Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1938
- Issue
- 7 (15.7.1938)
- Date
- 1938-07-15
- Page
- Seite 13 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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{Mitteilungen oe* Böifrfjen fedretoereina für flapern 1938 Schriftleitung: Max Adler, München München, 15. Juli 1938 fr Nr. 7 Einladung „ zu der am Sonntag, den 28., und Montag, den 29. August 1938, in der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg stattfindenden 5 5. Mitgliederversammlung des Jüdischen Lehrervereins für Bayern. Programm: I. Sonntag ,den 28. August: a) 13 Uhr: Sitzung der Verwaltung; b) 18 Uhr: L Eröffnung der 55. Mitgliederversammlung und Begrüßung. 2. Vortrag Dr. Braun (Köln): „Die jüdische Schule in dieser Zeit. II. Montag, den 29. August, vormittags 9 Uhr, Fortsetzung der Mitgliederversammlung.» 1. Geschäftsbericht des Vorsitzenden;- 2. Kassenbericht; 3. Bericht der Kassenrevisoren und Entlastung der Verwaltung; 4. Wahl der Kassenrevisoren für das Geschäftsjahr 1938; 5. Festsetzung des Jahresbeitrages; 6. Wünsche und Anträge. Nach § 11 unserer Vereinssatzungen müssen Anträge spätestens 4 Wochen vor der Mitgliederversammlung bei dem 1. Vereinsvorsitzenden schriftlich eingereicht werden. Wir erwarten vnllyjihliges Erscheinen unserer Mitglieder — der vermutlichen Ursprache der gesamten Idiome der Welt besonders gut erhalten, manchmal in klassischer Schärfe. Von der Sprachwissenschaft wurden in der Vergangenheit gegen die Verwandtschaft der Sprachen gewöhnlich folgende Einwände gebracht: 1. Übereinstimmungen bezüglich des Klanges und des Sinnes verschiedener Idiome können auf Zufall beruhen, insbesondere xwenn es Sich um Schallworte handelt, das heißt Sprachbezeichnungen, die offenbar einen Naturlaut nachahmen.. Solche Schallnachahmungen (Onomatöpoien) können dadurch entstanden sein, daß in den verschiedensten Teilen der Welt die Sprache nach den Naturla'uten in gleicher Weise erfunden worden ist. Oder es wird' 2. der Einwand erhoben, es handle sich vielleicht hie und da um Lallworte, welche zu allen Zeiten von allen Kindern triebhaft und naturgeboren als die ersten lautlichen Äußerungen von selbst produziert werden, ohne daß die Säuglinge damit einen Sinn verbinden; die Erwachsenen hätten solchen Lallworten erst eilten Sinn beigelegt. Nun ist es nicht ausgeschlossen, daß die eine oder andere Bezeichnung, die in der ganzen Welt Ubereinstimmend angetroffen wird, auf solche Lallworte zurückgeht. Ein solches Lallwort wäre z. B. die Bezeichnung Papa, Mama. - Bekanntlich sind, veranlaßt durch die Erstarkung der Sauginuskeln beim Kinde Papapap, Mamama die ersten Lallworte, die das Kind unbewußt produziert. Der Ausdruck Papa und Mama ist nun offenbar dadurch entstanden, daß die über die sprachlichen Produktionen ihrer Kinder erfreuten Eltern diese Lallworte auf sich bezogen haben. Wir könnten schon annehmen, daß zu allen Zeiten und in allen Zonen diese Lallworte als Bezeichnung für Vater und Mutter immer wieder neu erfunden worden sind, wenn nicht merkwürdigerweise immer und überall Pap auf .den Vater. Mam oder Am auf die Mutter be- München, den 10. Juli 1938. M. Rosenfeld M. A d 1 e r. Gibt es eine Urgemeinschaft der Sprache? (Fortsetzung) Weitere Beispiele für Identität des Wortschatzes in den verschiedensten Sprachformen: Das Wort für kriechen lautet altindisch SRP, in Jugoslawien bezeichnet die Parallele ZRV, im Lateinischen Serpens die Schlange und die hebräische Parallele ist Sarap. Das Wort Kälte lautet im Baskischen Hurma, im Altnordischen