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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-09-05 · 15 (5.9.1919) · p. Seite 165

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
15 (5.9.1919)
Date
1919-09-05
Page
Seite 165 (sequence 7)
Language
German
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165 -Geldbeträge für David Brod eirchändigtc. - Anfangs lächelte der Bedienstete so geheimnisvoll . . . und verweigerte dann entschieden die Übernahme deS Briefes. Aber Feiwclmann bat so inständig und geriet in einen solchen Eifer, daß der Diener endlich dos Versprechen gab. er werde das Schreiben an die bezeichnet Adresse gelangen lassen. Ob aber eine Antwort erfolgen werde? Kurz nach diesem in Feiwelmanns Augen so überaus wichtigen Ereignisse kam des säbelbeinigen Schneiders Saul Weißfisch Sohn. Gottlieb, auch unter dem Namen „der verdorbene Student" in der Gasse bekannt, auf die Ferien nach Hause. v Mit dieser Bezeichnung gitlg die „Gasse" unstreitig viel zu weit. Gottlicb Weißfisch, der Mediziner, war durchaus nicht das, was man im Leben so oberflächlich einen schlechten Studenten nemu; aber iveil er bereits durch volle zehn Jahre seiner Wissenschaft oblag, ohne daß er es zu einem Abschlüsse als wohlbestallter Doktor brachte, darum nannten ihn die Leute einen verdorbenen Studenten. Wie dem aber immer sei, in einer Beziehung, und man konnte dies des schlechten Studenten eigentliche Wissenschaft nennen. war Gottlieb Weißfisch geradezu groß. Er kannte das Theater durch und durch; kein irgendwie bedeutender Schau-' spieler und keine irgendwo berühmte Schauspielerin waren ihm unbekannt, und namentlich in der Oper, seinem Lieblingsstudium, bewies er staunenswerte Kenntnisse. (Fortsetzung folgt.) Aus der Koteutaftde grfallrn. Lest den Schlemiel! Ek berichtet in Nr. 4 Folgendes: Mit einer merkwürdigen Stiftung wurde die oberschlcsische Gemeinde G. vor einigen Jahrzehnten beglückt. Chcrjim Gurauer verfügte testamentarisch, dqß die 30' M. jährlicher Unterstützung. die er bei seinen Lebzeiten yon der Familie Huldschinsky bezogen habe, nach seinem Tode an die Gemeinde fallen sollte, die das Geld «inenr würdigen armen Manne zuzuwcnden habe. Die Stiftung sollte den Namen „Chajim-Gurauerstiftulw" führen. Diese Verfügung imponierte der Familie Huldschinsky so, daß bis heute die Zahlung regelmäßig erfolgt. , » * » Tie schwersten Prüfungen werden uns durch Nichtigkeiten auferlegt. Sic überfallen uns täglich, oft anhaltend, und finden uns meistens wehrlos. Obendrein, es ist keine Ehre zu erlverben in solchem Kamvfc. Moses und der Herr wußten das wohl. Sie plagten Ägypten nicht mit Tigern, sondern mit Heuschrecken. Eduard Do uw es Dekker sMultatnIi.j . . . Tie Semiten waren so mit ihrem leidenschaftlichen Gemüt, ihrem energischen Mut. ihrem hartnäckigen, zäh das Erworbene festhaltendem Willen, ihrem Glauben an ausschließliche Berechtigung, ihrem harten Egoismus, ihrer scharfen Abstraktionskraft die Mauerbrecher für die höhere Kultur der abendländischen Menschheit; sie wurden in vielem die Lehrer der Jndogermanen und wirken durch die Juden auch noch heute überall mehr oder weniger als ein Leben und Reibung erzeugendes, teW bortschritt, teils Auflösung bringendes Element in den indogermanischen Staaten fork. Gustav Schmoller,' Gundriß der allg. Volkswirtschaftslehre, S, 151. * t ♦ Wenn man in Indien die greuliche Boaschlange zur Strecke bringen will, sojagt man ihr einen Ochsen in den Hachen. Ist sie satt gefressen, und wehrlos, dann ist sie leicht zu töten. Die Juden find der Ochse, den man der Revolution in den Rachen jagen will. Ludchtg Börn«. .