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Jerubbaal · 1918-10-01 · 7 (10.1918) · p. Seite 241

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
7 (10.1918)
Date
1918-10-01
Page
Seite 241 (sequence 3)
Language
German
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Tagesfragen. 1. Die Friedenskonferenz. So verwirrt ist die gegenwärtige Zeit, die Lage der Völker, der Staaten und der einzelnen Menschen, daß alles möglich erscheint, in nächster Zukunft realisierbar, was noch vor wenigen Wochen Utopie oder doch fernste Zukunft war. Gutes und Schlechtes, Bestes und Ärgstes kann kommen, früher als wir es ahnten, mehr als wir es je gehofft oder gefürchtet hatten. Für uns Juden insbesondere scheinen diese Tage und Wochen von größter Bedeutung zu sein, uns freilich mehr Hoffnung als Sorge zu versprechen. An die Person von Wilson, an die Mächte, die bei der Friedenskonferenz verhandeln werden, knüpfen sich unsere Hoffnungen und sie haben bestimmbare Formen angenommen. Es erscheint fast wie Defaitismus, wie sträflicher Pessimismus, wenn einer heute zu sagen wagt, wir haben von der Friedenskonferenz nicht die Gründung des jüdischen Staates, nicht wenigstens eine weitgehende Lösung der Judenfrage zu erwarten. Und doch muß es gewagt werden, es laut und vernehmlich der Jugend zu sagen, daß es eintreten könnte, damit sie sich nicht in behaglichen Hoffnungen genüge, damit sie nicht hinnehme, wie ein Schicksal, was immer kommen mag, damit sie nicht, geblendet von Schlagworten der Parteien, bejublte, wenn uns etwas gegeben, wenn wir anerkannt werden sollten. Gewiß, zweifellos, es liegt in der Macht der Vertreter, vor allem der alliierten Staaten, die Entwicklung der jüdischen Bewegung für Jahre, Jahrzehnte, in bestimmte Bahnen zu bannen. Sie können das Recht des jüdischen Volkes auf seine nationale Heimstätte in Palästina anerkennen. Dann wird unsere Aufgabe für Jahrzehnte sein, aus der papiernen Anerkennung eine lebendige Wirklichkeit zu schaffen. Sie können durch die Bestimmungen des Friedensvertrages diese Arbeit der nächsten Generation leicht und frei von allen äußeren Hemmungen und Schwierigkeiten machen / es liegt in ihrer Macht und hängt von ihren Interessen, von ihrer Einsicht und von ihrer Wahrhaftigkeit ab, ob sie nicht umgekehrt uns zu einem jahrzehntelangen Kampfe für die Verwirklichung unserer anerkannten Rechte zwingen werden. Es kann sein, daß uns die Friedenskonferenz das Land und die nationalen Rechte in ihm geben wird, es wird unsere Sache sein, was für ein Land, was für eine Gesellschaft Palästina sein wird, was für Menschen in ihm leben werden. Es hängt von der Konstellation der politischen und ökonomischen Faktoren ab, ob die Besiedelung von vorn^ herein in einer Weise geschehen wird, die uns auf einer sozialen Ebene anfangen läßt, weldhe andere Staaten und Völker nach Jahrhunderte langer Entwicklung, nach Revolutionen und Kriegen noch immer nicht erreicht haben ob vielleicht umgekehrt wir mit einer Wirtschaftsordnung und mit Siedlungsverhältnissen beginnen werden, die den Keim zu blutigen Kriegen und Revolutionen, . die sichere Aussicht auf Elend der Massen und sorg^ loses Wohlbehagen der Wenigen in sich schließt. An uns wird es liegen, ob wir die günstigen Bedingungen zu Dienern einer Ordnung der sozialen Gerechtigkeit machen oder ob wir so unzulänglich in allen jDingen sein werden, daß nicht einmal die günstigsten Bedingungen das Entstehen eines elenden 18

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