden". Vorsitzende: Frau RechtSanwalt t)r. Cohn, Meckenheimer Allee 67. Während der Dauer der Vorbereitungen zuin GeMeinde-Chanukafest fallen die regelmäßigen Heimnachmittag« auS. j Jüdischer Jugendbund. Freitag den 12. Dez., abends 8 Uhr, Hotel Leon, Friedrich-X strotze: Bortrag von Herrn Stud. jur. A. Levy „Jugend und Politik". Vrov« (Unternianbach, Ilreis Düren). SamStag den 20. Dezember, abends 7 bis morgen» 5 Uhr, wird in Unlermaubach ein Chanukabakl abgehalten. Siehe Anzeige auf Seite 823. vüsselckork. Jüd. Turn- und Sportverein. 1. Vorsitzender Herr Rechtsanwalt Löwe. Mitteilungen und Anmeldungen nimmt der 1. Schriftführer Herr Hermann Grünstein. Kirchfeldstraße 4 I entgegen. LlckiweUer. Hier findet am Sonntag den 28. Dezember 1919 rin Chanukaball mit überraschenden Unterhaltungen statt. Nähere Einladung erfolgt noch. Köln. Am Donnerstag den 18. Dezember findet im großen Saale der Bürgergesellschaft ein große» Konzert unter Mitwirkung nam- Hafter hiesiger Künstler statt, u. a. Frl. Wanda Achsel. Herren Lenz, Senden, van den Bergy; G. van Geldern, HanS Wetzlar. Beranstalter diese» für die gesamte Öffentlichkeit vestimmlen KonzerteS >

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