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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-06-27 · 4 (27.6.1919) · p. Seite 34

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
4 (27.6.1919)
Date
1919-06-27
Page
Seite 34 (sequence 8)
Language
German
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— 14 — M Mr nachfolgenden fveit« Aussprache -etttltgvm. Zu Juri« veranstalteten wir im Hinblick auf di« ernste Zeit nur eine kleinere Feier, di« durch muflkalische und humoristtsche Darbtetuntzen verschönt, recht «nuitlich verlief. Etwa allmonatlich wanderten wir gemeinschaftlich. Unsere Sesam» Drretnstätigkeit war dmch di« Vorschriften der Amerikanischen BesatzungSbehürden stark eingeengt, da für jede Versammlung besondere Genehmigungen eiNzuholen . und ferner fast alle für un» in Frage kommenden Lokale von der Besatzung in Anspruch genommen sind. Auch die frühe Polizeistunde in deü Wirtschaften — Mr besitzen hier leider noch keine eigenen Räume — sowie die Schwierigkeit, auswärtige Redner aus dem unbesetzten Deutschland für da» hiesige besetzte Gebiet zu gewinnen, behinderten unsere Wirksamkeit sehr und gestatteten utts nicht, die gewünschte größere Ausdehnung und Betätigung de» hiesigen . jüdischen Vertlnsleben» durchzuführen. Immerhin betrug die Mitgliedetzabl am Schlüsse der Wtntertagung etwa 80. Im nächsten perost hoffen wir, nachdem dünn der ersehnte . Frieden wohl wieder in unserem Vaterlande eingekehrt ist» ansere Bestrebungen unter günstigeren Verhältnissen auf-, nehmen zu können. Lgstd. Neuenahr. A?n 22. Juni versanimelt« sich Nus Ein- - ladung de- Hcrkit Lehrers Hitsch-NtUeNahr die erwachsene Jugend des Ahrtales hier im Cafä Mer» um eintN jüdischen Jugendbund deS Ahr-RheintaleS zu begründen. Nach einer einleitenden Rede de» Einberufers, die die Notwenditzktit deS engeren Zusammenschlusses der jüdischen Jugend itti Ahrtale und seiner Umgebung begründete, bildete sich ein neutraler jüdischer Jugendbund, dtm unter einmütigem »ttib freudigem Beifall die ganze versammelte Jugend — ca. 60 Personen — beitrat. Zweck des Verein» soll di«. Pflegt jüdischen Wissen» und jüdischer Gesinnung auf neuttaler Grundlage und eine fröhliche Geselligkeit sein. In den Vorstand wurden gewählt: Herr Hirsch-NtueNahr. Herr Echarf-Kripp, Fräulein Äolf-Löhndors, Fräulein Faber- Etnzig, Fräulein Borg-Heimersheim. Herr Bär-ReMagen, Herr Bär jk.-Ahrweiler. Die Eröffnungssitzung findet am Sonntag den 8. Juli in Neuenahr statt, bei welcher Herr Rabbiner Df. Cohn-Bünn die Festrede halten wird. Wir rufen dem neugegründeten Verein ein herzliche- Glück-' auf zu. Siegburg. Bei der am Dienstag den 17. Juni statterfundenen Vorstandswahl der deutschen demokratischen Partei, Ortsgruppe Siegburg, wurde Herr Lehrer Seelig- Siegburg einstimmig zum I. Vorsitzenden gewählt. Mayen. Am 9. Mai fand hier die Ersatzwahl für die Repräsentantenwahl statt. Gewählt wurden für die nächsten 8 Jahre die Herren Carl Günther, Carl Gottschalk, . Maz Löwenbach, Juda Hartmonn und Jakob Mayer. Al» Stellvertreter gingen die Herren Carl Mayer, Nathan Mayer und Jakob Coßmann aus der Wahl hervor. Für den in den Vorstand gewählten Herrn Daniel Mayer trat Herr I Hirsch in die Repräsentanz ein. Die Regierung in Koblenz hat die gewählten Herren bestätigt. Euskirchen. Der jüdische Jugrndverrin hat nach einer fünfjährigen Pause sein« Tätigkeit in vollem Maße wieder ' ausgenommen. AIS zum rrstenmale eine Einladung zur Purimfeier am 16. März erging, fand sich eine grosse Anzahl jugendlicher Teilnehmer ein. Jeden Donnerstag abend versammeln sich die Mitglieder, um getreu dem Programm jüdische Fragen zu erörtern. Auch zwei größere Vorträge wurden bereits veranstaltet. ES sprachen Herr Rabbiner Dr Caro-Cöln über jüdische Gegemvartsfragen und Herr Rabbiner Df. Honaver-Cöln flfor ftin, Gi-i,g«i>>-l«kmisft im- Osten. Vor allem aber soll versucht werden, durchs cyklische Vorlesungen dt« Mitglieder mit jüdischer Geschichte und Literatur vertraut zu machen. Wer die lobenswerteAbsicht hat, sein jüdische» .Wissen ' Jwiter zu vertlesen, dem ist hierzu