Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 14 (Ausgabe A) (1938)
- Issue
- 13 (1.7.1938)
- Date
- 1938-07-01
- Page
- Seite 193 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Au^aheA Gemeindeblatt für den Verband der Kultnsgemeinden in Bayern und die Kult um gerne Inden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg Angabe A: Allgemeine Ausgabe, Bezugspreis RM. -.60 im Vierteljahr, RM. 1,40 für du Jahr Amgabe B: Mit dem Beiblatt für Wünburg und Umgebung. Bezugspreis RM. 1.50 im Vierteljahr, RM. 6.— für das Jahr. Erscheint am 1. und 15. jeden Monats. Herausgeber: Verband Bayer. Israel. Gemeinden / Verlag B. Heller, München, Plinganserstr. 64. Tel. 75665, Postscheck München 5987 / Anieigen nach Tarif. Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda betr. Uberwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet. XIV. «lahrgang München, 1. Juli 1038 Nr. 13 Inhalt: Bannung der Niedergeschlagenheit — Verstärkte Anstrengungen zur jüdischen Auswanderung — Aus Briefen an den Hilfsverein — Aus der Gemeinde München — Zionistischer Ortsverband München — Staatszionistische Organisation München — Jüd. Turnu. Sportverein München e. V. „Jtus" — Aus der Gemeinde Augsburg — Aus der Gemeinde Bamberg — Aus dem Verband bayer. israelitischer Gemeinden — Bücherschau — Bekanntmachungen des Verbandes Bayer. Israel. Gemeinden über: Dritte Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 14. Juni 1938; Verordnung über Anmeldung des Vermögens von Juden —. Bekanntmachungen der Isr. Kultusgemeinde München: Öffentliche Mahnung; öffentliche Aufforderung— Mahnung—Fürsorger-Stelle—Personalia — Kalendarium Bannung der Nie Verzagtheit und tiefe Hoffnungslosigkeit drohen unseren aufrechten, geraden Gang manchmal zum Schwanken zu bringen. Immer schwerer wird es, daß der Niedergeschlagene, dem vor der Ausweglosigkeit seiner Lage die Kehle wie zugeschnürt ist, sich wieder faßt und mutig, ungebeugt den Weg fortsetzt. Mehr wie je bedürfen wir der Willensfestigkeit und unbeirrbaren Besonnenheit. Ob der Einzelne seine Anstrengung, die alte verlorene Heimat zu verlassen, verdoppelt, ob ihn die scheinbare Sisyphusarbeit des Tages fast niederdrückt oder ob er unverdrossen, von einem großen inneren Glauben gehärtet, lautlos Entbehrungen für nichts achtet und sich ungebrochen allem unterzieht* was ihm auferlegt ist, fast jeder aus unserer Schicksalsgemeinschaft ist durch den Ernst und die Lehren der Zeit gewachsen. Was uns früher für wichtig galt, fällt als gleichgültig von uns ab. Wir drehen den Kopf nicht mehr nach Dingen, um die wir uns gestern Sorgen machten. Auf eine Vertiefung und .Läuterung deuten viele Anzeichen. Die sozialen Scheidewände fallen immer mehr; die alte Rangordnung äußerer Ehren, die uns einst die Außenwelt verlieh, verblaßt vor der Einsicht in die' scharf abgeteilte und voll bewußte Skala eigener Werte, deren Vorhandensein oder Abwesenheit unter unseren jüdischen Mitmenschen sich jetzt nackt und deutlich zeigt. Nur Entäußerung, Verzicht und immer wieder Verzicht, gegenseitige Hilfe und Nachsicht, können uns weiterbringen. An Einsatzbereitschaft ohne Aussicht auf Dank und Entgelt fehlt es in unserer Mitte nicht. Dafür sind ermutigende.und trostreiche Symptome vorhanden. Der eine überwindet Sorge und Trauer durch praktisches Zugreifen in der täglichen großen Lebensnot, der andere durch Bewußtmachen früher unbewußter oder nicht gekannter Mächte in und außer uns. Ohne große Worte dürfen wir ein Anwachsen dieser Selbstbesinnung feststellen. Wir schlagen eine Auswahl biblischer „Stimmen über der Zeit" (im diesjährigen Maiheft der jüdischen Monatsschrift „Der Morgen") auf und sind betroffen: DieStimme vom Sinai: In deiner Bedrängnis, wenn dich alle diese Dinge treffen in späten Tagen, dann wirst du zurückkehren zum Ewigen, deinen Gott, und auf seine Stimme hören (5. Buch Mose 4, 30). Verzweiflung: 0 wäre verloren der Tag, da ich geboren, Die Nacht, die sprach: Empfangen ward ein Sohn) Wär jener Tag im Dunkeln doch geolieben, Daß Gott da droben nicht nach ihm gefragt, Daß nimmer Morgenlicht an ihm erstrahlt. —-Hätt Finsternis, Toddunkel ihn befleckt, Gewölk ob ihm gelagert, — (H i o b 3, 3—5). I e r g e sch lagen he it Ob meines Volkes Sturz ward ich gebrochen. Verfinstert hält Entsetzen mich gepackt!' Gibt's keinen Balsam in Gilead, ist da kein Arzt! Warum doch erwuchs nicht meinem Volk Genesung? Wer machte doch mein Haupt zur Flut, Mein Aug zum Tränenquell, Daß Tag und Nacht ich beweine meines Volkes Opfer (Jeremias 8, 21—23). ■• Wo ist er.der heraufgeführt vom Meer denHirten seinerHerdc, Wo, der ins Innere ihm gelegt seinen heiligen Geist? (Jes. 63. 11). Was schlägst du uns, daß wir nicht Heilung finden? ,Man harrt des Friedens — ist kein Heil, Der Zeit der Linderung — sieh da: Schrecken (J e r. 14. 19). Der Fluch: Und du wirst werden zum Entsetzen, zum Gleichnis und zum Gerede unter allen den Völkern, dahin der Ewige dich wegführt. — Söhne und Töchter wirst du zeugen, ab^r sie werden dir nicht bleiben. — Und du wirst unter den Völkern keine Ruhe finden, und es wird keine Ruhestatt geben für deines Fußes Sohle, und der Ewige wird dir dort geben ein zitternd Herz, und schmachtend Aug und zage Seele. Und dein Leben wird dir fern von dir hangen, daß du in Angst bist Nacht und Tag und deines Lebens dich nicht sicher glaubst. Am Morgen sprichts du: „Ach daß es Abend wäre!" und am Abend: „Ach wär es Morgen!" ob der Angst deines Herzens, die dich schreckt, und ob des¬ Anblickes deiner Augen, den du schaust (5. Buch Mose 28: 37, 65-r67). Tröstung und Deutung: In schwachem Schelten hab ich dich verlassen. In starker Liebe hole ich dich heim. m— Im Zorneszucken barg ich mein Antlitz ein Nu vor dir; In ew'ger Treue lieb ich dich, spricht de*in Erlöser, der Ewige (J e s. 54, 7*—8). Denn nicht sind meine Pläne eure Pläne, Nicht eure Wege meine Wege, ist des Ewigen"Spruch! (J e s. 55. 8). Denn ewighin nicht will ich hadern, und nicht für immer zürne ich —— Ich schaute seine Wege und will es heilen, leiten, Tröstung ihm gewähren und seinen Trauernden — . Den Fernen und den Nahen: Frieden. Das spricht der Ewige, und heil es (J e s. 57, 16 u. 19).