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Jerubbaal · 1919-01-01 · 10-11 (Jänner Februar 1919) · p. Seite 357

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
10-11 (Jänner Februar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 357 (sequence 3)
Language
German
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Brief an den jungen Liebknecht ~ "~ < Lieber Bruder und Kamerad! In dieset Zeit der unerhörtesten Kämpfe, da wir heute die Möglichkeit zu erblicken scheinen, es könnte das Reich der Zukunft auf diesem von Blut erweichten- Boden, errichtet werden, und tags darauf, durch irgend eine» bessere Manifestation des Geistes der jetzigen Gewalthaber eines anderen belehrt, zähneknirschend, noch Jahrzehnte der Arbeit für nötig halten, um bis dahin zu gelangen, erscheint uns Jungen, die wir nicht gewillt* sind, aus unserer Jugend Kapital schlagen zu lassen, für irgend ein Interesse des Tages, diewir »dennoch« und »trotz allem« einen neuen Morgen zu erblicken" hoffen, erscheint uns die Feststellung unserer Solidarität als eine Internationale,, die, tiefer greifend als alle nationalen Gegensätze, uns mit Euch verbindet, weitaus wichtiger, als jedwede Auseinandersetzung über die Verschiedenheit unserer Kampfesweise, die jeder wählen möge, wie es ihm sein Gewissen vorschreibt und wie er es^ verantworten kann. Wir haben in den~Tägesblättern und den Zeit* Schriften gelesen, daß Deine bürgerlichen Klassengenossen nicht auf einer Schulbank mit Dir sitzen wollten, weil-Du es wagtest, kraft Deiner eigenen "Überzeugung zu handeln, und nun, als die Sache der Unbedingt* heit der Masse der überlebten, kompromissüchtigen, vor den* Konsequenzen der ^eigenen Anschauungen zurückschreckenden Partei der Alten undi B*fahrenen> gewichen ist und Du zurückkehrtest, getroffen von allem Unheil, das .nur den Jüngling treffen kann, der es gewagt fi^tte, gegeri^ über der geheiligten Vertrottelung der Gegenwart, die Tat und die Sache d<er Menschheit zu währen, daß sich nun jene unterstanden hätten, die Möglichkeit eines Streikes, die erst während der Revolution von Dir und Deinesgleichen, geschaffen wurde, gegen Dich in Anwendung zu bringen. Lieber Bruder und Kamerad, fühlst auch Du, daß Dir dies nicht mehr sein darf als ein Zeichen, daß Du Dich auf dem richtigen Weg befindest, nicht nur der Träger eines berühmten. Namens zu werden, sondern die Gefahrvolle Tradition Deiner Familie hochzuhalten? Und fühlst Du, daß )ü den schweren Weg wohl einsam gehst, aber nicht allein, denn wo eine gute Minderheit im Kämpfp gegen eine reaktionäre Mehrheit steht, kurz, überall wo eine Jugend kämpft und blutet, wirst auch Du genannt werden, als Bundesgenosse lind Bruder, alsf einer, der allen voran für die kqmmende Menschheit gekämpft und gelitten hat. Wir setzen das feste Vertrauen in Dich, daß Du, dem Blut von xinserem Blute in den Adern rollt, der als einer der ersten Wunden davon getragen hat, in einem Kampfe, der" keinem von uns erspart bleiben darf, will er ein wahrhafter Mensch werden, daß Du auch unter den Angriffen jener nicht fingerbreit weichen wirst, daß Du keine Kompromisse mit * ihren sogenannten Ansichten schließen wirst <auch nicht indirekt) und grüßen Dich, die wir das Antlitz nach Osten gewendet, bereitstehen, in Erwartung von langer Arbeit und schweren Kämpfen. Wir hoffen in fester Zuversicht, daß Dein Kampf siegreich seift wird, wie dereinst der unsere und sollten auch wir bis dahin zu Staub und

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