Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-12-12 · 28 (12.12.1919) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
28 (12.12.1919)
Date
1919-12-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3947615-6435923-6437064--0343-3947930
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Erscheint mit Erlaubnis der britischen Militärbehörden. vom Rhein { erscheint jeden Freitag. Bezug»- j U i «nzrtgrnpret»: b0Pf. für die bin* i t prri»: dO Pf. monatl. Zu beziehen! < ,! gesp. Prtitzrile. Bei Wirderholun» j! durch sämtlich», Postämter oder» *. •** r» —.n #0 * , j gen entspr Rabatt. Postscheckkonto:! durch den Botenderlag in Bonn.; 3Üöi|CbC6 X30lU£>UICtlI! »otenverlag Bonn, SötnR. 74747. herausgegeben von Rabbiner Dr. (Entil Lohn, Bonn. Schriftleitmig und Geschäftsstelle: Bonn, Brüdergaff« S2. Kummer 28 Monn, 12. Aezernber ISIS — 20 Kistew 6680 1. Zahrgaug. Dur gefälligen Keachlung! Die dauernd steigenden Unkosten zwingen uns vom 1. Januar 1920 ab das Abonnement auf 75 Pf. monatlich zu erhöhen. Wir bitten unsere geehrten Abonnenten um baldigste Erneuerung des Abonnements, damit in der Lieferung keine Stockung eintritt. Die äescbammilt. gaaaaaaaaaaaaaDaiotatciaaaaaDaaaaaoDDoaaaDa 5 Mschrnckbfchnitt -«i. □ laaDaaaaaaanaDaaaEiaoDaaaoaaaaanaQanonaa 8 Bai „Chein". Aber Sott war mit Joseph und ließ alle» gelinge» in seiner Hand. r Da fand Joseph Sunst in den Augen seine» Herrn, und er gab alle», wa» ihm gehörte in sein« * Sewalt. Seitdem aber segnete Bott das Hau» de» Bgypters um Joseph» willen, und es war der Segen Botte» in allem, wa» ihm gehörte, jm Hause und aus dem Felde. Darum überließ er alles, wa» sein war der Hand Joseph» und kümmerte sich um gar nichts mehr, es sei denn um da» Brot, das er selber aß. Joseph aber war \ schön von Much» und schön von Ansehen. - 1 Mose 33. 2—S. > I — Also kam Joseph in» Befängnis mch blieb das selbst. Aber Gott war auch hier mit Joseph und wandte j ihm Gnade zu und verlieh ihm Bunst in den Augen de» Aufseher» dcS Gefängnishauses. Dieser übergab der Hand Josephs alle Gefangenen, die im Gefängnisse waren und ließ alles, waS daselbst zu tun war, durch ihn versehen. Der Aufseher de» Gefängnisse» kümmerte sich gar nicht um daS, was der Hand Josephs übergeben war; denn Gott war mit Joseph und ließ alle» gelingen, was er tat. I Mose 39, 20—23. Bei Potiphar und beim Gefangenenaufseher ist die Schilderung Josephs gleich: Beidemal steht, daß Gott mit ihm war und alles gelingen ließ, beidemal, daß sein Herr . ihm alles übergab und sich um nichts mebr kümmerte, beidemal, daß er volle Gunst, daß er „Chein fand in den Augen seines Herrn. Durch diese Wiederholung der Schilderung und deS Erlebnisses hat die Schrift mit scharfem Strich sein Bild umrandet und festgelegt als das Bild des glückhaften Mannes, dem die Herzen zufliegen und das Vertrauen folgt: Joseph aber war schön von «Wuchs und schön von Ansehen. „Schönheit ist — so Adelsbrief als Doktorhut den Weibern, sagt der Dichter Grillparzer. Auch den Man* \ nern, kann man mit einiger Einschränkung lagen. Die einfache Anmut des Leibes ist bei der Kurzsichtigkeit der Masse zunächst immer ein Empfehlungsbrief, wenn auch seine Tinte schnell verblaßt. Joseph wais in diesem Sinne in der Tat der verkörperte Chein. Was ist Chein? Ein unübersetzbares Wort/wie jede v Sprache solche hat. Wie der „Chic" des Franzosen viel mehr und viel anderes ist als das deutsche „Geschick", das im Wörterbuch angegeben ist, so ist „Chein" mit „Gunst" noch lange nicht übersetzt. Man soll sie auch gar nicht übersetzen, diese Worte, sondern soll, sie lassen und gebrauchen, wie sie sind, soll sie sogar mit einer gewissen Zärtlichkeit gebrauchen: Denn daß sie aller Übersetzungskunst spotten, ist ein Beweis, daß in ihnen der wahre Volksgeist lebendig ist, daß die tiefste Quelle des Vylksempfindens ihnen mur- - melr und rauscht und die Stimme des Blutes aus ihnen spricht, sich wehrend und sich behauptend, gegen jede Betastring von täppischer Hand. Was ein „becheinter Junge" oder ein „becheinteS Mädel" ist, weiß der Jude, und «in anderer braucht es nicht zu wissen. ' So etwas Ähnliches wie Anmut ist eS schon. Doch vielinedr als anmutige Aussehen ist cs das anmutige Tun, ü?‘ ■ diesen Namen geben. Das Glückskind des Märchens,, dem alles geling!, die geschickte, feine Hand, die alles, was sie angreift, in netter Art zustande bringt — wobei nicht'' die künstlerisch große, sondern di« alltäglich liebenswürdige Hand gemeint ist — ja überhaupt Liebenswürdigkeit, Anmut, Geschick, im Denken und Tust, in Wort und Witz, all das zusammen macht jenen „Chein" aus, der dem Lessingschen Ringe zu vergleichen ist, von dem Nathan schlicht: — und hatte die geheime Straft Vor Gott und Menschen angenehm zu machen, Wer in dieser Zuversicht ihn trug. — — Die Wirkung von Josephs Chein aber war das volle Vertrauen, das seine Herren auf ihn setzten: Das allein akr kann der schöne Wuchs und die geschickte Hand nicht hervorgegerufen haben. Der frohe, volle Glaub^ in Joseph war es vielmehr, der dieses schuf. Ein Beweis, wie wichtig der Adel der Gesinnung, die Reinheit des Gefühls und des Denkens Höhe dabei sind. Man soll deshalb das schöne Wort nicht abnutzen, zum mindesten aber von Zeit zu Zeit seinen Goldklang tönen lassen: Manch Jüngelchen mag ein becheintes Jüngelchen sein, manch Mädelchen „tausend Chein entwickeln", den Zauber wahren Cheins vermag nur ein wahres stolzes, adliges Judentum über' uns auszugießen und eines echten Glaubens hoher Wert. Emil Cohn.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.