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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-10-24 · 21 (24.10.1919) · p. Seite 236

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
21 (24.10.1919)
Date
1919-10-24
Page
Seite 236 (sequence 6)
Language
German
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y tum",'‘Dr. Hermanns über „Rahel Vamhagen". Wie jeder einzelne dieser Vorträge war unsauch der von Frl. Hannah Meyer veranstaltete Rezitationsabend ein großer Genuß. — Besonderen Beifall fanden di« immer sehr zahlreich besuch-! ten Veranstaltungen musikalisch-literarischen Abende, z. B. i einer, der der Familie Mendelssohn gewidmet war und ein; anderer, der als Frühlingsfeier den Frühling selbst zum s Motto hatte. — Auch die Heimabende waren sehr gut besucht. — Ganz besonderer Tank sei an dieser Stelle den Herren Berg und Gruneba ausgesprochen, die in selbstloser Weise Zeit und Können in den Dienst der Vereins stellten, indem erstcrer den fremdsprachlichen Kursus (Franz., Engl., Jtal.), letzterer den hebräischen leitete. — Die Turnabende erfreuten sich reger Beteiligung. Wir hoffen aber, daß ihr Besuch noch viel zahlreicher und regelmäßiger wird, da die körperliche Ertüchtigung auch für das weibliche (Geschlecht nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Ter körperlichen Gesundung und Erholung dienten auch die während des Sommers' gemachten zahlreichen Tageswandenmgen, von denen die Teilnehmer immer hochbefriedigt heimkehrten.. Alles in allem dürfen wir mit größter Befriedigung auf das verflossene Vereinsjahr zurückblicken. — Daß der Verein fleißig und treu gearbeitet hat, soll nach obigen Ausführungen auch von uns gern anerkannt werden. - Möge er auch nach seiner.Verschmelzung mit dem männlick-en Jugendverei»»^die in-einer am 7. Okt. stattgehabten gemeinsamen Generalversammlung einstimmig 1>eschlosten wurde, tveiter dieselben edlen Ziele verfolgen. die er bisher erstrebt und erreicht hat. Saarbrücken. In» blühenden Alter von 21 Jahren verstarb Rudolf W o r in s an den Folgen eines tragischen Unglücksfalls in Heidelberg, »vohin er sich zwecks Aufnahme seiner Universitätsstudien begeben hatte. Mit ihm verliert die jüdische Jugend des Saarlandes ihren Besten. Lange Zeit war der Verstorlvnc in führender Stellung im Wandervogel, bis auch ihn, wie so viele unserer Besten, die Sehnsucht nach eigener Art und nach jüdischer Gemeinschaft ergriff. Wie kein ziveiter wäre dieser junge Edeljude befähigt gewesen, der jüdischen Jugend ein Führer zu werden, hätte ihn nicht ein tragisches Geschick in den» Augenblick zerschmettert, da er begann, seiner Sache zu dienen. Hmuur Nachrichten. Am Samstag nachmittag fand im Saale des Hotel Lücking, Poppelsdorfcr Allee, das Simchasthorafest der „Kameraden" statt, das einen sehr hübschen harmonischen Verlauf nahm. Nachdem Herr kand. jur. Levy im Namen des Vorstandes die zahlreich erschienenen Eltern und Kinder willkommen geheißen hatte, hielt Herr Rabbiner vr. Cohn eine köstliche kleine Ansprache, in der er den Kindern die Seligkeit der Freude und des Vergnügtseins und vor allem der Kameradschaft im Judentum pries. Man sah den aufmerksam zuhörendew Kleinen ordentlich an, welch einen freudigen Widerhall die in ein dreifaches Hoch auf die <-> „Kameraden" ausklingenden Worte in ihren kleinen Herzen fanden. Und daun begann das eigentliche Festprogramm: Gedichte. Reigen. Aufführungen, Klaviervorträge. Gesang und Tanz folgten einander in bunter Reihe. j Es war ein inniges Vergnügen, zu sehen, wie di« Kin-! der. die größeren, sowohl als auch di« ganz kleinen all ihr j Können hergaben, mit welcher