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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-10-31 · 23 (31.10.1919) · p. Seite 261

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
23 (31.10.1919)
Date
1919-10-31
Page
Seite 261 (sequence 7)
Language
German
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»61 Alles, alles erhielt ich für Geld: sowohl das wohlwollende Lächeln deS Freundes, als di« Küste des WeibeS; alles, sogar-Len „Kaddisch" für meinen seligen Vater. Mein Tod hat nichts Rätselhaftes; ich bin einfach ausgelebt, verödet, sowohl Physisch als moralisch; und Hab« nichts Gesundes, Lebendiges mehr in mir. Ich habe über« Haupt schon aufgehört, zu den Lebendigen zu zählen. Der Kelch der Genüsse ist bis zur Neige geleert; zu etwas anderem tauge ich nicht. Die Natur verhielt sich mir gegenüber, wie der Bauer gegen sein Vieh: sie hat mich nämlich reichlich gefüttert. Jetzt aber iftfte gegen mich grausamer als jener; denn während der Bauer dem Leben des gemästeten Tieres mit eigener Hand ein Ende macht, befiehlt die Natur mir — es selber zu tun! . Ich schreibe kein Testainent, denn ich möchte über das Vermögen, welches mir so viel Unheil verursacht hat. keine Verfügungen treffen. Möge man damit machen, was man . wolle; man vernichte und zerstöre es! . . . Und . . . Gibt es jemanden auf Erden, dem ich in meiner letzten Stunde zu Dank verpflichtet wäre? . . . Nein ... ich habe ja fiir alles bezahlt, für alles, sogar fiir dieses Glas Gift . . . r ULli—Mi Die Kstevlasche. □ ^ojauaüuüüa'ja' In Karlsbad erzählte man sich Kriegsgeschichten, und so wurde auch die im Kriege vielfach variierte Anekdote erzählt, daß ein jüdischer Soldat nur dadurch dem Tode entgangen sei, daß die Kugel, die ihn traf, in dem Gebetbuch, das er in der Tasche bei sich trug, stecken geblieben sei. „Das war sicher aber keins von den neuen jüdischen Gebetbüchern von der Reform", sagte einer der Zuhörer. „Die sind zu dünn, um die Kugel aufzuhalten. Da sieht man wieder, wie gut unser alter, dicker Siddur (Taille) ist." * . * Kindermund. „Der liebe Gott ist überall, sagst du, Mama?" — „Jawohl, mein Kind." — „Was tut der - - liebe Gott am Schabbes in der Elektrischen?" Aus dkm „Schlemiel-, Jüd. Blätter für Humor und Kunst, Berlin NW. 7, Dorotheenstraß« 36. 13 M. jährlich. Krlrfkasten.^ Wir erhalten von einem in Berlin wohnhaften Rheinbreitbacher, dessen Sohn vier Jahr« ununterbrochen an der Front war, mit dem E. 9. 1. ftlafff ausgezeichnet, zum Offizierkursu» als Jude aber trotzdem nicht zugelassen würde, folgende Zeilen, durch die er feiner Dankbarkeit Ausdruck geben möchte, und um deren Veröffentlichung er uns bittet. Wir folgen dem Wunsch« umso lieber, alS wir daS in dem Briefe geschilderte Verhalten alS wirklich vorbildlich empfinden. Der Schreiber schildert di« Erlebnisse seines Sohnes wie folgt: Nach fünfwöchenllichem Rückmarsch auS Frankreich wurde das Art.