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Jerubbaal · 1918-07-01 · 4 (7.1918) · p. Seite 140

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
4 (7.1918)
Date
1918-07-01
Page
Seite 140 (sequence 18)
Language
German
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140 Fritz Sternberg: Ostjudentums gebraucht worden sind. Ober das Tempo der zionistischen Kolonisation in Palästina wissen wir heute noch nichts Bestimmtes zu sagen, nur dies ist gewiß: niemals war die politische Konstellation, unabhängig davon, wem Palästina im Friedensvertrage »zufallen« wird, für eine jüdische Einwanderung so günstig, niemals war der Nationalgedanke so stark unter den Juden, niemals die Kapitalien, die zur Verfügung standen, größer, da sich ja auch nach dem offiziellen Eintreten der eng** lischen Regierung für den Zionismus zahlreiche Kreise der Hochfinanz in England und Amerika der zionistischen Bewegung angeschlossen haben und bereit sind, sie mit allen Mitteln zu finanzieren. Uber Nacht ist es zur Tatsache geworden, daß der Zionismus auch von »Realpolitikern« gewürdigt wird. Ein Pro*Palästina*Komitee in Deutschland von Westarp bis Scheide* mann! — wann wäre dies vor dem Kriege möglich gewesen!? Der Zionismus steht seiner Verwirklichung näher denn je,- er ist in das Manneszeitalter eingetreten. Aufgabe der Jugend ist es zu wirken, daß das Manneszeitalter nicht ein Zeitalter des Philisteriums werde. Wir sollen uns des Ernstes des Augenblicks bewußt sein,- die Gefahr ist groß, daß wir einem amerikanischen — nicht im geographischen Sinne des Wortes —* Zionismus entgegentreiben, einem Zionismus, dessen Götter Finanzen und möglichst große Extensität sind, einem Zionismus, für den Palästina sich kaum von anderen Ländern unterscheidet, ein praktischer, materialistischer Zionismus, der von uns verlangt, daß wir uns den Verhältnissen anpassen müssen und die »Ideologien« zum Teufel jagen. Die Gefahr droht, und es wird vielleicht die Aufgabe des deutschen Judentums im Zionismus sein, diesem amerikanischen Zionismus von vorn* herein den schärfsten Kampf anzusagen. Das deutsche Judentum —' die Zionisten eingeschlossen — ist in seiner üherwiegenden Mehrheit allem Jüdischnationalem entfremdet. Es ist in dem Sinne assimiliert, als die Zu* sammenhänge mit dem Deutschtum für den größten Teil weit enger sind, als die mit dem jüdischen Volke. Die zionistische Agitation, wie sie vor dem Kriege gehandhabt wurde, mit dem Bestreben, die Zahl der Schekelzahler möglichst zu vergrößern, verkennt die tatsächlichen Verhältnisse. Die zionistische Organisation, deren Ideal es ist, in D e u t s c h l a n d einen möglichst zahlreichen An* hängerkreis zu besitzen, ist bankerott,- die tiefste Fremdheit der meisten Allermeisten gegenüber dem jüdischen Volkstum kann nur ausgeglichen werden durch stärkste Intensität und Zentriertheit, durch Energie und Kraft mit dem Ziele: Jude werden zu wollen. Nur eine Auslese kann sich in Deutsdiland Zionisten nennen,- diese Erkenntnis hat sich bereits Bahn gebrochen,- an vielen Symptomen ist es zu erkennen: Im Krieg ist die Zeitschrift »Der Jude« begründet worden, im Krieg der »Terubbaal«, im Krieg ist das Volksheim geschaffen worden, im Krieg ist Scholem mit seinen Forderungen an den Blau*Weiß hervorgetreten, hat Robert Weltsch ein zionistisches Dienstjahr verlangt, im Krieg hat der Kulturausschuß, vor allem Buber und Schocken, seine Arbeiten aufgenommen.

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