Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 12 (3.1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 465 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Europäismus. 465 braucht nicht hingewiesen zu werden. Es ergibt sich somit für den europäischen Menschen gar keine Gegebenheit, ethisch zu handeln. Und dies zeigt sich in immergrößerer Progression zur Unsittlichkeit, an den Kriegen, an der Ehe, an der Kunst — bis zum Bordell, Um vielleicht an einem Beispiel zu erläutern, was ich unter Europäismus meine.* Das ist der Geist> der es ermöglicht hat, daß der Begriff Bordell geschaffen würde. Wesentlich ist nicht, daß Bordelle existieren / wesentlich ist nur die Mögliäikeit ihrer Existenz. Und das andere, für mich erschütternde Beispiel des europäischen »Menschentums« — das ist jenes zionistische Mädchen, das Küssefür den Nationalfonds verkauft und so, Vollends zur Dirne werdend, die Heiligkeit der jüdischen Idee bricht. Glaubt .es'mir doch, ^Brüder und Schwestern, die Gefahr ist sehr groß. Viel größer als ihr meint. Die Gefahr ist — Palästina. Rettet Ziön! Denn der Feind ist im Anzug:, der Europäismus. Und wenn er siegt, dann fuhrt sein Sieg zur Europäisiefung Palästinas, zum »Glück« da unten. ' Erkennet doch: Wenn wir es vermögen sollten, da unten glüddich zu sein —' dann haben wir die heilige Erde geschändet, dann wird Zion nicht auferstehen und in Europa untergehen. «in. : * Zionismus heiße ich nicht das Streben nach Palästina, sondern das Streben nach Zion, .Das Streben nach Palästina ist europäisch, das Streben nach Zion ist jüdisch. Palästina aber verhält sich zu Zion, wie Form zu Inhalt, Palästina ist das Land, d. h. ^lie Existenz- und Realisierungsmöglichkeit unseres Seins* Zion atber ist unser Leben an sich. Palästina ist real ungreifbar in unserer Nähe: Man kann hinübergehn,- man kann aucG wieder fortgehen. Es ist ein Ideal. Ein bald erfülltes Ideal, das vielleicht -enttäuschen wird, Zion ist eine Idee. losgelöst von aller Erfüll* barkeit besteht es an sich. Man kann sich nur zu ihm bekennen oder es verdammen, nicht aber sich zti ihm hinwenden oder von ihm abwendeny ein Mittelweg, ein Wohlwollen zu ihm ist nicht möglich. Wer sich aber einmal zu ihm bekannt hat, der ist ihm für Ewigkeit verfallen. Palästina kann erbaut werden, Zion aber nur errichtet. Jenes entstehtf \*renn genügend Geld zusammenkömmt <und sei es auch das schmutzige Geld einer Dirne, die sich aus Liebe für das Land und für ihren Körper hingibt), wenn genügend Arbeitskräfte arbeitende Hände an das Land, an seine Schölle und an seinen Reichtum legen, wenn die übrige Welt die ^berechtigten Forderungen «des jüdischen Volkes auf der Friedenskonferenz« anerkennt. Zion bedarf dieser Anerkennung nicht. Zion ist eine jüdische Tat^ eine so vollauf jüdische,, daß es kaum je ein Nichtjude begreifen können wird. Es hat seinen eigenen Wert, der außerhalb Europas steht und darum von keinem im Europäismus befangenen Menschen gewertet werden kann. Hier tritt auch klar zu Tage die merkwürdige Parallele mit dem Judentum : Dies wie jenes ist eine Größe an sich. Unbegreifbar, immer daseiend, losgelöst von allen anderen und doch innerlich mit ihnen .