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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-07-18 · 6 (18.7.1919) · p. Seite 55

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
6 (18.7.1919)
Date
1919-07-18
Page
Seite 55 (sequence 5)
Language
German
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86 Behauptung und Sicherung religiöser Güter, denen eigens lich kein Nachdenklicher Fundament und Recht-grund zertrümmert hat. DaS ist doch eine ganz andere Wucht geistiatt Gestiimntheit, eine unvergleichlich tiefere freudigere Liebe zu einer heiligen Sache, wenn die Eltern darauf hin« wirken, daß die Kinder entfalten, was fie selber begiisnen. ■ DaS ist die wirkliche Wirklichkeit deS in uns aegenwartigen Lebens, wenn wir an seine Zukunft glauben dmfen. Aber der Anfang deS Glaubens ist immer die Tat. Habe nur den Mut, stolz zu sein; wage eS nur. nicht bloß Rücksicht zu nehmen, sondern auch zu fordern! Begnüge dich nicht mit dem Erweis mattherziger Pietät, mit schonendem Schweigen, die^ deiner Überzeugung dargebracht werden, sondern Hetze deine Ehre daran, die Denkart, in der du dein Leben führen willst und führst, waan dir liegt, fortgepflanzt zu sehen von Geschlecht zu Geschlecht! Du tust eS ja nicht um Gottes willen, du tust eS deiner persönlichen "Ehre zuliebe, ja du tust eS, um dir darüber Aar zu werden, was du selbst in Wirklichkeit glaubst und empfindest. - Viele unter unS fühlen sich an daS Judentum nur erinnert. an ihre Gemeinde.nur gefesselt durch daS Gefühl minderen Rechtes, unter dem fie stehen. Daß eS ein post, tiver Gehalt sei, ein wesenhastes Sejn und Leben, Wirkungskraft und ErMung, die sich in jenem auSbreiten, - - datritt viel seltener vor ihre Seele. Geschähe dies, so würde all das Schwere. Demütigende. waS unS imein schon das formale Bekenntnis zu unserer Gemeinschaft aufbürdet, viel weniger drückend und verwundend gespürt werden. JnS Freie gelangen wir aus dieser schwülen Luft nur, wenn wir uns auf das besinnen, was uns als Wahrheit von Gott gegeben ist. Aber an der Bewährung dieser Wahrheit für die Ewigkeit arbeiten, — das lehrt uns erst, fie in ihrer Weite und Tiefe erkennen. Und darum ist uns Gott niemals näher, 'dtnn wenn er sich uns als derjenige erweist, der „zuruckführt das Herz der Väter zu den Kindern und daS Herz der Kinder zu ihren Eltern. Krirgtlischk» Prophettil»«. von Emil Lohn. sJortsepung.) - ' DaS waren die Propheten, und wir müsien es wissen, wenn wir uns jetzt ihren kriegerischen Sprüchen und Orakeln im einzelnen zuwcnden. Was zunächst die Form betrifft, in der sich diese Reden uns darbieten, so finden wir, abgesehen von der bekannten Stilform biblischer Poes«, des?»r»!el!i»»u8 wemdronuq, d. h. der Zweigliedrigkeit der Verse, bei ihnen eine doppelte Ausdrucksform: Weissagung und Spotte oder Klagelied. Von der ersten Form zu sprechen erübrigt sich, da sie sich aus dem Wesen deS Prophetischen selbst erklärt, di« zweite aber ist vor allem in der Verbindung mit der ersten als ihr Schluß- und Höhepunkt sehr gebräuchlich, zumal bei umfangreichen Reden. Die Propheten sangen, die Zukunft vorwegnehmend, dem feindlichen Volke bei Lebzeiten den Grabgesang. Diese Form bevorzugt Ezechiel, wie wir an dem weiter unten mitgeteilten Orakel über Tyrus erkennen können. Auch Jesaja schließt seine große Rede gegen Babel mit einer spöttischen Totenklage: , Dann aber wirst du diese- Spottlied auf den König van Babel anstimmein ./ ©i* hat der Bedrücker geendet, Geendet die Mißhandlung!- Wie bist du vom Himmel gefallen. Du strahlender Morgenstern! ©te bist du zu «oben gehauen. x Der du die Völker nieoerstrecktest! usw. sJesaja 14. 