Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 16 (12.9.1919)
- Date
- 1919-09-12
- Page
- Seite 173 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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, Begrüßungsmanifest, in dem cs u. a. heißt: „Während der ' letzten fünf Jahre' der Leiden haben sich die Hoffnungen unseres Volkes inbezug auf Palästina verinnerlicht. Jeder rechtdenkende Jude glaubt., daß Neu-Judäa in jüdischem Geiste verwaltet werden muß. und darin besteht gerade die herrliche Aufgabe unserer Organisation, innerhalb' der zionistischen Bewegung unsere heilige Thora zum Fundament unserer neuen jüdischen Heimstätte'zu machen." Bulgarien. Sofia. Mit einem Stammkapital von fünf Millionen Leva (etwa fünf Millionen Franken) wurde hier eine Palästina-Bank, die zweite nationaljüdische Bank im Lande, gegründet. * Transvaal. v Johannesburg. Die Technische Hochschule in Johannesburg folgte dem Beispiel der Universität in Capetown und hat einen Lehrstuhl für hebräische Sprache errichtet; der Lehrauftrag wurde Herrn Rabbiner vr. I. L. Landau übertragen. Palästina. Jerusalem. Nach einer Mitteilung des palästinensischen Hapoel hazair ist die erste größere Gruppe von 105 Chaluzim aus Polen in Palästina eingetroffen. Von den 105 Chaluzim haben sich 101 sofort dem Hapoel hazair , formell angeschlosien. Kopenhagens In Jerusalem sind zur Zeit 11 Kindergärten mit mehr als 1000 Kindern eingerichtet. Bis zur Eroberung durch die Engländer besaß Jerusalem nur 4 hebräische Kindergärten, von denen 2 dem Hilfsverein gehörten. Zum Herbst ist die Einrichtung weiterer Kindergärten geplant in Stadtvierteln, in denen noch keine Gamm bestehen. Jaffa. Ter bekannte Chowew-Zion Eliahu Kaplan aus Skopin ist am 15. August in Tell Awiw gestorben. * . * Die Juden in Korea. M. Kwangyong-Lee, Mitglied der Koreanischen Friedensdelegation in Paris, hat einem Presievertreter folgende interessanten Einzelheiten berichtet: In Korea leben nicht sehr viele Juden. Immerhin besteht in der Hauptstadt Söul seit langem eine jüdische Kolonie, deren Mitglieder jedoch sowohl in Sprache als auch der Kleidung nach völlig den Koreanern assimiliert sind. Sie haben sogar den koreanischen Typus angenommen, so daß man auf der Straße einen Juden von einem Koreaner gar nicht unterscheiden kann. Das einzige Erkennungszeichen für die Juden bildet ihr Name. Im Koreanischen oder im Chinesischen gibt es nur einsilbige Namen. Wenn nun einer Sumon (Simon) heißt, so weiß man, daß er ein Jude ist. Man hat rden Grund der völligen Assimilation der koreanischen Juden damit zu erklären gesucht, daß die koreanisch-chinesische Kultur' der jüdischen durch ihren Rationalismus sehr nahe stehe: Die Juden Koreas beschäftigen sich ausschließlich mit dem Handel und Werden als äußerst tüchtige Geschäftsleute geschätzt. Ein »bescntlicher sTeil der kaufmännischen Mittelklasse in Korea besteht aus Juden, die völlige Gleichberechtigung genießen. Die Juden nehmen auch den ihnen gebührenden Anteil am Staatsdienst, es gibt jüdische Soldaten und Offiziere, Richter, Arzte. Lehrer und Staatsbeamte. Es wird überhaupt kein Unterschied zwischen 'Ko- «anern und Juden gemacht und der Antisemitismus ist den Koreanern vollständig fremd. Die Koreaner, die selbst unter der Fremdherrschaft der Japaner zu leiden haben und sich nach Selbständigkeit sehnen, wünschen dem jüdischen Volk aufrichtig die Verwirklichung seiner nationalen Bestrebungen. . » Die Exgebnisse der Sammeltätigkeit des Jüdischen Nationalfonds im ersten Halbjahre 1919. Der Jüdische Nationalfonds findet beim Judentum der ganzen Welt immer größeres Verständnis und intensivere Unterstützung. Die für ihn gezeichneten Spenden betragen bereits für das erste Halbjahr 