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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-09-12 · 16 (12.9.1919) · p. Seite 177

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
16 (12.9.1919)
Date
1919-09-12
Page
Seite 177 (sequence 7)
Language
German
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spielender Lustigkeit. ..diesmal gehe ich nach Prag. Willst du mit. David?". . . „Wie kommst du mir vor. Feiwelmann?" rief der Vorbeter, indem er seinen Freund mit langen Blicken vom Kopf bis zur Fußzehe maß. ..Aufgelegt bin ich", meinte der Baß mit gesteigerter Lustigkeit, „warum soll mir das verwehrt sein? Gibt jemand etwas dafür, wenn ich aussehe wie ejn dreitägiges Regenwetter? Ta hat der verdorbene Student von einer gewissen Brodini Wunder über Wunder erzählt: sie soll die größte Sängerin sein, die die Welt seit langer Zeit gesehen hat, und was das Schönste ist. man sagt, sie ist die Tochter eines Vorbeters irgendwo in Polen oder Ungarn! Warum \ soll ich die Jsabella Brodini nicht auch, zu sehen bekommen? Und wenn es wich noch so viel kostet, ich gehe nach Prag , und sehe mir Jsabella Brodini an." „Spi still. Feiwelmann!" unterbrach ihn plötzlich der Borbeter. Feiwelmantts Lustigkeit war in ihr gerades Gegenteil umgeschlagen; seine Haare sträubten sich vor Entsetzen, als er bemerken mußte, lvelche Veränderung mit dem alten Manne vorgegangen war. Hatte David Brod den Gebrauch seiner Sinne verloren? Seine Augen starrten ins Weite, um die schlaffen Mundwinkel spielte ein Zug, der auf eine vollständige Erschöpfung seiner Verstandeskräste hiüzudeuten schien. „Sei still. Feiwelmann". rief er noch einmal, „und laß mich Nachdenken." Dann fuhr er mit den Händen nach der Stirne. „Wie ist mir doch?" schrie er mit markdurchschütternder Stimme. „Ist s i e &?" „Sie ists!" sagte Feiwelmann. „Mein Kind! Ich soll mein Kind Wiedersehen!" rang es sich in wiederholtem Aufschreien über die Lippen des alten Mannes. „Weißt du denn schon so mit aller Gewißheit, daß sie es wirklich ist?" glaubte der Baß. hinzusetzen zu müsien, um die Erregtheit des Vorbeters einigermaßen zu dämpfen. David Brod lächelte schwach. „Laß nur. Feiwelmann", sagte er. „laß nur. Ich begreife, wamm du mir einrcden willst, daß sie vielleicht cs doch nicht sein kann. Laß nur. laß nur! Du wirst sehen, 'sie ist es. Gott wird das mir nicht antun ... Wird er mich zuerst erfreuen wollen, und wenn ich den Becher Wein an die Lippen geben will, wird er mir ihn wegstoßen? Nein, Feitvelmann, ich glaube, du bist zu vorsichtig. Du wirst sehen, sic ists." In überströmendcn Worten brüch sich nun die Sehnsucht des alten Mannes nach seinem Kinde Bahn. Feiwelmann vernahm Herzenslaute, wie er sic unter dem Groll und der versäuerten Stimmung des Vorbeters nicht geahnt hatte, und eine Art heiliger Scheu hatte ihn ergriffen, ihn diese Offenbarungen eines wunden Gemütes mit irgend einer Äußerung hineinzugreifen. In derselben Nacht wurde zwischen den beiden Männern der Plan festgesetzt, die Reise nach Prag schon morgen anzutreten. Niemand solle darum wisien, Feiwelmann solle das Gerücht aussprengen, David Brod sei in eine benachbarte Gemeinde gegangen, um dort eine alte, hundertundzehn Jahre alte Muhme zu besuchen. Morgen nach dem Frühgottesdienste wollten sie. aufbrechen, und zu Fuß müßten