Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 25 (21.11.1919)
- Date
- 1919-11-21
- Page
- Seite 285 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Dir politischen Verhältnisse waren seinem Projekt nicht ungünstig, die englischen Puritaner hatten ihren König Charles Stuart entthront und die Republik gegründet. Al» eifrige Leser der Bibel hatten sie sich die bilderreiche Sprache der Bibel angewöhnt und zeigten einen großen Respekt für die alte jüdische Rasse; einige Sektierer, die „Millenarier", trieben diesen Respekt sogar bis zum Enthusiasmus und wetteiferten in ihren phantastischen Hoffnungen mit den jübischen Messianisten. Der „Niveleur" Everard sprach von den Leiden „unserer Vorfahren" in Ägypten. Hugh Peters, der Almosenier Cromwells, sprach sich seit 1647 gegen die Ausschließung der Juden aus. Der Lord-Protektor selbst, ein klarer Geilt und kraftvoller und scharfsinniger Politiker, beneidete Holland um die wirtschaftlichen Vorteile, die es aus der Niederlasiung der Juden gezogen hatte; vielleicht nährte er auch die Hoffnung, sie zur presbyterianischen Religion zu bekehrend - Im Jahre 1655 entschloß sich Manasie, nachdem er schon vorher seine Träume in einem Werke „Die Hoffnung Israels" auseinandergesetzt hatte, sich persönlich nach London zu begeben und leitete aktive Schritte bei Cromwell ein. Gleichzeitig richtete er an das Parlament ein langes Memoir, eine geschickte Darstellung der religiösen, historischen und wirtschaftlichen Gründe, die für das Gesuch seiner Glaubensgenossen sprachen. Er fügte ein besonderes Argument hinzu, welches wohl geeignet war, auf die Mitglieder des Parlaments Eindruck zu machen: das Verbannungs-Edikt Eduards I. hatte, wie er sagte, niemals Gesetzeskraft erlangt, tveil ihm die Zustimmung der Kammern fehlte. Der Lord-Protektor, der schon im vorhinein für die Sache der Juden gewonnen war. berief eine Kommission hoher Würdenträger und Geistlicher nach Whitehall und legte ihnen das „untertänige Gesuch" Manasics vor. Die Debatten waren sehr langwierig: der Klasienegoismus, das religiöse Vorurteil und die allgenieine Ignoranz verbündeten sich gegen die Gewährung des Gesuches. Pamphlete wurden veröffentlicht, man wiederholte die albernsten Verleumdungen gegen die Juden, und Manasie mußte ihnen mit einer besonderen Schrift (Die Rettung der Juden) entgegentteten. , Trotz der Ungeduld Cromwells zogen sich die Beratungen der Kommission derart in die Länge, daß Manasie. der am Ende seiner Mittel angelangt war, den Lord-Protektor um eine Pension von 100 Pfund Sterling angehen mußte und sich schließlich nach Holland einschiffte: er starb unterwegs in Middelburg (1657). Jedoch sollte der mutige und geschickte Feldzug des Amsterdamer Rabbiners nicht ohne günstige Folgen bleiben. Wenn auch die unruhigen Zeiten, die inneren und äußeren Verwicklungen es der englischen Regierung nicht erlaubten, das Statut Eduards I. umzustoßen, so erlaubte Cromwell doch mehreren Juden, sich in London njxderzulasien. Seit 1664 hatte die „portugiesische Nation" «in Bethaus und einen Rabbiner, Jacob Sasportas, der es verstand, von seiner kleinen Gemeinde kabbalistische und messianische Einflüsie fern zu halten. Bald darauf erwarben die Londoner Juden mjt Wisien und.Willen des Mgistrats einen Begräbnisplatz uird seither konnten, ohne daß eine gesetzliche Änderung eingetreten wäre, portugiesische sowie deutsche Juden sich ungehindert in England niederlasien, ihren Kultus ausüben und sich dem Handel widmen. Ko« Kerg und Tal. Bonn. Am verflosienen Samstag wurde der Zionistische Einführungskursus durch «inen Vorttag de» Herrn kand. jur. Weller über „Leben und Wirken von Theodor Herzl" eröffnet. Der Redner schilderte in überaus klarer, sachlicher und formvollendeter Weise, wie Herzl seine ganze Kraft zur Verwirklichung seines Ideals einsetzte, wie er vor Fürsten und Königen stand, um st« für