1919 2 531 398 Francs, während noch das ganze Jahr 1918 nur 2 243 187 Francs ergab. Die Spenden verteilen sich nach der Höhe der Beträge auf die folgenden Länder: Rußland 659 219 Rbl.» Nordamerika 63 786 Doll., England 13 028 Lstr., Deutschland 604 929 M>, Polen 504 745 M., Südasiüka 5704,76 Lstr., Canada 3771 Doll., Rumänien 150 000 Lei und 2408 M., Argentinien 25 087 Pelos, Südslawische Länder 222 244 K., Tschecho-Slowakei 222 843 Kr., Belgien 22 614 Francs und 4448 Hf., Galizien 131 090 Kr., Deutsch-Österreich 146 241 Kr., Holland 13 482 Hfl., Schweiz 21803 Francs, Frankreich 21142' Francs, Palästina 43 577 Piaster,. Weißrußland 23 142 Mark, Schweden. 6087 Kr., Griechenland 10 879 Francs und 292 013 L., China 400 L., Dänemark 2461 Kr. und 50 M., Ägypten 165,5 Lstr., Norwegen 2550 Kr., Litauen 6740 M., Tunis 2208 Francs, Australien 69,5 Lstr., Spanien 26,12 Lstr. und Marokko 50 Francs. - Trotzdem das Ergebnis von rund 2l/2 Millionen Frs. ganz ansehnlich ist, entspricht es noch nicht dem von der N.-F.-Verwaltung für das laufende Jahr veranschlagten Netto-Erfordernis von 10, Millionen' Francs pro Jahr, was zumteil darauf zurückzuführen ist, daß in den östlichen Ländern die Propaganda und systematische Sammelarbeit größtenteils noch immer lahmgelcgt sind. Gerade jetzt aber bedarf der Nationalfonds größerer Geldmittel als je vorher. Immer näher rückt der Zeitpunkt heran, wo der N. F. unmittelbar vor die Erfüllung seiner großen Aufgaben gestellt sein wird. Es gelangen schon jetzt fast täglich an ihn aus den verschiedenen Ländern Ansaaten um Überlastung von Erbpachtboden für ländliche und auch städtische Siedlungen. Er wird den Anforderungen nur dann entsprechen können, wenn seine Freunde in der ganzen Welt alles daran setzen, um seine jetzigen Einnahmen zu vervielfachen. Jüdische Jugenderziehung. Lon Referendar Theo H e y m a n n - Odenkirchen. Der Krieg und seine Folgen fordern auch vön uns Juden eine scharfe Stellungnahme, ein entschiedenes Ja oder Nein. Alle Teile der Judenheil auf dem weiten Etdenrund empfinden es heute mehr denn je, daß ein zurückhaltendes, negatives, verwaschenes Judentum nicht nur unserer Vergangenheit unwürdig, auch unserer Zukunft, und zwar der allernächsten, verderbenbringend sein muß. Etwas positiv Jüdisches wird heute von uns allen verlangt, seien wir Gesetzestreue, Zionisten oder.Liberale. Überall regt sich jüdischer Geist zu dieser positiven Arbeit, will jüdisches Üeben schaffen, pflanzen, bauen. Aber ein Haus, wird nicht errichtet, ein morsches Gebäude 'nicht ausgebessert, indem man mit dem Dache beginnt, zuerst muß der Grundstein gelegt, müssen die festen Mauem in die Erde gesenkt sein, soll es stark stehen und allen Stürnien trotzen. So müstcn wir unser neuerkanntes Judentum in die Herzen unserer Jugend pflanzen, fest verankern, soll es die Früchte zeitigen, die wir von ihm erhoffen, in Erkenntnis des Satzes, daß, tver die Jugend hat, dessen die Zukunft ist. y Guts Aber das Wie? Tenn an dein Wie ist noch jede Erziehung gescheitert. Wenn wir als Juden von Erziehung jüdischer Jugenh sprechen, dann müstcn wir uns stets zweierlei' vor Augen halten: 1. die allgemeine Erziehung. 2. die darüber hinaus-i gehende Erziehung zum Juden. Ustter 1. will/ich kurz einzelne für uns wesentliche Elemente einer jeden Erziehung zusamnienfasseir, wenn auch sonst die Erziehung zum Juden die Erziehung zum Menschen ohne weiteres in sich begreift. Darüber sagt der Frankfurter Führer Jacob Rosenheim: „Es ist der gefährlichste pst-chologische Irrtum, zu glauben, daß die Erziehung Sache des einzelnen Vaters sei, daß sie überhaupt durch den einzelnen unter zsveckbewußter.Abwendung individueller Mittel stattftnde. Nicht wir erziehen untere Kinder,