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Jerubbaal · 1918-05-01 · 2 (5.1918) · p. Seite 76

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
2 (5.1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 76 (sequence 34)
Language
German
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76 Hermann Graf: H. . hat mich mit einer beleidigenden Zote begrüßt, was ein Zeichen sehr mangelhafter Erziehung ist. N. . . will die Kameradschaft bekämpfen, schaden kann er uns so nicht, sondern nur nützen, denn der . . .* Verein ist in Wien in sehr schlechtem Ruf. Er und A. . werfen uns Fehler vor, die wir nicht haben, und sagen das ist mein persönlicher Eindruck. Ein reifer Mensch geht von Evidenzen aus, nicht von so schlecht fundierten persönlichen Eindrücken. . . /s Ausführungen zeichnen sich durch beson* deren Mangel an Logik aus. Von allen diesen Fehlern sind wir frei, wir sind viel reifer, kultivierter, freier, schöpferischer als sie, sie können uns nicht verstehen und passen nicht zu uns. Dadurch, daß solche Elemente in der Führerschaft sind, hat der . . .«Verein seine Bedeutung verloren und ist eine Clique, nicht eine Repräsentanz der jüdischen Jugend von Wien. Ich trete dem Grünen Wandervogel bei, auf die Gefahr hin, mit Ariern gehen zu müssen, ich bin lieber mit feinen Ariern zusammen als mit kulturlosen Juden, wie ich auch viel lieber Nietzsche lese, als Gedichte von Stengel. Ich hoffe daß sich die Führerschaft sehr ändern wird. # # - & Lieber Ernst! Du mußt verzeihen, daß ich Dir noch nichts über die Kameradschaft geschrieben habe,- bis vor kurzem waren wir noch so in der Entwicklung, daß ich nichts Feststehendes mitteilen konnte. Jetzt sind wir aber sehr weit und ganz heraus. Ich will versuchen, Dir kurz zu erzählen, was vorge^ gangen ist. Zuerst habe ich möglichst viel Leute gesammelt und versucht, mit denen zu arbeiten,- es waren mehr als ein Dutzend. Mit diesen habe ich im Anfang gearbeitet, so gut es ging, aber es hat unter ihnen selbst^ verständlich viele gegeben, die sehr gewöhnliche Menschen waren, deshalb haben wir, d. h. diejenigen, die tiefer und reifer waren, uns entschlossen, einmal in der Woche besonders zusammen zu kommen, um uns ganz frei aussprechen zu können und Sachen zu lesen, die eben die anderen nicht verstanden hätten, und wobei wir von ihnen gestört worden wären. Das ist aufgekommen, und da haben alle die Enterbten sich beleidigt gefühlt und sind nicht mehr gekommen, was uns sehr angenehm war. Wir haben in der ersten Zeit offizielle Wanderungen gemacht, später nur mehr ganz private, so daß niemand, der nicht zum engsten Kreis gehört hat, überhaupt etwas davon wußte. Jetztwaren wir im ganzen acht Leute und wir haben schon viel erreicht. Wir haben uns ganz genau kennen gelernt und sind sehr gute Freunde geworden und haben uns alle viel geholfen und einer dem andern sehr gefördert. Wir konnten in unseren Zusammenkünften ganz feine und schwere Sachen lesen <Phrasen hat es überhaupi nicht gegeben), wir haben unseren Willen ganz offen aussprechen können vor unseresgleichen, wir haben das Judentum erlebt als unsere Gemeinschaft, unser Wesen und Blut unser Wir und das ehrlich und ganz ohne Oberflächlichkeit. Ich glaube solches gemeinsames Erleben und solche Gemeinsamkeit im Wollen, wie wir sie haben, ist viel wertvoller als das, was im allgemeinen von Organisationen geleistetwird. Wir stehen in keiner Partei, auch nicht der zionistischen, denn wir finden, daß in .jeder

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