sie gehen, sagte David Brod, denn im Wagen halte er es nicht aus. Welche Nacht verfloß für die beiden! I V (Fortsetzung folgt:) Aus der Kolentafche gefallen. Der berühmte Rabbi Eger war ein ebenso frommer wie duldsamer Mann. Meine Großmutter, erzählt von ihm. daß einst in Lisia an einem Schabbcs ein Jude zu ihm gelaufen kam: „Gewalt, Reb Eger, der Pinchcs steht am Schabbes auf dem Markt und verkauft Porzellan!" worauf Rabbi Eger von seinen 'Büchern aufgeblickt und in vollkommener Ruhe dem Aufgeregten erwidert habe:. „WaS Hot Ihr zu tun an Schabbes aufm Markt?" i Kölner Wohnungs- und Lebenshaltungskosten im 11. Jahrhundert. Gewiß, lang, lang ist's her. so urft die Zeit der Heinzelmännchen, da war das Leben in Köln beneidenswert billig. Brisch macht darüber in seiner „Geschichte der Juden in. Köln und Umgebung" (Seite 24) folgende Angaben: „Im 11. Jahrhundert konnte'man in Köln ein Haus für 8—10 Mark kaufen (eine Silbcrmark hatte einen Wert von 13—14 Talern. Sie wurde in 20 Schilling — 2<0 Denare geteilt). Die jährliche Miete für eine mittlere Wohnung betrug eine halbe bis eine ganze .M a r k. Mann und Frau gebrauchten im Jahr etwa 200 Denare. Ein Maß Weizen wurde nur auf den sechsten Teil eines Denars angeschlagen ..." Wie war zu Köln es doch vordem — Auch ohne, Heinzelmännchen so bequem. , \ . Lösung des Preisrätsels. J > ' J O B - P E R I, E N 0 R I» P 0 L M A T T A T H I A |M 1 N J E X 8 M X N N 1 Ten Preis erhielt Karl Fleischhallcr, Clbcrseld. Herzogstr. 25. Der Vereinsbote. Wir stellen diese Stelle allen jüdischen Vereinen nicht nur Bonns, sondern auch seiner näheren und weiteren Umgebung frei zur Verfügung, um dort ihre wöchentlichen Veranstaltungen kurz anzukündigen. Ta der Bote am Donnerstag zur Post geht, erreicht er Freitag, spätestens Samstag den Hauptteil seiner Leser, und eignet sich deshalb auch noch fürBereinefernererOrte, um sonntägliche Wanderungen und Zusammenkünfte anzuzeigen. * * I. Beuel. 1. Der „Frauenverein", Frl. Sibylla Behr, Wilhelmstr. 67. 2. Die Armen- und Krankcnkommission: Dr. med. Weiß, Jriedrichstr., Hermann Herz, Wilhelmstr. 25. 3. Die Beerdigungskommission: Herren Abr. Salomon, Rheinaustraße, Herm. Frank, Wilhelmstr., Phil. Heumann, Rheinaustr., Karl Levy, Siegburgerstr. — * « II. Bonn. * 1. Der „Armenverein", Herr Jakob Koopmann, Marienstr. 26. 2. Der Jrauenverein, Frau Emma Stern, Wenzelgasse 32—36. 3. Die Chewrah GemiluS chasodim, Herr L. Coßmann, Meikenheimer Allee 42. ’ 4. Ter.Jüdische Jugcndbuud, Herr Willi Feldman», Beethoven»; straße 3. . > Sonntag den 21. September Tagessahrt an die Ahr: Rech-s Steincroekg-Schroek-Horn-Landskrone-Remagen. Abfahrt <*19 Uhr. Fahrschein 4. Klasse nach Rech an der Ahr. Rucksackverpflegung mitbringen. Regenmantel nicht vergessen! 5. Ortsgruppe des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Herr Rechtsanwalt Dr. HerrmannS, Meaenheimer Straße 64. 6. Zionistische Ortsgruppe, Herr Max Goldreich, Beuel, Nordstraße 10. Jeden Dienstag Abend 6 Uhr, Saft Gangolf: Zionistischer Stammtisch, 7. Dr. Folk Sohn-Verein, Herr Höchster, Wenzelgasse 58. 8. Synagogenchor-Berein, Herr Leop. Feldmann. Beethovrnstraße 3. Jeden Montag Abend 8 Uhr Chorprobe. 3. Ortsgruppe der Rheinlandloge, Herr Salo Simon. Kaiser- Jriedrichstraße 2. ■ ,

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