beste Geleaenbeit g,bm«n. An jeVemGabvaitz Mt -Vvlkküß über den Wvchenadschnitt und Herr Skegfried Schweizer. Student der Handelshochschule, trägt die Erklär)'«gen Rafchi« vor. — Bon dem Kriege ist auch die hiesige jüdische Gemeinde hart getroffeni »orten. Acht blühende Menschenleben find ihm zum Opfer gefallen. Zü» ehrenvollen Erinnerung wurde am veraangena^Schemint Azere» «ine Gedenktafel feierlich, enthüllt. — Dank drM Entgegenkommen der britischen BesatzungSbehörde konpt» am letzten Schwuo» das Lernen in gewohnter Weise unter zahlreicher Beteiligung stattfinden. Rheinbach. Die Seelsorge über die jüdischen Insassen der Strafanstalt ist dem Lehrer Dt. Heiltög in Euskirck en überttagen worden. In dankenswerter Weise wurden di« Gefangenen am letzten Pesach und Schwuo» von den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde verpflegt. Krr Donner OeckritrSrdolr. Blau-Weiss-Fahrt in die PfinMerte». Montag» früh um 8 Uhr ging die Sache loS. Ich beabsichtigte, vorerst NUr näch Ahrweiler zu kommen, wo stch das Weiter« schon finden würde. Mit wüten zu 4 JsungenS und 2 Mädel». — Unter den Strahlen der glühenden Sonne und unter tön Gewicht de» Rucksack» krochen all« dahin, und daher mußte ich die MittagSrast ein« halb« Stpnde früher als beabsichtigt attfttzen. Trotz Scherzen» uub alle Minuten Auf-die-Uhr-Sehen» ging dit Zeit sehr, sehr langsam tnm. Wir kamen bald in einen schönen Wald, wo wir lagerten. — — — — UM 2 Uhr mittagbefanden wir un» wieder auf dem Marsch; die Sonn« brannte, als üb sie UN» dörren wollte. Nachdem wir noch 2 Schilder passiert hatte«, trafen wir m einem Dorf einen Posten-, er war sehr nett und mr un» nicht» zuleide. UtUer anderem erzählte er un», daß er m kurzem ein« Rheintour gemacht habe, und daß er in Bonn viele schön« Mädchen gesehen habe, wobei er unsere Mädestd ansah; doch das nur nebenbei. Nach z. T. lustigen gwtschenfällen kamen wir endlich (ein befreiendes Aufatmen ging durch unsere Rethen) sehr müde Nach Ahrweiler. Dl» Mädels suchten Familie Bär auf, wir Jungen Famüis Nathan, wo wir schon einmal freundliche Aufnahme gefunden hatten. In beiden Familien wurden wir auf» aller» beste ausgenommen und verpflegt. Gut geschlaftn, auch n«nn er nicht im molligen Bett von zu Hause last, hat jedes von uns. «m nächsten Morgen ging» Richtung Adenau. Wir wollten die „Hohe Achr besteigen. Heißer noch di gestern brannte dt« Sonne, und nachdem wir ein Stück Weges auf einem Ochsenwagtn, ein Stück mit der Eisenbahn.gefahren ivare« und viel Staub geschluckt hat»«, kamen wir gegen '/, 3 Uhr nach Adenau. Durch endlos« Straßen ging» auf dem Weg zur .Hohen «dir weiter. Doch bestiegen wir an diesem Tage den Berg nicht-Mehr, denn ein wahrhaft idyllischer Lagerplatz verlockte un». schon um 5 Uhr Schluss zu machen. An der schönsten Stelle eine» von dichtem Wald umschlossenen Wiesentale», durch da» ein kristallklarer Bach sich schlängelte, wollten wir zur Nacht bleiben. Di« Rucksäcke wurden in Reih und Glied hingelegt. Di« MädelS schälten Kartoffeln, die Jungen» holten Rbisig und kleine Stänime, um die ganze Nacht ein Feuer unterhalten zu können. Ein Gestell au» 3 Stämmen wurde hergerichtet, um den Kessel charanbängen zu können. Bald brodelte ein« Kartoffelsuppe mit Wurst- und Fleischstückchen über dem Feuer, und */4 Stunden später war sie schon vertilgt. Jt zwei wurden am Abend beauftragt. zu wachen, doch -wurde da» nicht regelmäßig durchgeführt, da einige zu müde waren, um wach bleiben zu können. Um 9 Ubr ttna m»ine Mach« ans mtiw gKuluti mur bi» y uor wach, schlier aber dann ein. --Mttternqcht. Da» flackernde Feuer beleuchtete fast gespenstisch die SÄ4fer, die in ihre Decken eingchüllflvie Säcw aussahen. Du» Rausch,« de» Walde», da» K««ftn der von Nachttierrn.zer» tretinen Zweige, da» klagende Hu-Hu der Eule, das Mu» mel« da» Bach«-. dieS alle» betont» unendliche Welt der Man kann das nicht beschreiben, nur empfinden. über mir' binderte da» alles nicht, daß ich mit der Zeit Hunger de» kan» und mit den wach«,wordenen Madel» etniae Butt«.

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