Mannheim
Compact Memory

Jerubbaal · 1919-03-01 · 12 (3.1919) · p. Seite 432

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
12 (3.1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 432 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3776398-6437699-6437825--489-3776875
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

432 {, «Slalom, R itd e 1: - Parallel mit der Arbeiterbewegung, * doch .unabhängig :von dieser, hat auch' jiejdcj: Arbeiterjugend' in Galizien* und <Ier Bukowina eingesetzt. Die eigenartigen, Verhältnisse diesem Lander, ihre' ökonomische Rücfestän* digkeit stgpipeln fast die ganze Arbeiterbewegung zu einer Jugenjdbewe* gung, wenn_auch nur in* dem Sinne, daß dieselbe, namentlich in den ersten Jahr6n ihrer Entwicklung,, von sehr jungen Menschen geführt würde. Doch gerade die ökonomische Rückständigkeit läßt eine selbständige und unabhängige Jugend dott doppelt notwendig ersdieinen." -1 Die Jugend der Pfoletarierkinder,; die ein . hartes Geschick dazuververurteilt, ihr ganzes Lebern hin^ürch: dem Kapital frohen zu , müssen, ist nie freudig, selten jedoch so traurig, wie die der Lehrlinge m Fabriken gibt es., dort nur wenige,, in, deä kleineren *Städterr [überhaupt keine, die Industrie ist'in der Entwicklung./zurü^ebli^^:/J^i'm. das Handwerk hat sich namentlich in den' letzteii1;jähren seht entwickelt, seine Träger sind die jüdische^ Kleinmeister, die' fast: titir jüdische Arbeiter beschäftigen. In den vielen kleinen Städten erlauben es die ärmlichen Verhältnisse dieser Handwerker nicht ältere, ausgelernte Arbeiter zu halten, da sie nicht in der Lage sind, einen ordentlichen Löhn zu zahlen, und die älteren Arbeiter sich gegen eine allzulange Arbeitszeit auflehnen. So *kommt es, daß die Werkstätten der Handwerker in Galizien oft nur einen Gehilfen, jedoch acht bis zehn Lehrlinge beschäftigen. So oder ähn* : lieh sind auch * die Verhältnisse im Handel. In den größeren -Städtenbestehen schon große Werkstätten mit wohlhabenden, oft reichen Besitzern, : die Zahl der Lehrlinge aber ist auch hier immer drei* bis viermal: so groß als die der Gehilfen, aus "dem. einfachen Grunde, weil die Lehr* linge das beste Ausbeutungsobjekt abgeben. Die armen Eltern sind be* strebt, ihre Kindef möglichst früh in die Lehre unterzubringen, einerseits, um durch dieselben möglichst bald in ihrem kümmerlichen Erwerbsleben unterstützt zu werden, andererseits sind sie nicht in der Lage, ihre Kinder ' zu Hause zü ernähren,, hingegen aber erhalten diese bei,ihren Lehrherren Kost und Wohnung, .dafür* sind sie ihm auch für ^drei bis vier Jahre,' auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Daher darf es nicht wundeiv nehmen, wenn diese Kleinmeister, unter dem Druckender eigenen Armut, zu Ausbeutern schlimmster Art wurden. Die meistenblieben es auch dann, als sie sich auf Kosten ijdrer Ausbeutungsobjekte zu reichen Män-4" nern emporgearbeitet hatten. Die_ Lehrlinge, die mit io oder 12 Jahren in ^die Lehre' traten und diese nach drei oder vier Jahren verließen, wur* den aus den schon früher erwähnten Gründen entlassen, und hatten: -.Mühe einen Arbeitsplatz zu finden; in der Regel verließen sie nach Beendigung der Lehre die Heimat, um in den größeren Städten -des Auslandes-Arbeit zu suchen. - v ' \- Die entsetzliche Ausbeutung, die oft unmenschliche Behandlung; Schimpf und Schlage machten die Zeit der Lehre zu einer Zeit unerträglicher Qual: und unvergleichlicher Leiden. .Sie alle säeten-die ersten Samen des Hasses zur kapitalistischen Gesellschaft -in den. tief empfindenden Herzen junger Menschen, die in ihrem Weh und Leid nach einem Zufluchtsort

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.