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Jerubbaal · 1919-01-01 · 10-11 (Jänner Februar 1919) · p. Seite 425

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
10-11 (Jänner Februar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 425 (sequence 71)
Language
German
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""N* »Das große Wagnis«., , 425 »Glaubet fest, daß "es eines Tages in euer Dasein eintreten wird, in euer Leben wie in jedes menschliche Leben. Und ist es da, dann greifet danach mit aller Heiligkeit, aller aufgestauten Kraft eurer Seelen. »Glaubet fest, daß kein Mensch es nötig hat, sidbf billiger herzu-* geben. v , .»Glaubet fest, daß im Weglosen die eigentlichen Wege liegen. »Vpn diesem Glauben hängt alles ab!« / Ich stehe vor einem Rednerpult. Der Säal bebt vor anströmenden Menschenmengen . . r Universitätsprofessoren erheben sich gegen mich. Mit dem Licht, das von meinem Mund ausging, ohne Worte hatte ich sie -besiegt so höre ich nachher erzählen. Es war Ruth, die mich umleuchtet hat. Vor meinen Fenstern gibt es Aufläufe, Fahnen. Man stürmt Regie*- rungspäläste, man verlangt durchgreifende Änderungen des Programms,* vollständige Nichtbeachtung aller bisher wichtiggenommenen Angelegenheiten, den Krieg mit .einbegriffeh, und alleinige Sorge um die Jugend, Um den Messias . . . Polizei dringt'ins Hotel. Zwei Schüler opfern sich auf meiner Treppe, andre bringen mich über Dächer ins Freie. Nun gehts wieder ins offene Land hinaus. Die Kleider fallen mir wie Fetzen vom Leib. Aber stets gibt es einige Anhänger, die für das Notdürftigste Sorge tragen. Die nervös aufgepeitschte Bewegung in der Stadt ist verrauscht. Man vergißt sie. Es war eine Episode unter vielen,^ denen es nicht gelungen ist, die stürzende Wucht des zur Hölle hinabrasenden Europa zu bremsen . . Nui; wenige Treue begleiten mich. Ihnen öffne ich mein Herz. Und jetzt erst wird mir richtig wohl zu Mute. Wenn ich mit ihnen weitab vön gebahnten Wegen durch den klingenden Hall alter Wälder schreite, wenn wir ins Tal zu den Köhlerhütten hinabsteigen, auf lieblicher meergrüner Erdbeerlichtung lagern oder von Eiszinken her den roten Sonnenaufgang auf unsere Schultern laden: immer ist es mein Gefühl,* daß ich mit ihnen vierzig Jahre durch die Wüste gehen muß, ehe ich sie ruhigen Herzens in mein heiliges Land fähren kann. Ruth ist immer mit uns. Tagsüber als Wolkensäule, nachts ein feuriger Nebel, zieht sie vor meiner Stirn dahin. Worte der Reinigung flüstert sie mir zu, wenn ich in aufquellender' Wehmut nach ihrer Hand fasse . . . O führe ihre starke warme Hand wieder einmal über meine kalten Fingerknöchel! Unvergeßlicher Äugenblick — ihr Schuh stand unter meinem Überrodk — beginnende Vermischung unseres kleinen Haushalts ... Es kommt yor, daß ich mich mitten in meiner Größe verlassen fühle, ^dieses Augenblicks gedenkend . . . »Der Makel des Zuialls mußte getilgt werden,« flüstert dann Ruth. »Denke ♦ daran, Liebster, du hast es damals selbst gewollt. Und es war ein richtiges, gutes Gefühl. Denke daran, daß wir einander bald, auf ewig gehören werden. Schon heute können wir einander nicht mehr verlorengehen.«

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