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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-07-11 · 7 (11.7.1919) - Fragment S. 67-70 fehlen · p. Seite 66

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
7 (11.7.1919) - Fragment S. 67-70 fehlen
Date
1919-07-11
Page
Seite 66 (sequence 4)
Language
German
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— 66 abaeben wird, kann „ein von England geschützter palästinensischer Bürger" werden. Tie englische »protection" gilt für den palästinensischen Bürger auch im Ausland. Ausländer — jüdische Gesellschaften sind ausgenommen — dürfen in Palästina nicht mehr als 20 Duitam Boden besitzen. Als Amtssprache werden die englische, hebräische und arabische eingeführt. Die ganze Administration ncht in Händen der englischen Regierung, welche jedoch einen großen Teil von jüdischen Beamten, die vom Jüdischen Nationalrat vorgeschlagen werden, berufen wird. Paris. Der Ausschuß der jüdischen Vertreter m Paris überreichte der Friedenskonferenz eine Denkschrift über Pogrome und Schadenersatz. Es wird darin die Aufnahme von Bestinimungen in die Friedensverträge mit Polen, Ukraine, Rumänien, Litauen,.Rußland, Tschecho- Slowakien, Jugoslawien, Finnland, Griechenland. Bulgarien und den anderen Ländern Ost- und Mitteleuropas gefordert und verlangt, daß die Juden für Pogrome, die seit dem 1. August 1914 bis zur Unterzeichnung des Friedens- Vertrages stattfandcn oder später noch Vorkommen sollten, von den betreffenden Regierungen zu entschädigen sind. Mische Antisemiten. Bon Georg Land.auer. Antisemitismus, so sagt man, beruht auf Fremdheit, auf Nichtverständnis; wir müsien nur aufklärend wirken, und er schwindet. Weit gefehlt. Denn dann wäre er ja eine Perstandes- und keine Gefühlssache. Er' beruht aber auf Abneigung. ___ — Antisemitismus, so sagen nun die andern, entsteht als natürliche Folge zweier verschieden-nationaler Gruppen, und der Große der beiden macht eben vom Rechte des Stärkeren Gebrauch. Weit gefehlt. Denn dann wäre er ja eine Macht frage. Er beruht aber auf Abneigung. Antisemitismus ist eine seelische Einstellung. Er ist die Ablehnung alles Jüdischen, eben weil und nur. weil es jüdisch ist. Falsch ist es, dem Antisemitismus den allweltlichen Deutschenhaß während des Krieges zu vergleichen. Der wird bald aufhörcn. nenn sich das deutsche Volksleben wieder normal abspielt. Der Antisemitismus aber ist Jahrtausende alt. Wir stellen fest, daß er zu allen Zeiten und an allen Orten der jüdischen Diaspora, der Zerstreuung über die Erde, entstanden ist. Andere Völker haben keine Diaspora, sie haben darum auch nichts dem Antisemitismus Vergleichbares. Wer aber, so fragen wir weiter, hat Ursache, das Jüdische abzulehncn'? Nur der, den es stört, weil es jüdisch ist. Weil er mit dem Jüdischen nichts gemein haben mag. Das aber trifft, Gott seis geklagt, mit mindestens derselben Stärke auf so manchen Juden wie auf Nichtjuden zu. Wem sind diese Vertreter nicht schon begegnet, di^ hohen Wert darauf legen, nicht so jüdisch auszusehen, und die sich deren schämen, die so typisch jüdisch durch die Mitwelt gehen. Zu diesem trüben Kapitel gehört auch dtz Grenzschlußdebatte während des ,Krieges.^als. deutsche Juden sich bemühten, ihr i Haus vor zu starker Kompromittierung durch Jüdischkeit 1 zu bewahren, indem sie cs nach Osten hin abriegelten.! Juden konnten Äußerungen des Judentums viel intensiver ablchnen, tveil sie mit dein Stoff bester vertraut waren. Eine abtrünnige Judenseele reagiert natürlich viel genauer auch auf die kleinste jüdische Nervenzuckung des Nebenmenschen. S i c trifft daher das Judentum der Umgebung schwerer noch als die Nichtjuden. In der Tat sind die stärksten A«- - tisemiten-echte Juden gewesen. Betrachten wir das Wirken der jüdischen Antisemiten, so können wir hier mehrere Schattierungen unterscheiden, vom entjudeten, aber noch nicht ausgetretenen Schikaneur über den wistenschaftlich^ie^MIfche^Lehre-Mderlegenden^ bis zuut gciaufien Pogromhetzer und alle Zwischenstufen. Nun wäre es unnütz, weil erfolglos, und unrichtig, weil für unseren Fortbestand doch unwesentlich, wenn wir diesen Erscheinungen durch