Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 8 (25.7.1919)
- Date
- 1919-07-25
- Page
- Seite 83 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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noch ehe ein einziges Wort ihres Vaters sie zum Gehorsam bannen konnte. „Baß! was sagst dü zu dem Kinde?" n^inte David Brod, indem er seinem Genossen eine volle Last Tannenreisige zuveichhe. Mit einer Art wilder Heftigkeit, die jeden; andern, nur nicht David Brod erschreckt hätte, der die Empfiydungsweise seines Sangbegleiters schon hinreichend kannte, hatte dieser die ihm entgegrngereichten Reisigbündel ergriffen und auf das Dach der Laubhütte geworfen. „Er fragt mich, was ich zu dem Kinde meine?" rief! er. „Und früher, wie das Kind gesungen hat, bat er mich j wieder gefragt, warum sie so und nicht anders gesungen hat, warum sie nicht so singt, wie sie es von David Brod und seinem Baß hört. David Brod! Siehst du denn nicht ein, daß dir Gott ein merkwürdiges Kind beschert hat?" Folgen wir dem Mädchen. (Fortsetzung folgt) Au» der Aoleatasche gefallt». ' iDer Sieger. ' Im jüdischen Restaurant zu Wi. wurde ich Zeuge eines an einem Nachbartische geführten Gesprächs zweier Landsturmleute.^ Der eine, ein wohlbeleibter kleiner Mann von nichts weniger als kriegerischem Aussehen, machte dem andern, der sich sichtlich bemüyte, Offiziersallüren zu markieren,sanfte Vorwürfe: „Wie können Sie nur an einem Sabbath hier das koschere Restaurant mit einer brennenden Zigarre betreten? Das muß doch die Gefühle der frommen russischen Juden, i die hier essen, aufs tiefste verletzen." - „Wenn schon", sagte der andere wegwerfend, „ich werde deswegen meine vorgeschrittenen Anschauungen nicht verleugnen!" „Es handelt sich doch nicht um Ihre Überzeugung, es ist einfach eine Frage des Taktes und >der Rücksichtnahme." „Rücksicht? Auf wen? Auf die russischen Juden? Wenn Sie noch von einem koscheren Restamant in Deutschland sprächen! Aber hier? Hier wäre das eine unverzeihliche Schwäche! Hier sind wir die Sieger!" Ich lernte anderen Tages den „Sieger" kennen. ES wm der Sekretär eines unserer Feldrabbineri (Au» dem neu erscheinenden „Schlemiel", Heft I, Weltverlog Berlin NW. .7, Dorötheenstr. 36.) Silbcncdtrcl. bn orifiMttt Schätze M g—«ft» sei, so hätte anch M deutsche Colt in den reinsten Vertretern' de» germanischen Typn» ein Menlchenart, eine, »vie vt. sie bezeichnet, „sakrale^ Mensche» art, welch« die höchsten Werte de» Volke» geschaffen und verwaltet habe. Es gelte nun. die Existenz dieser geistigen Welt dem gesamte» Volk in» Bewußtsein zu erbeben. Die Idee de» Deutschen Reiches»! nicht de» wilhelmifcheu, sckndrrn de» an o§r Geistigkeit de» sakrale» Menschen orientierten, müsse den Deutschen werden, was den Jude» die Thora in der Diaspora ist und war. RitR will freilich Blnhrr» Lehre im radau^lntisemttische» Sinn verstanden werden. So ergibt sich von selbst seine unbefangene! Stellungnahme zu den Juden. Er klassifiziert sie, indem er dt«! leben-starken Element« anerkennt, da» Krankhafte de» Ghetto» adlehnt. Al» oberster Typu» erscheint Blichrr der Jude der Rückkeh». Auch für d e n geistigen Juden, der nach dem Verlust de» lebendig« Zusammenhänge» mit seinem Volk für sich «ine Synthese zwischen der ererbten Mentalität und dem Wesen seine» Gaswolke» gefüllt« hat, zeigt er tiefe» Verständnis. Ablehnen muß er dagegen al» dritten Typu» den Vertreter jener substanzlosen Geistigkeit, d«!»iMer feinen weltbeglückenden Ideen den Mangel an innerer vodentäudigkeit verbirgt. > v Ein Kind diese» ©tijtc» sei auch der materialistische Sozialismus in seiner heute offiziellen Le»art. Bor seiner idealfern« Spekulation warnt er die Jugend, empfiehlt ihr aber um jo ei» dringlicher jene höhere Form de» Sozialismus, nach dessen Pr» gramm die Gesellschaftsordnung nicht nur jedem Einzelwesen die materielle Existenzmöglichkeit bieten, sondern der Gesamtheit der Menschen den Weg zur wahren Gemeinschaft weisen soll. „Dir Theophani« der menschlichen Gesellschaft" ist da» erlösende Wort, da» er der deutschen Jugend entgegenhält, anspielend auf die Lehren Gustav Landauer» und Martin Buber». So lenkt er die deutsche