-Rgt. 108 in einem Dorfe bei Kassel mit Namen Meimbressen und umliegenden Ortschaften einquartiert. Dieser Ort hat etwa tausend Einwohner, doch wohnen dort nur einige zwanzig jüdische Familien, die alle streng religiös sind. Mein Sohn übte dort f. Zt. die Funktionen eines BerpflegungSoffizier» au» und kam in dieser Eigenschast dienstlich zum jüdischen Vorsteher. Er stellte sich nebenbei dann auch al» Glaubensgenosse vor. Am darauffolgenden Freitag Abend machte der Borsteher in der Synagoge folgende» bekannt: „Wir haben augenblicklich in unserem Ort einen jungen jüdischen Bizewachtmeister, der zweimal verwundet und mit dem Eisernen Kreuz 1. Klaffe ausgezeichnet wurde." Diese Bekanntmachung hatte zur Folge, daß mein Sohn von Heu jüdischen Familie» geradezu mit Einladungen überhäuft wurde. Da da» Regiment dolle 8 Wochen dort stillliegen mußte, war dieser Aufenthalt nach all den Schrecken und Strapazen de» Kriege» unbeschreiblich wohltuend für ihn. Mein Sohn wird nie vergessen, wie die jüdischen Familien von Meimbrrffen geradezu wetteifertrn, ihm den Aufenthalt dort recht angenehm zu gestalten. S. H.-Berlin. ^reisqrraöraträtfec. 1 2 S 4 Die vier Reihen de» Quadrat» sollen auSgesüllt und von link» nach recht» wiechpn oben nach unten gelesen gleicherweise Folgende» ergeben: 1. eine biblisch« Urgestalt, 2. «inen Jrauennamen, 3. einen Priester, 4. eine GeschlechtSbrzeichnung. Unter den Einsendern der richtigen Lösung wird ein Preis auSgelost und der Name deS Prämiierten hier veröffentlicht. 00000000000000000000110 DaoiiaDDDaiioaiiaoai 8 e ■ per Wereinsbote. aaaoDDaaaDDDaDDDDaaa a □ DDaaaoaoaaaaaiiDiii Wir stellen diese Stelle allen jüdischen Vereinen frei zur Verfügung, um hier ihre wöchentlichen Veranstaltungen kurz anzukündigen. * Radien. 1. Verein der jüd. Jugend. Am 4. November Geselliger Abend. Beuel. 1. Der „Jrauenverein", Irl. Sibylla Behr, Wilhelmstr. 67. 2. Die Armen- und Krankenkommission: vr. med. Weiß, Friedrichstr., Hermann Herz, Wilhelmstr. 2b. 3. Die BeerdigungSkommtssion: Herren Abr. Salomon, Rheinaustraß«, Herm. Frank, Wilhelmstr., Phil. Heumann, Rheinaustr., Karl Levy, Siegburgerstr. * l . * Bonn. 1. Der „Armenverein-, Herr Jakob Koopmann, Marteustr. 20. 2. Der Frauenvrrein, Frau Emma Stern, Wenzelgasse 33—86. 3. Di« Chewrah Gemilu» chasodim, Herr L. Coßmann,. Meckenheimer Allee 42. 4. Der Jüdisch« Jugendbund. Herr Willi Feldmann, Beethovenstraße 3. Alle Mitglieder, die sich im Besitze von Büchern auS der BereinSbibliotbek befinden, werden gebeten, den Titel und Verfasser deS BucheS an Erich Frankfurter, Tempelstraße 12, mitzuteilen. 6. Ortsgruppe de» Zentralverein» deutscher Staatsbürger jüdischen Glauben», Herr RechtSanwait vr. Herrmann», Mtckenhrimer Straße 64. 6. Zionistisch« Ortsgruppe, Herr Max Soldreich, Beuel, Rordstraßr 10. Jeden DienStag Abend 8 Uhr, CafS Gangolf: Zionistischer Stammtisch. 7. Dr. Falk Eohn-Berrin, Herr Höchster, Wrnzelgasse 68. 8. Synagogenchor-Verein, Herr Leop. Feldmann, Berthovenstraße 3. Jeden Montag Abend 8 Uhr Chorprobe. 9. Ortsgruppe der Rheinlandlogr, Herr Salo Simon, Kaiser- Jriedrichstraßr 2. 10. Verbindung im K. C. Rhrno-Silesia, Meckenheimer Straß« 28. 11. Verbindung jüdischer Studenten Kaditnah im K. I. v. Stud. chem. Hugo Heimann, Weberstraße 114. ,

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