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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-10-08 · 19 (8.10.1919) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
19 (8.10.1919)
Date
1919-10-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jfcrscheint mit Brlaubni« dtr britlscheti Militärb«börd«n.! 5D«t „*0U' erscheint jeden Qrtltag : 41 | 0(|uiilpt«14: hü ^f.' monatlich \ I tttkambnlfi^lui: Mintag adrnd j immtm**«- j Jüdisches WMsbklitt Her«l»-«Aeb«n von Rabbiner Dr. €l)| ^ghH, Bonn j Anjflgenprrt«: | gesü.«tttt,riir ■. Pr« Wiederhol, enispr. Sta^. - >n-1 igrnannahm« öts Mostiaa mittag 1 » Pf- >»« . Sl.»nzrIa.bÜPk : r^igrnannahm« öts SRofttag mittag I Schriftlettung und Keschqftsstelle: Voyn, Tempelftraß« \2 W«W Hoyfl, 8. Oktober ISIS — l4^if<hri S68v 1. MW Zahs-«^. Inhalt: FrdhUcher Brauch dvn Sniil Lohn. — seid. — Sin Brief von Heinrich' Hkivr? — Bon Berg und LÄ rttjel. — Der Bereinsbotr. — Kalender der Woche us». >au. — Reichsreliglonsrecht und die Juden von vr. Blanken» ^ex Karfunkel von 8. Komprrr. — Die Ksotentasch«. — Sukikoth 5680. V._ ) hmn»mnhhmH’ Fr-Hlicher Krqych. An Htiien sollt ihr wohne» sieben löge. 3. Mos« 23. <2. Du sollst dich freuen vor dem Ewigen, deine« Gott«. L. Mose, 13, 18. Kommt, Kinder, jetzt bauen wir die Sukke! Du, Lmge. schleppst die Lqtten herbei, du die Vorhänge, du Terkzeua, Hammer und Nägel! Ihr. Mädchen, nehmt > buntes Papier, blau und weiß, die Farben der Mattabaer: Du schneidest Netze, wie es dir gezeigt wurde, du Ketten nnh Girlanden, währenddem du da Nüsse vergolden. Da» vjhssterne schneiden^ Äpfel aufhängen kannst! Und du. kleine Malerin mit den geschickten Händen, malst mir mit großen alten Buchstaben das hebräische Wort hin: „Du sollst dich freuen vor dem Ewigen, deinem Gotte!" Es gibt nichts Schöneres und Lustigeres, als eine Laubhütte zu bauen, vier Tage lang das schöne Sinnbild der Freude und des Friedens erstehen und wachsen zu sehen und nachher sieben Tage darin zu wohnen, unter dem grüneu Laubdach im herbstlich warmen Sonnenscheine Gaste bei sich zu haben und abends den Vollmond und die, Sterne zu schauen. Es ist der Jubel der Kinder, den wir Jahr für Jahr wiedererleben. Und die Häuser, die diesen alten Brauch edelster Volkstümlichkeit wieder aufgenommen haben, haben sich noch alle gewundert, wie es denn kläglich war. daß man ihn je konnte einschlafen lasten. Die Laubhütte ist der jüdische Weihnachtsbaum, ist mehr als das. weil er das Werk der Kinder selber ist. Warum hält es so schwer, den alten Brauch neu zu beleben? Sollen wir denn wieder orthodox tverdeu? hör' ich die Leute rufen. Kann man eine Sukke bauen, wenn man keine Tefillen legt? Gemach, meine Freunde! Nicht darum handelt es sich, wiewohl es übrigens keine Schande wäre. . Aber bleibt meinethalben so neolog. wie ihr wollt, wenn ihis mir nur zugebt, daß dieser Brauch schön, froh und sinnreich ist. Und wie oft habe ich'gesehen, wieviel Spaß die Kinder daran hatten. Ich kann mir freilich einen Menschen denken, den es Überwindung kostet, die steifgewordenen Gebetticmen aus dem verschimmelten Beutel hernuszuholen. . Aber daß Eltern etwas dagegen haben sollten, ihren Kin» dem eine Freude, eine alljährlich wicderkehrende. also mit freudigster Spannung erwartete Freude vorzuenthalten, das will nicht in ^meinen Kopf hinein. Das wäre zudem eine! mordmäßige Dummheit, weil solche Freuden allein durch I ihre jähäiche Wiederkehr das aufbauen, was euch allen am I Herzen liegt, nämlich die Schönheit rührender Jugender.inNerungen. an der die Kinder noch zehren, wenn j uns alle längst der Rasen deckt. Sagen Sie mal, Herr Soundso, Sie, der Sie keinen Sabbath und Festtag, keinen Seder und kein Chanuka mehr kalten und sich heute weigern. Ihre Kinder gewähren zu lasten in ihrem Eifer: Was wird Ihren Kindern von Erinnerungen anS Elternhaus übrig bleiben, wenn Sie einmal nicht mehr da sind? Sie haben ndch Erinnerungen, S i'c wißen noch, wie bei Ihnen im Eltcrnhause der liebe, fromme Brauch so tteulich geübt wurde zu seiner Zeit. Was werden Ihre Kinder aber einmal von ihremllflternhause zu erzählen wißen? Etwa, daß um 8 Uhr gefrühstückt, um 1 Uhr gespeist, um 7 Uhr gevespert wurde? Sie mögen noch so liebevoll zu Ihren Kindern.gewesen sein. Erinnerungen, Jugenderinnerungen, das sollten Sie sich merken, kommen nux aus der Eindrücklichkeit regelmäßigen und fröhlichen Brauchs. Nur was jährlich wiederkehrt in gleicher Att, das haftet im Gemüt. So pflegt denn den alten fröhlichen Brauch mit euren Kindern. ihr tut euch nur selbst etwas Gutes an und hämmert einen goldenen Nagel innigen Denkens und Dankens ins Herz der Kinder und Kindeskinder. Pflegt ihn meinethalben zuerst nicht, weil er fromm, nicht, weil er Pflicht, sondem einfach, weil er fröhlich ist. Ihr werdet dabei gewiß dem einen und andeni Frommen begegnen, der euch sagen wird, dies sei kein Judentum: Nicht weil es schön, sondern weil es geboten sei, habe man in die Sukke zu gehen. Diese Leute irren. Zwar heißt es. du s v l k st dich freuen vor dem Ewigen, deinem Gotte. Aber dieses „Du sollst" ist nicht das hatte Muß des Gesetzes, sondern eben nur die schlichte Aufforderung, fröhlich zü sein. Es ist nicht anzunehmen, daß das jubelnde Volk im Tempel zu Jeru, sälem. wenn es in der Sukkothnacht den Künsten der Fackelwerfer Beifall rief, immer nur an die Mizwoh dachte, die dabei war. Die Freude, die Gott hier meinte, ist die Freude, die ihren Grund. Anfang und Ende. Sinn und Zweck in sich selber trägt. Und selbst Gottes einmal in dieser Freude zu vergesten. ist ihm heiliger Dienst, und war un ern! Vätern und soll uns selber sein ein echtes, unverfälschtes Judentum. Im -Rahnien des ewigen Bildes, das un er Glaube, unsere Geschichte, unser Volk uns spiegelt und zeigt, trägt auch die Freude um der Freude willen des jüdischen Geistes Stempel und Gewalt. Emil E o h n.

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