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Jerubbaal · 1918-11-01 · 8-9 (Nov. Dez. 1918) · p. Seite 285

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
8-9 (Nov. Dez. 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 285 (sequence 3)
Language
German
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In der Stadt des Mordens. Von Chaim Nachman Bialik. (Aus dem Hebräisdien von Abraham Schwadron.) .... Auf! Geh' in die Stack des Mordens und komm' in die Höfe! Und deine Augen werden sehen und tasten die Hände auf Zäunen, auf Hölzern und Steinen und Mörtel der Wände verdichtetes Blut und vertrocknetes Hirn Erschlag'ner. Kommst zu Ruinen und steigst über Breschen, gehst an durchstoßenen Wänden vorbei und zertrümmerten Herden, wo tiefgewühlt die Axt und breite, große Löcher geschlagen, bloßgelegt den rauchschwarzen Stein und die Ziegel, zerbrannte, daß sie da gleichen geöffneten, brandigen Wunden, die nie werden heilen. Dir versinken die Füße in Federn und stoßen an vielerlei Haufen zermalmter Scherben, zersplitterter Splitter, Pergamente und Bücher, zerwühlt und zertreten —* Trümmer unendlicher Müh7 und der Früchte tiefschwerer Arbeit. —' — Doch bleibst du nicht stehen am Ort der Verwüstung und kehrst dich zur Straße — ach! da blühen Akazien, es strömt ihr Duft dir entgegen, die Hälfte der Blüten geöffnet — doch riechen wie Blut sie! Und magst du wüten und magst du dich sträuben; es trägt ihr buhlen^ der Duft des Frühlings Wollust in deine Brust — und dich überfällt kein Abscheu. Mit tausend goldenen Pfeilen durchbohrt die Sonne dein Herz und vervielfacht frohlocken die Strahlen aus jedem Glassplitter über dein Elend. Denn der HERR entbot sie in einem beide: Frühling und Morden die Sonne leuchtete — die Akazie blühte — und der Würger würgte . . * Und du fliehst — — und kömmst in den Hof, darin ist ein Haufen. Auf dem Haufen sind zwei Geköpfte: ein Jud und sein Hund. Eine Axt hat sie niedergestreckt und auf einem Misthaufen —' und im Gemeng7 ihrer beider Blut, da wühlen und wälzen sich Schweine ... Aber morgen kommt Regen, spült alles in's Bächlein daneben und nicht mehr wird schrei'n das Blut aus Gosse und Kehricht, denn im unendlichen Abgrund wird sich's verlieren oder ein Dornengebüsch bis zur Sättigung tränken ~* und aus alldem wird nichts, alles bleibt wie ungeschehen . . . % Auf die Dachböden kletterst du dann und stellst dich in's Dunkel. Noch schwebt des bitteren Todes Entsetzen im schweigenden Düster und aus allen verdämmerten Löchern und Schatten der Winkel Augen, schau Augen! stumm auf dich starren . . . * Vorabdrude aus dem im Verlage R. Löwit demnädist erscheinenden »Nadi dem Pogrom«. 21

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