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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-10-03 · 18 (3.10.1919) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
18 (3.10.1919)
Date
1919-10-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Erscheint mit Erlaubnis der britischen Militärbehörden. i | Der „Bote« erscheint jeden Freitag; Bezugspreis: bv Pf. monatlich RrdaktionSfchluß: Montagabend : Postscheckkonto »»in 9fr. 74747. vom Rhein : Anzeigenpreis: 35 Pf dir vier-: j grip.Pktitzxilr »l. «nzeig. bOPf. S V rAl rp Cf u! «“Wiederhol, entfpr. Rab. . An.: ^UOtfCyCÖ g!>OlH£>ülCtU : zrigenannahm, bis Montag mittag j Herausgegeben von Rabbiner Qr. Emil Lohn, Bonn. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Bonn, Tempelstraße j2. Kummer 18 Vonn, 3. Oktober 1919 — 9 Gischri 6.680 1. Jahrgang. Inhalt: Rur gefällige» Beachtung! — Versöhnlichkeit von Smtl Lohn. — Wochenschau. — Franzdstscher Appell gegen die Sroarome. — Glauben und Leben von Or. Max Wiener. — Bon Berg und Lai. — Der Karfunkel von U. ftompcrt. -- Briefkasten. — ücherschau. — Der BeretnSbote. — Kalender der Woche ufw. Zur gefälligen Beachtung! Mit dem 1. Oktober 1919 beginnt ein neues Vierteljahr. Wir bitten unsere geehrten Abonnenten um baldigste Erneuerung des Abonnements, damit in der Lieferung keine Stockung eintritt. ^DaS Abonnement für das letzte Vierteljahr 1919 in Höhe von M. 1.65 bitten wir uns auf unser Postscheckkonto Köln Nr. 7474? Botenverlag Bonn einzuzahlen.' DU 6ttCb3ft$$UlU. | Ivm Kippur 5680. { } 1N"lö!s'.UirtskUt - * . Jür alles gibl <t tute r>er,oh»u»g. - - 2 i rach 22, 27. Run kouiml der dunkelste Tag des Jahres und dunkler ist er unS nie gekommen und verlangt von uns die große Versöhnung mit Gott und Menschen und nicht zuletzt mit uns selbst. 'Mit Gott, der uns Heuer durch das Tal deS LebenS führt«, wü es am dunkelsten war-, mit den Menschen, die. unS hassen und gegen unS wüten, wie wir eS auf dem unfern Äolkeö noch nie erlebt; und mit uns selbst, die wir mit verwirrten Sinnen durch diese Zeit tappen wie verirrte Kinder im Waldgestrüpp. Wird das neue Jahr unS der Versöhnung der Volker nälrer bringen? Wird es uns. die Unterlegenen im grausen Streit, init der Zeit, den Verhältnissen, der Umwelt, versöhnen? Wir wissen es nicht, aber wir wünschen es wohl und möchten gern beitragen, daß sich cjlles versöhnlicher für uns gestalte. Was können wir tun? — . > Ich möchte hier einen Grundsatz aufstellen. Dle>er Grundsatz lautet: „Für den Versöhnlichen ist alles versöhnlich." Das heißt, in unser» Willen ist es gelegt, wie weit alles freundlicher für uns wird. Versöhnlichkeit ist nichts anderes als Lebensklugheit. Der Nachtragende ist immer dumm. Denn Groll ist eine Verschwendung von Lebenskraft an eine Sache, die vorüber ist. Und nie wird dix Gegenwart genießen, an wem das Vergangene nagt. Nicht, daß ich einer Gesinnungslosigkeit das Wort reden möchte, die vergißt, was Ehre verlangt. Nein, das Dichterwort gelte nur ruhig weiter: Wahrhaft groß fein heißt. Nicht ohne großen Gegenstand sich regen v Und einen Strohhalm selber groß verfechten. Wenn Ehre auf dem Spiel!" Aber unter hundert Streiten, Zanken und Gehässigkeiten gibt es kaum einen, der so an die Ehre geht, daß eS den Strohhalm lohnt. Vielmehr ahnt man gar nicht, wieviel Haß auf der Welt seinen Grund und ersten Anlaß lediglich in Nervosität, Reizbarkeit, Exaltiertheit und Mißverstandnisien hat. Dieser Haß aber ist ebenso dumin wie schädlich, und es ist nicht etwa besonders gut. sondern einfach vernünftig, in solchen Fällen die Streitaxt zu begraben. Versöhnlichkeit ist dabei ganz einfach die Weisheit des Überlegenen. Und trotzdem gibt es noch BesiereS als das. Die großen, rührenden Versöhnnngsszenen und Friedenspfeifen haben alle in gewissem Sinne etwas — ich will nicht sagen — Lächerliches, aber doch envas Genierliches an sich. Man merkt. daß man dumm gewesen ist, und hat es nicht gern, diese Dummheit anzuerkennen und dabei ivomöglich noch andere als Zuschauer zu haben. Hätte man sich das alles nicht, sparen können? In der Tat: Die beste Berjöhnlichkeil ist nicht danach, sondern die vor dem Streike. Es gibt nichts Schöneres und auch nichts Männlicheres als eine versöhnliche Art. Siiavitur in niedo, fortitcr in re, sagt der Lateiner. Da» heißt: Entschieden in der Sache, versöhnlich in der Art! Gräulich sind die reizbaren Leute, die gleich in die Luft gehen, loenujie nur von fern eine abtvcichende Meinung wittern, und noch gräulicher diejenigen, die mit aufreizenden, Tone und entsprechender Geste für Sackte» ei »treten, die ebenso gut und noch viel besser in ruhiger unh entgegenkommender Weise verlwndelt werden könnten. Reizbarkeit ist mm freilich eine Krankheit unserer Zeit, darum muß sie aber umso mehr bekäinpft werden, und ntän tut cs am besten, indem man selber recht gesund und ruhig bleibt. Versöhnlichkeit in Reden und Tun entwaffnet den Reizbaren und bezaubert den Unbefangenen, denn dem, der sie übt, gibt sie nickst nur Macht über den biegner, sondern auch jene Anmut, die ein Verzicht auf Waffen dein Kräftigen immer gibt. Von all dem erzählt uns der Versöhnungstag nun freilich nichts. Er tritt mit letzten, allerletzten Forderungen an unser Leben heran und ist ein Tag großer Gefühle. Aber in der Leidenschaft der Stuilde und in den Erschütterungen eines, sühnenden Willens sollen wir die Forderungen des Lebens nicht vergessen gnd auf der großen Versühnung mil Gott aufbauen einen milden und versöhnliche» Sinn, des jüdischen Herzens bestes Teil und Erbe. E m i l E o h n.

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