\ )©rei»rätf«I rr< "Hi r. n Di« Felder sind so auszufüllen, daß sich ergibt: 1. ein Laut. 2. ein Dulder, 3. ein Schmuck, der gleichzeitig «in altjüdifcher Mädchenname ist, 4. ein geographischer Punkt, 5. ein Vater großer Helden, 6. ein beim Gottesdienst oft Unentbehrlicher. Die mittleren Buchstabeen von oben nach unten ergeben einen biblische» Fluß. ... Unter den Einsendern der richtigen Lösung wird ein «xrt» voller Preis ansgelost und der Name hier veröffentlich». . » Lösung de» Preisrätselau» voriger Nummer: Sto Profrt M-ich a. De» Preis erhielt Max Meyer, Frankfun a. M. -_ 1 Briefkasten. Wir erhalten folgende Zuschrift: Vor einigen Wochen hatte ich Gelegenheit, an einem FerienlursuS am Simonfchen Seminar für Gartenbau und Handfertigkeit in Peine fHannovers teilzunehmen. Mit Bedauern mußte ich an der geringen Teilnehmerzahl feststellen, daß trotz aller entgegenkommende» Fürsorge von seiten de»— Seminars so wenig Interesse in jüdischen Seminar- und Lchrkreisen für Werktätlgkeit und Bodenarbeit vorhanden ist. Im Sinne des Stifters lag es, eine Gesundung unsere» jüdischen-, Volkes herbeizusührc»; und wodurch konnte dabesser geschehen als durch Betätigung im Freien die heimatliche Scholle zu hegen und zu pflege», um reichliche» Ertrag z» erzielen; gegebenenfalls durch die Kunstfertigkeit der Hand Werke von daucrnbeni Wert zu schaffen. Ich will zugcbcu, daß die materielle Notlage unserer jüdischen Lehrer häufig einem solchen Entschluß hindernd entgegentritt, doch „>vo ein Wille, ist auch ein Weg". Es wird sich in den meiste» Fällen ermöglichen lassen, für die Zeit eine» Kurses von seiner Gemeinde Urlaub zu erhalten, wenn dieser die Zweckmäßigkeit eine» solchen vor Augen geführt wird. Materielle Nachteile entstehen ja keinem Kollegen, da das Seminar immer einer Anzahl jüdischer Lehrer Freistellen zn gewähren pflegt. Aogesehen von der Stählung des Körpers und des Geistes sind noch weitere Vorteile vorhanden. Nach jüngster Zusicherung deS Hcrrli Ministers für Wissenschaft. Kunst und Volksbildung erhalten diejenigen, die an einem ordentlichen Kursus tcilgcnommen haben, ein Staatszcugnis, das zur Anstellung als Wcrilehrcr an höheren Schulen berechtigt. Manchem wäre auch hier gedient, sich aus der Vielseitigkeit de» jüdischen Lehrcrbcrufes eine Stellung zu erringen, die ihn materiell und geistig erhebt. Ich will an dieser Stelle nicht versäumen, darauf hinzuweisen, daß Mitte Oktober ein ordentlicher Kursus für Gartenbau, und Handfertigkeit fH o l z -, Papps und M e t a l I a r b e i t) beginnt. Kollegen, die Ihr noch etwas Streben zur cigticn Jortbiliwug besitzt, laßt diese günstige Gelegenheit nicht vorübergehen. Ihr nützt Euch selbst und Eurer Euch anvertrauten Jugend, indem Ihr di« Liebe zur Scholle und die Lust zur Werktäligkcit in ihre Herzen pflanzt, um sie dadurch zu unabhängigen, freien Menschen zn erziehen, denn „Arbeit macht frei". ' ' ^Siegbert David. Lehrer. ... i Wir möchten diese Anregung dringend unterstreichen und befürworten. Das Simonsche Seminar ist eine der segensreichsten Anstalten, die die deutsche Judenheit besitzt. DieSchrlstleitung, . . . . -- \ r 0. ff., Bornhei«: Sie senden UN» die „Freie Meinung", da» Düsseldorfer Schandblatt, und fragen an, waS man gegen derartige antisemitische Verhetzung tun kann. Sie können überzeugt sei», daß der „Zentralverein" und der „Verband der deutschen Juden" in Berlin von all dem unterrichtet sind und alle nötigen und md»- lichen Schritte von dort auS unternommen werden. Eine Pole«» in unserem Blatte wäre nutzlos, da sie diejenigen, die sie lese» 'müßten, nie erreichen würde. —i_j

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