bezeichnet Horim den Reif, im Griechischen Kryn-os den Frost, in Nubien Orom die Kälte, bei den Austrainegern Kirn (kalt), im Hebräischen Kor (Kälte), in den Indianersprachen Zentralamerikas bezeichnet Kurik die Kälte, im Ungarischen heißt das gleiche Wort Kerek. im Assyrischen Karchu und im. Hebräischen bezeichnet Kerach das Eis.! Auf Grund zahlreicher Vergleiche, die sich nicht nur auf die bekannten indogermanischen, semitischen und ostasiatischen Sprachen erstrecken, sondern auch die Sprachen im Stillen Ozean, die Negersprachen Afrikas und die Indianersprachen des vorcolumbischen Amerika einschließen, kommt Wadler mit seinen Untersuchungen zu folgendem Ergebnis: es gibt auf der WeH keine Sprachen, die nicht miteinander verwandt sind. Man ist nur berechtigt, auf Grund größerer oder geringerer Übereinstimmung in der grammatischen Flexion von näher verwandten oder ferner verwandten Sprachen zu reden. Die grammatische Flexion selbst aber kann, obgleich sie in den indogermanischen und semitischen Sprachen wie auch in den anderen Hauptsprachstämmen ganz verschieden ist, nicht als ein Beweis gegen die Urverwandtschaft der Sprachen herangezogen werden. Zur Erkenntnis der Verwandtschaft der Sprachen kommen wir, wenn wir von jeder beliebigen Sprache ausgehen.vAls gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein französischer Offizier, Oberst Frey, in Annam (Hinterindien) die Landessprache kennen lernte, empfing er so tiefe Eindrücke, daß er ein Buch schrieb „Das Annamitische — die' Mutter der Sprachen". Die Philologen lachten das Werk zunächst aus; gewiß ist das Annamitische nicht die Mutter der Sprachen, doch zum Lachen ist auch kein Grund vorhanden, denn tatsächlich haben sich in dieser Mundart Ostasiens die Wortstäm.ne zogen wäre. Wäre diese Erklärung der Lallworte richtig, dann müßte zumindest irgendwo einmal der Vater mit Mam, die Mutter mit Pap bezeichnet worden sein. Wenn aber die europäischen Kindlein ihr Mütterchen Mama nennen, die karibischen in Zentralamerika Mamai und Meamai gebrauchen, wenn die hebräische Mutter Am heißt, wenn bei Homer das alte Mütterchen mit Ama, im Deutschen' die Säugemutter mit Amme bezeichnet wird, so kann das nicht bloßer Zufall sein; ebensowenig daß europäische Kinder zu ihrem Vater Papa sagen und^schon in Altsumer der Vater Pap hieß. Wären es nur Lallworte, dann erhebt sich die Frage: woher kommt es, daß die Semiten den Vater mit Ab, die Ungarn mit Apa, die karibischen Indianer mit Ope. die Sumerer den Greis mit Ab bezeichnen; warum nannten auch die Römer den Stammvater Av-us, warum heißt der Großvater bei den Eskimos Alaskas Appa und warum die gleiche Person in der Mundart der Rheinpfalz Abbe; wieso verwenden dann die Eskimos für den Vater einen anderen Namen, nämlich Atta, wieso nennen die Schweizer den Großvater Atti, wieso begann das gotische Vaterunser mit den Worten Atta? (Fortsetzung folgt.) Sonderplan für die Fortbildung der jüd. Volksschullehrer im Jahre 38/39 (Genehmigt durch ME. vom 13. 4.1938 Nr. IV 14527.) A. Wissenschaftliche Pädagogik. I. Geschichte der Erziehung. Herbarts „Umriß pädagogischer Vorlesungen" ist in ausgewählten Stücken durchzuarbeiten. ' II. Ja h r e s a r b e it e n : 1. Der Begriff der Bildsamkeit bei Herbart und im heutigen pädagogischeu Denken. 2. Die Seelenkunde Herbarts als Grundlage seiner Erziehungslehre. 3. Der bleibende pädagogische Gehalt in Herbarts Gedanken über Regierung und Zucht. . 4. Der erziehende Utfterricht in der judischen Volksschule. 5. Stellung und Bedeutung der Palästinakunde im jüdischen Unterricht.