Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 1 (4.1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- Seite 1 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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s Eine Zeitschrift der jüdischen Jugend. So allgemein wurde immer wieder das Verlangen nach einer Zeitschrift der jüdisdien Jugend laut, daß unser Versuch kaum einer allgemeinen Recht* ferfigung bedarf. Weil aber hier eine Forderung erfüllt wird, die jeweils aus verschiedenen Gesinnungen erhoben wurde, ist es nötig, klar zu machen, was wir als Aufgabe dieser Zeitschrift setzen, aus welchen Grundanschauungen und zu welchen Zieilen wir arbeiten werden. Der hergebrachte, eingebürgerte, aber dennoch immer ein wenig belächelte Typus einer Jugendzeitschrift hat die Aufgabe, die Jugend zu »belehren und zu unterhalten«. Ihr Herausgeber bemüht sich, ein »guter Kamerad« seiner jungen Leser zu sein, er versieht sie mit Belehrungen, soweit es ihm gut dünkt die Jugend belehrt zu wissen, er unterhält sie, wie er eben Untere haltung der Jugend versteht. Er pflegt auch eine leitende Idee zu haben/ er möchte die Jugend zu einem Ideal, das ihm würdig sdieint, führen. Er ist des Glaubens, daß diese Ideale seinen Lesern an sich fremd sind, daß er sie langsam, vorsichtig und mittelbar zu ihnen bringen müsse. So wiederholt er die Schule. Dennoch muß er bedacht sein, beileibe nicht als Lehrer empfunden zu werden, der er in Wahrheit ist. Darum muß er in einem gewissen Sinn verschlagen und unehrlich, wohlwollend, bescheiden und anmaßend zugleich sein. (Wir sprechen nur vom Ton einer solchen Zeitschrift, ohne ihren Inhalt und dessen möglichen Werte zu berühren.) Die Jugend beginnt solchen Ton als unerträglich zu empfinden und überf läßt diese Art Zeitschriften den Kindern. Ihr ist es ernst mit den Dingen, mit ihrem Fühlen, Fragen, Wollen — so will sie selbst nicht lappalisiert werden. Sie will die Onkeln nicht, die ihr Bestes doch den Jungen nicht zu sagen wagen, und bedächtig erwägen, wie viel gedroschen Stroh ihnen bekömmlich wäre. Sie fühlt sich so rein und unbedingt in ihren Begeisterungen und in ihren Werten, daß sie sich eher selbst als Lehrmeister einer Wenn^ und -Aber^Welt empfände, denn daß sie einem Beliebigen aus dieser als ihrem Führer folgte. Und wo Jugend nicht so denkt, dort müßte sie es lernen. Nichts ist ferner von Hochmut, von früher Überklugheit, als solches Selbstgefühl, das Aufgabe, Pflicht, Verantwortung in sich schließt. So erst öffnet sie die Seele jenen Männern, die sie mit strenger, hoher Forderung füllen, die ihr offen und mittelbar ihr Bestes, Größtes geben. Soll die Jugend .einem Manne folgen, muß sie aus seinem Worte hören, daß er sie ernst nimmt, des Folgens würdig hält. Und tatsächlich ist der junge Mensch der richtige Leser. Von ihm ist alles zu erwarten,- selbt daß er die Worte als das nehmen wird, was sie einzig sein dürften, als Wege zur Tat. So also denken wir uns den Ton, in dem die Älteren zu den Jüngeren reden werden. Nicht für die Jugend werden sie schreiben, sondern an die Jugend. Aber noch mehr als dies wird ein Anderes für den Ton unserer Zeitschrift charakteristisch sein: die Jugend selbst wird das Wort haben. Und das wird unsere Hefte manchem fremdartig erscheinen lassen. Denn, nicht die Gewandtheit oder Eigenart des Ausdruckes, nicht die Folgerichtigkeit