8. 12.) "Eine besonders häufige Stilform in der kriegerischen Prophetenrede ist die Art,, wie der Prophet sich durch Aufrüf aller Völker oder durch Benennung der Adresse sein Auditorium schafft: oder: verkündet» unter de» Völker» Und meldet» und pflanzt »in Panier ans! Meldet»! «erhehlt nicht«! Sprecht: Babel ist erobert! sJrremia 80. 2.) verkündet in Ägypten und meldet in Migdol! Ja. meldet in Migdol und Tahpanhe«: usw. ' slübenda 4». 14.) Diese Eingangsformel kehrt immer wieder. Wenden wir unS nun dem Inhalte, der Orakel zu, so ist eS — daS liegt schon im Wesen des Orakels — zunächst der kommende Krieg, den die Propheten weissagen und mit dem fie ihr Volk warnen und schrecken. DaS Bezeichnende für diese erste Gruppe von jftüegSorakeln ist daS dunkle Grauen, daS in ihnen waltet. Da wird kzir Name genannt, es ist nicht dies oder jenes Volk, das kommt, sondern „ein" Volk. ' ' Ein Banner wird er pflanzen für die Völker der Fern«,? und «ine» herbeilocken vom Rand« der Erde. v Und siehe, eilends kommt«», unaufhaltsam heran. Kein Müder, kein-Strauchelnder ist darunter, sie schlafen und schlummern nicht. Nicht löst sich der Gurt ihrer Lenden, nicht reißt ihm ein Schuhriemen. Ihre Pfeile sind geschärft, und all ihr« Bogen gespannt. Die Hufe ihrer Rosse gleichen Kieseln und ihre Räder sind wie Wirbelwind. Ihr Gebrüll ist wir da» Brüllen de» Löwen, sie brüllen wie Jungleuen,- Knurren und packen den Raub und bergen ihn und keiner rettet. Sie donnern heran wie MeereStosen. Da blickt man zur Erde, und siehe, dichte» Dunkel, und da» Licht verfinstert sich in Wolken. ' sJesaja 5, 26-80.) - ©ehe ein Tosen vieler Völker, wie MeereStosen tosen sie, und eia Brausen der Rationen, — wie da» Brausen gewaltiger Wasser brausen sie. sEbenda 17. 12.) * So seben die Propheten den nahenden Sturm, und die dunkle Art, mit der sie ihn künden, ist nur zu bezeichnend. Sie empfanden eben den kommenden Krieg um so leidenschaftlicher, als in jenen Zeiten und Ländern das Kommen länger dauerte als der Krieg selbst. Wenn der aflyrische Großkönig von Ninive auSzog, um daS unbotmäßige Israel zu bestrafen, brauchte er Monate, um die syrische Wüste durchquerend ans Ziel zu gelangen. Die Kunde seines Kommens aber flog ihm vorauf, nur ganz undeutlich, nber um so furchtbarer, je ungewiffer fie war. Und dann kam er immer noch überraschender, als heute-in der Zeit des Funkspruchs je -ein Feind hereinbrechen kann. Dtcher die dunkle, fernher grollende Poesie, die diesen Kriegsdrohungen ihr Gepräge gibt. > Freilich, nicht Zimmer bedienen sich die Propheten so dunkler Worte, oft schildern sie mit äußerster Lebendigkeit das Heranbrausen des Feindes und wirken gerade durch die bis ins Örtliche gehende Genauigkeit, wie es ^. 'B. Fess-" jas tat, als im Jahre 711 der Assyrerschrecken Jerusalem bedrohte: Da überfällt er' Ajath, zieht durch Migron, in Michma» läßt er sein Gepäck/ Sie überschreiten dir Schlucht, übernachten in Geba, Ramo erschrickt, Gibea Saul» flieht, ' Schreie laut, .Bewohner von Gallim, _Horch auf, Laisa, stöhne, Anathot.-- Madmena irrt umher, «» flüchten die Bewohner von Aebim. Noch heute uzacht er Halt in Rob und ballt seine Jaust gegen den Berg der Bewohner Zion», den Hügel Jerusalem». sJes. 10, 2ft-=824— \ Erschütternder noch, weil persönlich selbst erschüttert, kündet 100 Jahre später Jeremias den Untergang Judas im Nahen Nabokodrofiors von Babylon: von Dan her läßt sich da» Schnauben seiner Rosse vernehmen, von, dem flauten Gewieher seiner Hengste erbebt da» ganze Land und sie kommen und fressen da» Land auf und «a» darin ist, i

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