Widerlegungen, Gegenbeweise und andere AufNärung entgegentreten wollten. Den meisten ist jedoch ~ unbekannt, welchen verheerenden Schaden gerade dte^e Klaffe Antisemiten den Juden angetan haben, so daß es interessant aber auch notwendig ist. deren Wirken qus Pergangenheit und Gegenwart ans Tageslicht zu ziehen. Es ist bekannt, daß die früher in Deutschland herrschende Klaffe bis in den tiefsten Grund ihres Wesens judenfeindlich war. Sie stimmte für den Ausschluß der Juden vom öffentlichen Leben. Ihre Verkörperung fand sie in der konservativen Partei des Parlaments, die» das antisemitische Tivoliprögramm aufgestellt hat. Sic predigt die Lehre von der deutschen Rasse, in die der Jude als Schädling hineingesetzt sei. Jhr'Begründer aber ist Friedrich JuliusStahl. der getaufte Julius Schlesinger! Ihm verdanken wir die Irrlehre vom „christlichen Nationalstaat" innerhalb jener Partei. So hat das Arbeiten an den nichtjüdischen Zielen einen außerordentlich gefährlichen Judenhaß begründen Helsen. Es ist überraschend-überhaupt, festzustellen, wie viele Juden nach ihrer Tauft sogar m ein entgegengesetztes religiöses Extrem verfallen find. Wir haben eine erhebliche Zahl von Täuflingen zu verzeichnen, die hernach christliche Geistliche, Mönche, sogar Bischöft geworden sind. Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, daß gerade getaufte Juden sich stets sehr zahlreich an der Judenmistion beteiligt haben. Es hat ihnen viel daran gelegen, ihre Überzeugungstreuc zur neuen Wahrheit durch Bekchrungseifer wahrscheinlich zu machen. Doch hat sich der Ton dieser Misiionare gcbestert. Früher pflegte man die jüdische Literatur zu begeifern. Durch schlimmste Verleumdungkn wollte man die Juden von ihrem Irrglauben abbringen. Das ging soweit, daß die zu Luthers Zeiten in Spanien gegründete „Vereinigung der getauften Juden" einfach neue Büchertitel erfand und Scheinzitate auL Schriften anführte, die gar niemals verfaßt worden find. Durch öffentliche Diskussionen versuchte man, die jüdischen Lehren zu widerlegen. Berühmt und am häufigsten waren diese in Spanien. Die bekannteste öffentliche Verteidigung deS Judentunis einem Täufling gegenüber fand 1263 zwischen Nachmanides und Pablo Christiani statt, die schließlich mit der Verbannung Nachmanides' und der Verbrennung seiner Rechtfcrtigungsschrift endete. , Man pflegte ja damals die bekämpfte jüdische Literatur, vor allem den Talmund, öffentlich auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen. So haben die beiden italienischem Juden Eliano Romano und Sixtus Senensis 1559 in Crcnwna über 12 000 Talmudexemplare verbrennen lasten. Die Juden waren gesetzlich gezwungen, gegen Entgelt Mistionspredigten zu besuchen. Hier erwähnen wir die unerhörte päpstliche Verordnung von 1629, durch die die italienischen Juden verpflichtet wurden, dem gewustrn Leonardo Basberini eine Jahresrente auszusetzen, um ihm die Muße zu verschaffen, seine Schmäh- und Bekehrungsschrift gegen die Juden zu schreiben. Endlich waren es Juden wiederum, die in erster Linie j'.ch daran beteiligten, Zwangstaufen vorzunehmcn. Die gefahrlichsten, 'fchimdllchsten.^rradezu bestialisch, grausamen Judenpeiniger dieser Richtung waren die getauften P a ulusäSantaMariaundGöronimodaSanta F 6. Paulus war ein gebürtiger Salomo Levy und bis zu seiner Taufe orthodoxer Rabbiner. Von ihm stammen die famosen 24 Artikel von 1412, die u. a. verordnet«», daß jeder Jude, der außerhalb des Ghettos wohne, mit Dermögcnsentziehung und PeiftcheirzüchÜgung bestraft Werden sollen Emirat"dafür ein/die Juden durch Kerkerhaft, körperliche Strafen, Folter ünd.Verbrennungstpd zum Übertritt zu zwingen. Ihm gleich steht Josua Lorki, getauft: GSronimo da Santa Fö. - Er ist bekannt aus seiner beleidigenden öffentlichen Diswitatinn mii r&ifanfi amvn-TO- 1412 lirxortoio stattfand. Seinem verhängnisvollen Wirfett sind die in den schwarzen Jahren 1411—1414 geflosfetten Strome jüdischen Blutes zuzuschreiben 150000 JUden sollen m lenen Jahren gemetzelt worden sein' ' Jedenfalls versuchten diese Antisemiten, ihr Handeln »nie einem guten Zweck zu begründen. Jedoch gänzlich au»

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