Begeisterung sie bei der j Sache waren. j Mit Anerkennung und herzlicher Dankbarkeit aber sei! derer gedacht, di« dieses schöne Fest vorbereitet und mit! unermüdlicher Geduld und Ausdauer und so viel Geschmack | den Kleinen diesen Jubel, den Eltern di« große Freude ge- > schaffen baden. Zum Schlüsse deS wohlstelungenen Festes! richtete Herr Dr. Herrmanns an die Eltern die warme, eingringliche Bitte: Nicht nur zu Festen, nein auch zu Wanderungen, zu Leibesübungen, zu Sport und Spiel im Freien möchten sie ihre Kinder den „Kameradeen" andertrauen, damit auch die jüdischen Kinder in Spiel und Sport ihre Körper stählen und auf ftöhlichen Wanderungen ihre deutsche Heimat immer mehr kennen und lieben lernen. Der Bote erzählt : — ▼ tttt t.t. t yyyyyyyyyy y.y y y r. x r' Der Karfiwlttl. Ban L«»p»ld S,«p«rt. <18. Fortsetzung. Der Schluß folgt in nltchster Rümmer.) Im Klange dieses einzigen Wortes schien ein« baunende Gewalt zu liegen, der die Tochter des Vorbeternichts entgegenzusetzen hatte. Sie hatte ihr Haupt emporgerichtet, Angst und Entsetzen malten sich in ihren feinen Zügen. Sie war in diesem Augenblicke von unsagbarer Schönheit! „Was soll ich tun, Graf?" flüsterte sie, die Blicke zaghaft auf die vor ihr stehende hohe Gestalt des Grafen gerichtet. . — - - „Fällt Ihnen die Entscheidung so schwer?" rief er voll schneidender Herbigkeit. „Wählen Sie. JsabcllaI Wählen Sie zwischen den Ansprüchen dieses alten Mannes, und denen... die ein anderer an Sie erhebt! Zertrümmern Sie in einem Mornente, was lange Jahre gebaut. Es wäre nicht das erstemal, daß ein Kind Ihres Volkes sich von mir losreißt... weil ihm das Warten zu lange geworden. Gehen Sie auch hin, Jscihella... Ich begehre keinen Dank! Wird es mir doch immer klarer, daß kein Menschenwitz ausreicht, um das Gesetz der Natur, um das Band der Abstammung auch nur nrn einer Linie Breite zu verrücken. Gehe»! Sie hin, Jsabella! Sie sirrd keine Künstlerin I Sie sind es niemals gewesen. Lüge und Verstellung war die Mitgabe Ihres väterlichen Hauses... nun liegt sie offenbar da..." „Lasten Sie m i ch mit ihr reden. Herr Graf!" unterbrach ihn David Brod. Er hatte sich wieder zu ihr herabgebeugt. „Denke dir, Ella!" sagte er halb laut, halb in unvernehmbaren Worten, „wir sind jetzt ganz allein auf der Welt, ein Vater steht seinem Kinde gegenüber... Wie stehst du zu diesem Manne «Er ist mein Herr, mein alles... was ich bin, das hat er aus mir gemacht... ich bin seine Sklavin, und er ist mein Gott!" ... „Wirst du sein Weib tvcrden?" „Ich frage nicht darnach!" ... „Steht es so mit dir?" Dann rief, gegen den Grafen geivandl: „Was will der Herr Graf noch? Worüber will der Herr Graf sich »wch beklagen? Erst, wie sie mich gesehen hat. überkommt sie die Lust, mit mir zu gehen, aber die Worte des Herrn Grafen sind »nächtiger als sonst etwas in der Welt. Wer wird jetzt sagen, daß noch das kleine Äderchen von ei,»ein jüdischen Kinde in ihr zuckt? Es ist alle» heraus aus ihr, alles, alles, und nichts ist übrig geblieben als.. der Gott, der sie zu einer Künstlerin gemacht hat." „Sie folgt nur dem Zuge ihres Benlfes," sagte der Graf dumpf vor sich hin. „Freuen Sie sich nicht. Herr Graf!" rief der Alte mit drohend aufgehobenem Finger. „Es ist nicht gut, wenn man ein Kind abwendig »nacht seinem Vater, und der es getan hat. auf den fallt eS zurück." Der alte Mann stand wieder aufrecht da: seine Augen sprühten ein dunkle» Feuer auS. „Fciwelmann!" sagte er mit gebieterischer Stimme, „briira das Geld her, was sie dir «ingehändigt haben. Edarf keinen Augenblick länger in deiner Tasche brennen."

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