Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 5 (8.1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 165 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Vor dem jüdischen Jugendtag in Deutschland. Wir müssen den jüdischen Jugendtag von vornherein als etwas Organisches betrachten. Er ist nicht mehr, als wir sind und können. Wir dürfen daher von ihm keine mythische Vorstellung haben oder ihm offenbarende Kraft zutrauen, er ist und bleibt der Ausdruck unserer Fähigkeit. Darum ergibt sich für uns die Forderung, unsere Kräfte ein** mal zu konzentrieren. Wir veranstalten den Jugendtag für uns. Wir lassen aber die Öffenfc* lichkeit zuschauen und zuhören. Nicht um zu agitieren und demonstrieren, sondern weil wir uns nach frischer Luft sehnen und uns so stark fühlen, daß wir die anderen hören können. Ja, wir sehnen uns nach frischer Luft — wir sagen es offen — denn wir wissen von uns <wie von jeder Jugendbewegung), daß sich gar leicht ein Sich-selbst^genügen, eine zu große Bescheidenheit gegen sich selbst entwickeln kann. So wollen wir hören, wie Juden und Nichtjuden, die Jugend und die Alten über unseren Willen und unseren Weg denken. Die Jugend, die nicht auf solche Stimmeft hörte <sofern sie einer anständigen Gesinnung und einem guten Willen entstammen), wäre schwächlich und klein. Der Jugendtag soll die jüdische Jugend im Geiste der Liebe, der Zusammengehörigkeit und Einigkeit zusammenführen. Jeder junge Mensch betrachte sich als Vertreter seiner selbst <nicht als Vertreter einer Gruppe oder dergleichen). Durch Berufene soll das Notwendige zum Bewußtsein gebracht und klar, eindeutig ausgesprochen werden. Die Jugend soll durch zwanglose Gespräche und Aussprachen die Forderungen sorgfältig prüfen. Wenn die Jugend wieder auseinandergeht, muß sie das Gefühl mit sich tragen, bereichert, gestärkt, geläutert zu sein. Für diesen Jugendtag, der jetzt vorbereitet wird, ergibt sich die Forderung: unsere führende Rolle in der jüdischen Jugend in Deutsch^ land auf den Jugendtag zu übertragen. Seien wir uns der Verantwortung bewußt, daß uns die anderen folgen. Wir müssen daher uns bemühen r etwas Umfassendes der jüdischen Jugend durch den Jugendtag zu geben. Es war oben von dem Notwendigen die Rede,- von dem für das Volk und dem für die Jugend Notwendigen. Daher müssen folgende Dinge zur Aussprache kommen: [Das Jüdisdiwerden. A - Die Religion. Die Erziehung schlechthin, [Die Lage des Volkes. B - Die Arbeit fürs Volk. [Beruf <Lebensgestaltung) und Palästina. Über diese Dinge muß abseits vom Parteipolitischen großzügig, weit* herzig, jedoch mit strenger Sachlichkeit gesprochen werden. Diese Fordes rungen sind zum Teil im bisher geplanten rrogramm schon enthalten. An Stelle der Korreferate werden lieber Referate über Grenzgebiete — wie es obiges Schema darstellt — zu wählen sein. Unbedingt erforderlich ist das Referat über die »Arbeit fürs Volk« und »Über die Lage des Volkes«. 13