Jugend auf jenen geistigen Sozialismus hin, der «brnfall» eine Frucht jüdischen Geiste» iftv Ln. Der Bereinsboto. I. v o n n. 1. Jüdischer Jugendverein „Die Kameraden". Vorsitzende: Frau Rechtsanwalt Dr. Cohn, Meckenheimer Allee 87. Samstag den 26. Juli, Gruppe I: Wanderung durch da» wild« Melbtal. Treffpunkt 4 Uhr Kaiserplatz, Denkmal, — Gruppe II: Wanderung nach der Waldau. Treffpunkt 4 Uhr Argelanderstr. — Gruppe III: Wanderung in Richtung Venne. Fußball-, und Schlagballspiele usw. Treffpunkt 4 Uhr Argelanderstr. — Mittwoch den 80. Juli, 5 Uhr, Gruppe I und III: Heimnachmittag i» Gemsindehau», Tempelstr. — Donnerstag den 31. Juli, Gruppe 13: Heimnachmittag. Königstr. 1. — E» wird gebeten, all« MonatSoeiträge, soweit sie noch nicht abgeliefert"sind, mitzubringen. > 2. Der Jüdische Jugendbund, Herr Willi Feldmann, Beethovenstraße 3. Sonntag den 27. Juli: Morgenwanderung Melbtal, - venu»- berg, Klufterbachtal. Godesberg. Treffpunkt 8 Uhr Endstation der grünen Linie, Aktienbraüerei. Die untenstehenden 16 Silben sollen so zusammengestellt werden, daß sie 6 Wörter ergeben, die folgendes bedeuten: 1. Eine Per-!on der Stamuwäterzeit. 2. Eine Insel in Niederländisch-Jndien. I; Ein syrischer Feldherr der Makkabäerzeit. 4. Ein berühmter Dvnker de» Mittelalters. 6. Ein Köpig Israels. Die Anfangbuchstaben von oben nach unten, die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, ergeben einen hebräischen Dichter des Mittelalters, a bor el ga Hab i i» ka le li ma ne ni nor o. sAuffösung in nächster Nummer.) Freie Lehrerstellen. Steinhorst, Hannover, Hansahau»;' Buchen (Baden); Kleinsteinach bei Haßfurth a. M. (2000 M. u. fr. Wohn.); Neustadt Weftpr. (4200 M.l; Nürnberg: Graz; Wesel; Selters. Westerwald 12400 M.) Frankfurt a. O. (4000 M.. stgd. bi» 5800 M.. verh.); Neheim-Ruhr- Wallertheim, Rheinhessen (1800 M.>; StylSburm Ä.; Grebenstein, Bez. Kassel (2000 M.l; Breiten (3000 M. und ., fr. Wohn.); Bodenfelde bei Göttingen (2700 M.>; Büre» in Westfalen. _ Kllcherschtw. Deutsche» Reich, Indent» und SozinliSmn» von Han» Blüher (Georg C. Steüncke-Berlag, München ISIS, Pr. 1.35 M.) Unter obigem Titel veröffentlichte kürzlich Blüber eine während der ersten Revolutionszeit in freideutschen Juaendkreisen mehrfach gehaltene Rede. Bl. ist bekanntlich der freideutschen Jugend ein geistiger Führer, dessen Worte weithin vernommen zu werden ''pflegen. Schon darum dürfen wir an seinen Äußerungen zur Judensrage nicht achtlo» vorübergehen. Bei feiner Beurteilung de» heutigen Judentum» bewährt sich, lein klarer Blick für da» Gesund« und Starke, wenn auch gedanklich« Unausgeglichenheiten, in etwa mit der Entstehung der Schrift jn Tagen aufrüttelnver Umwälzungen erklärbar, nicht übersehen werden dürfen. So ist z. B. die Behauptung, daß „alle Niedrigkeiten des öffentlichen Leben» von Juden bestimmt werden", eine ärgerliche Übertreibung. Berstimmen solche Entgleisungen. sy befriedigen dach anderer, seit» die klugen Worte, mit denen Blüher in zweierlei Hinsicht daS Judenproblem berührt, vergleichend und kritisierend. Der vergleich ailt dem deutschen Volk. <Äin Schicksal sei in mancherlei Beziehung dem he» jüdischen ähnlich. Da» Tertium comparationis sei vor allem die Diaspora. Für uns Juden gehe sie vielleicht jetzt zu Ende, den Deutschen stehe st«, bevor. Aber wahrend da» jüdische Volk in der Zerstreuung an »er Thora einen starken sittlichen Halt gehabt, seht« ein solcher den Deutschen durchaus. Gewiß, auch sie hatten geistige Werke geschaffen, aber diese seien nicht Gemeingut de» «ulke» geworden. Wie einst im alten Israel der Stamm Levi Hüter Kalender der Woche. / Juli 191» TammuS- «w 6679 t Freitag. »5. Juli 97 SamStag... 2«. „ 98 . '»2» nitta KtaaNtaMtlt. Sonntag.... ar- . 99 Montag. 28. „ T > Dienstag.... 99. . 9 1 Mittwoch ... 30. . 3 Donnerstag. 81. . 4 1 ' Freitag. 1. Rüg. 6 SautStüg. C fitn nao onai. Gottesdienst in Bonn und Beuel. Bonn: Freitag den 25. Juli: Abendgottesdienst 7 Uhr, SamStna den 26. 3»Ii: MorgrngotteSdienst 9 Uhr, Predigt; Minchay 4 Uhr, SabbathauSgang S.15 Uhr. Beuel: Freitag den Sb. Juli: Abend» 7 Uhr, SamStag d« AK. Jnii: Morgengottesdienst »k Uhr. «inchch 4 Ufer.