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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1938-08-15 · 16 (15.8.1938) · p. Seite 237

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
14 (Ausgabe A) (1938)
Issue
16 (15.8.1938)
Date
1938-08-15
Page
Seite 237 (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Gemei iideblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeiudeu München, Augsburg, Bamberg, Würzburg Aangabe A: Allgemeine Autgabe, Beiugspreis RM. -.60 im Vierteljahr, RM. 1.40 für das Jahr Anxgabe B: Mit dem Beiblatt für Würzburg und Umgebung. Beiugspreis RM. 1.50 im Vierteljahr, RM. 6.— für da's Jahr. Erscheint am 1. und 15. jeden Monat«. Herauageber: Verband Bayer. Israel. Gemeinden / Verlag B. Heller, München, Plihganierttr. 64, Tel. 75665, Postscheck München 5987 / Anzeigen nach Tarif. Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volktaufklärung und Propaganda betr. Oberwachung der geittig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet. XIV. Jahrgang München, 15. August 1938 Ufr. 16 Inhalt: Chronik der Ereignisse — Mitteilung für Monat August — rischen Gemeinden — Jüd. "Turn- und Sportverein — Personalia USA als Einwanderungsland — Wege und Bedingungen der gei- _ Bekanntmachung betreffend Teilnahme am Gottesdienst an den stigen Einordnung in den Vereinigten Staaten — Aus der Gemeinde hohen Feiertagen in der Synagoge zu Augsburg — Kalendarium München — Aus dem Verband bayer. Isr. Gemeinden — Aus baye- und Gebetszeiten. » Chronik der Ei ironik der Ereignisse Aktualität der Geschichtsbetrachtung — Schwer geprüftes Palästina — Evlan und London — Der Reichsverband — Der Fortgang der gesetzlichen Lösung der Judenfrage in Deutschland Die letzten bewegten Wochen, und Monate seit Pfingsten waren mit Ereignissen, die das Schicksal der Juden in der Welt und in unserem näheren und nächsten Umkreis unmittelbar angingen, in einem MaBe angefüllt, daß es kaum möglich war, in einer Atempause neben der chronikartigen Registrierung eine Übersicht und einen Zusammenhang zu gewinnen. Die Aufmerksamkeit wendet sich vor allem den Vorgängen in Palästina, den großzügigen Plänen von Evian und London zur Lenkung der jüdischen Wanderungen zu, ferner der innerjüdischen Neuordnung seit Aufhebung der Körperschaftsrechte durch Gründung des Reichsverbandes und nicht zuletzt dem raschen Fortgang der Lösung der Judenfrage in Anwendung der herrschenden Grundsätze in Deutschland und Italien. Indes auch die gespannteste Prüfung aller Einzelheiten dieser in der letzten Zeit so rasch und unaufhaltsam vorangetriebenen Entwicklungen brächte keinen Sinn'in das mit all den turbulenten Hergängen und Maßnahmen verknüpfte Gesamtschicksal des jüdischen Volkes und noch weniger in das Schicksal jedes einzelnen bis ins Mark getroffenen Gliedes unserer Gemeinschaft, wenn wir uns nicht in den Stand gesetzt fühlten, eine tiefere Verbindung der Ereignisse und schicksalhaften Wendungen mit der jüdischen Vergangenheit, mit der großen, an Tränen, aber auch an beispielhafter Bewährung reichen Geschichte des jüdischen Volkes herzustellen. Die intime Kenntnis dieser Vergangenheit scheint uns daher mit „Aktualitiät" angefüllter als die bunte jüdische Zeitchronik der Gegenwart, die ohne jene Kenntnis den Betroffenen in der Tat oft einfach unverständlich ist. ja sinnlos vorkommen muß. , , v „Wer nicht von dreitausend Jahren Sich weiß Rechenschaft zu geben, Bleib' im Dunkeln unerfahren, - Mag von Tag zu Tage leben." -So steht es im „Buch des Unmutes". Wie entfernt von den bewegenden Kräften unseres Daseins ist der, der da sagt: Was interessiert uns jüdische Geschichte, Mittelalter oder Antike, wenn frjiicht wissen, unter welchem Dach wir am nächsten'Tag sind unil"unseres Lebens nicht mehr froh werden können! Die sensationellste Nachricht sinkt in kurzer Zeit wieder unter die Oberfläche; nur im Zusammenhang mit der ins volle Bewußtsein hinaufgehobenen Vergangenheit gewinnt unser Schicksal in der Gegenwart Sinn und Lenkbarkeit. Auch der Außenstehende kann uns im übrigen nicht helfen und nicht nachfühlen, was in uns vorgeht: „Sorgenfrei war Moab von jung auf, Stille lag es auf seinen Hefen, Nicht umgeleert ward es von Gefäß in Gefäß,\ Mußte nie in die Verbannung gehen. Darum blieb ihm sein Geschmack beständig. Sein Duft hat sich nicht geändert." Der folgende kurze Uberblick über die letzten Ereignisse wird für die eigene Zukunft nur deut- und verwertbar von jener Vergangenheit aus. v v Schwer geprüftes Palästina Im Heiligen Land reißt die Chronik der Unruhen, Auflehnungen gegen die Mandat-Macht, der Uberfälle und terroristischen Akte und Gegenakte, der Kämpfe des britischen Militärs und der Hilfspolizei mit den Aufständischen, der Angriffe auf Siedelungen, namentlich auf die kleinen isolierten Niederlassungen, nicht ab. Im Monat Juli verzeichnete man 208 Tote und 457 Verletzte. In der letzten Juli-Woche allein hatte die jüdische Hilfspolizei 27 arabische Angriffe abzuwehren; dabei fanden 13 Juden und 28 arabische Angreifer den Tod. Die furchtbaren Bombenanschläge In Jerusalem vom 15. Juli und in Haifa am 25. Juli sind ein Kapitel für sich.. Bei den Vorfällen in Haifa wurde die Synagoge Nachlath-Israel samt ihrer Bibliothek in Brand gesteckt und zerstört. Was wird mit Palästina werden? Für das große Problem der jüdischen Wanderung aus Deutschland wird das Heilige Land leider für die nächste übersehbare Zeit zahlenmäßig nicht viel bedeuten können. Darauf hat mit allem Nachdruck jüngst wieder der Führer der britischen Delegation bei der Konferenz über die Flüchtlingsfrage in Evian, Lord Winterton, hingewiesen. Palästina hat als Mandatlaud und räumlich sehr kleines, noch dazu binationales Gebiet, von der gegenwärtigen über zwei Jahre dauernden außerordentlichen Erschwerung abgesehen, besondere allgemein bekannte Einwanderungsbedingungen, so daß es für eine Umsiedelung der Juden, die Deutschland verlassen müssen, in den meisten Fällen ausscheidet. Die Palästinafrage konnte daher unter den. heute gegebenen Umständen mit den in Evian zu beratenden Problemen der jüdischen Auswanderung nicht in Zusammenhang gebracht werden. Erez-Israel bleibt trotzdem die große jüdische Hoffnung und das von augenblicklichen Zweckmäßigkeitsfragen unabhängige Bekenntnis der besten Juden in unserer Mitte.

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