die heilige Sache seines geliebten Volkes zu gewinnen. ES wäre nur zu wünschen, daß der Vortrag, der ein abgeschlossenes Bild ' de» großen Zionistenführers gab, vor einem größeren Auditorium seine Wiederholung fände. Köln. In der am SO. Oktober und 6. November stattgefundenen Generalversanmllung beschloß' der Jügendverein Gabiel Rießer, Köln, sein« innerhalb der jüdischen Jugendbewegung so segensreiche Tättgkell wieder im vollen Umfange aufzunehmen, nachdem die im verflosienen Halbjahr nur im beschränkten Maße möglich war. Vorttäge aller Art sollen den Mitgliedern die Kenntnis des Judentums vermitteln, sollen sie aufflären über den Inhalt und die Ethik des Judentums. Kurse über den Inhalt der jüdischen Gebet« sollen sie die Sprüche der Väter kennen lernen lassen. Weiter find geplant und werden ausgeführt Kurse den heutigen Zeitverhältnisien entsprechend französische und englische Sprachkurse, allgemein wissenschaftliche Vorträge. Auch einige gemütliche Beran« \ staltungen sollen den alten jüdischen Familiengeist wieder neu beleben. An jedem Freitag Abend findet in den Räumlichkeiten des Vereins in der Rheinlandloge eine kleine Feier statt, verbunden mit einem VorttagszykluS über „Die Ethik des Judentums". Die Abende sollen besonders den hier nicht heimischen jungen Leuten einen stimmungsvollen Freitag-Abeüd bereiten. Besonderen Wert legt der Verein auf seine „Jugendgruppe", die unter bewährter Leitung eine Stütze deS Vereins zu werden verspricht. Hier soll den ganz jugendlichen die Liebe zum Judentum erweckt werden, hier sollen sic jüdisch denken und handeln lernen. Auch eine sehr reichhaltige Bibliothek steht den Mitgliedern jederzeit zur Verfügung. Co verspricht die Tätigkeit des Vereins im koinmenden Winterhalbjahr eine recht segensreiche zu werden, besonders da der Verein keine' Kampforganisation ist, sondern der jüdischen Jugend aller Richtungen eine geeignete jüdische Grundlage geben will. Darum richtet der Verein wiederum an die Jugend aller Richtungen die Mahnung: „Wenn Ihr Freunde der jüdischen Jugendbewegung seid, so tretet ein in die Reihen des Jugendverrines Gabriel Rießer, Köln."" Köln. Am Samstag, den 6. 11., fand'die dritte Veranstaltung des Jugendvereins Gabriel Rießer im Elisabethensaal statt. Die großen Erwartungen, die man in die Veranstaltung gesetzt hatte, wurden noch weit übertroffen. Die Künstler gaben ihr Bestes, Herr Julius Lenz vom Opernhaus sang u. a. Archibald Douglas und mußte sich bei dem „Gesang Weylas" von Hugo Wolf zu einer Wiederholung verstehen. Herr van den Bergh brachte mit meisterhafter Technik „Variationen" von Hubach, Ungarischen Tanz Nr. 4 von Brahms. Besonderen Beifall erntete er mit der Wiedergabe des „Tambourin chinois von Kreisler. Herr von Geldern vom Konservatorium Köln war beiden Künstlern ein hervorragender Begleiter am Klavier. Er erfreute di§ Zuhörer mit glänzender Wiedergabe u. a. „Walzer aus dur von Brahms. Frl. Elsa Baumbach vom Schauspielhaus« erntete mit ihren in bekannter Meisterschaft vorgettagenen emsten und heiteren Sachen stürmischen Beifall. Die Veranstaltung kann als eine besonders gelungene bezeichnet werden. Der Besuch des Abends war gleichfalls sehr gut. Könner Nachrichten. Bonn. Di« Jubiläumsfeier des 2. Vorsitzenden unserer Gemeinde, Herrn MaxHerschel, mutet am Samstag den 15. November durch einen Festgottesdienst in der geschmückten Synagoge eingeleitet, bei dem Herr Rabbiner 1)r. Cohn die Festpredigt hielt, der er den Vers des Wochenabschnitts: „Meadonoj jozo hadowor — Vom Ewigen ging die Sache aus!" zu gründe legte. Di« göttliche Fügung sei es, der wir unS allezeit hoffnungsvoll und gläubig hingebcn sollen, sie habe auch das Leben des Jubilars begleitet, und sein fünfzigjähriges W gesegnet. Dieser Tag rken in der Gemeinde mit Erfolgen ei aber nicht bloß für den Jubilar, sondern auch für die Gemeinte ein Festtag, die an diesem