Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1938-06-15 · 12 (15.6.1938) · p. Seite 179

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
14 (Ausgabe A) (1938)
Issue
12 (15.6.1938)
Date
1938-06-15
Page
Seite 179 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/10638461-6435885-6435903--342-3770859
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jüdisches GemciiidcMatt 'v für den Verband der Knltnsgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg Ausgabe A : Allgemeine Ausgabe, Bezugspreis RM. -.60 im Vierteljahr, RM. a.40 für das Jahr Ausgabe B: Mit dem Beiblatt für Würxburg und Umgebung. Bezugspreis RM^^rlm ■ ' Vierteljahr, RM. 6.— für das Jahr. Erscheint am 1: und 15. jeden Monats. Herausgeber: Verband Bayer. Israel. Gemeinden / Verlag B. Heller, München, Plinganserstr. 64, Tel. 73665, Poltscheck München 5987 / Anzeigen nach Tarif. Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda betr. Uberwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet. XIV. Jahrgang München, IS. Juni 1938 Nr. 1» Inhalt: Sorge um die junge Generation — Jüdische Geschichte und jüdischer Staat — Wanderung und Siedlung — Aus der Gemeinde München — Zionistischer Ortsverband München — Staatszioni-* stische Organisation München — Jüdischer Turn- und Sportverein München e. V. „Jtus" — Bücherschau — Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern — Bekanntmachung der Israel. Kultusgemeinde München 'betr. Abhaltung der Gottesdienste — Personalia Kalendarium und Gebetszeiten für München. Sorge um die junge Generalion 1. Zwanzig Jahre „Hechaluz" Das Gedenken an die Gründung des „Hechaktz" („Der Pionier") vor 20 Jahren gab auch in der jüdischen Gemeinde München In diesen Taigen Veranlassung, die jüdische Jugend aufzurufen und ihr unumwunden Klarheit zu geben über die chaluzisohen Ziele und die wahre chaluzische Gesinnung. Dr. Georg Josephthal, eingeführt von den Vertretern der Gemeinde, des zionistischen Ortsverban- ,des und der jüdischen Jugend«emeinsohaft, gab in abgewogener* und naohdrüokhcher Weise einen Begriff von der Arbeit des „Hechahiz". dem Wandel seiner Aufgaben seit den Anfängen und von seinen eigentlichen Antrieben; Im April 1933 zählte der Landesverband des „Hechahiz" in Deutschland 500 Mitglieder, zwei Jahre später waren es 15 000. Aber gerade in den letzten'Jahren hat sich die chaluzische Haltung gewandelt. Der „Hechaluz" ist nicht mehr die Einrichtung für eine allgemeine Berufsumscliichtung der jüdischen Jugend unabhängig vom Auswanderungsland und von der Gesinnung. Heute wird eine strenge Entscheidung gefordert. Der junge Jude soil freiwillig ein Leiben mit bürgerlicher Annehnilichlkeit verlassen, er soll verzichten, vor allem verzichten auf ein „Vorwärtskommen" im alten Sinn; also eine Selbstbeschränkung für das ganze Leben, vielleicht nur mit dem Eintritt in ein Kloster vergleichbar! In dem Vortrag Dr. Josephsthal war nichts so eindrucksvoll, als daß hier Hipp und klar ausgesprochen wurde: Der jüdischen Jugend soll nichts geschenkt werden; sie wiird zu etwas iurchtbar Harten, zum Abtun eines falschen Berufsehrgeizes, zur endgültigen Aufgabe des 'früheren Ideals der v.gehbbenen Position" in irgendeinem künftigen Bereich, angerufen. Gerade um dem Leben des jungen Menschen wieder einen Inhalt und ein hohes Ziel zu geben, wird diese Entäußerung verlangt. Denn nur so besteht Aussicht der wirklichen Erneuerung' des Juden in einem künftigen hochgeachteten jüdischen Gemeinwesen. Dieses Pioniertum allein ist der unbeugsame Vortrupp für den Aufbau und die innere Festigung Palästinas. Opfer und Verzicht. Eroberung von.Boden und Arbeitsplätzen durch gestählte junge Menschen, die nichts mehr für sich selbst wollen, das sind die Mittel, mit denen beute die zionistische Jugend an dem großen Werk des Aufbaus mitwirken muß. „Worauf wartet ihr noch?", fragte Dr. Josephthal die junge Generation. Wo gab es je einen lohnenderen Einsatz des Lebens? Hier ist die größte Chance, jenseits vom Ruhe. Sicherheit und Annehmlichkeit, endlich einmal die Frage des jüdischen x Volkes zu lösen. Die scheinbare Verengung bedeutet in Wahrheit eine Hebung der Menschen, die diese schwere Aufgabe auf sich nehmen. Im „Hechahiz" ist das Ziel alltäglicher Bewährung zur Tatsache geworden, indem Menschen einfach sich einsetzen müssen, wenn sie nicht als verlorene Einzelgänger neben dem Strom des Volkes gehen wollen. Der Chaluz in Palästina erfüllt die der jüdischen Jugend außerhalb des Landes unmögliche und unvorstellbare Aufgabe: Selbstverteidigung. täglicheGefahreii tatkräftig zu beseitigen, vor allem Einordnung in ein geschlossenes gesellschaftliches und wirtschaftliches System. 2. Von der praktischen Erziehung der Jugend-Alljah In Palästina Ziel der Jugend-Alijah ist. Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren in ein Leben der körperliohen Arbeit in Palästina einzuordnen. Die Erreichung dieses Zieles stellt außerordentliche erzieherische Anforderungen. Die Auswahl der einzelnen Jugendlichen, die Gestaltung der zwei Jahre Jugend-Alijah in Arbeit, Unterricht und Freizeit erfordern ein Höchstmaß an Verantwortung. In zwei Jahren soll eine echte Bindung an Land und Arbeit geschaffen werden in einem Lebensalter, in dem der Jugendliche selbst noch mitten in der Entwicklung. iin der Zeit seiner Reife steht. Die nachfolgenden kurzen, sachlichen Berichte sollen einen Einblick in die täglichen Probleme, wie sie das Leben unserer Jungen und Mädchen in der Jugend-Alijah in Palästina mit sich bringt, geben. Bericht aus Gescher: Gruppe von 47 Jugendlichen. 31 Junten, 16 Mädchen; im Lande seit Februar 1936. -— H e b r ä i s c h e A u fs ä t z e : , Von, den 47 Jungen und Mädchen, die die hebräische Sprache gelernt haben, ist mehr als die Hälfte bereits in der Lage, eine hebräische Zeitung und ein hebräisches Buch zu lesen, einen hebräischen Brief und einen hebräischen Aufsatz zu verfassen. Unter ihnen ist eine Anzahl, die zu mehr als mittelmäßigen Kcntnisseti gelangt ist. und die beispielsweise Aufsätze In einem guten hebräischen Stil schreiben kann. Demgegenüber muß man feststellen, daß ein Teil beim unpunktierten Lesen und Schreiben noch Mühe hat. Im letzten Halbjahr wurden die Tenachstunden vom Sprach-^ Unterricht getrennt. Die Kurse wurden durch ein Thenicnsystein" zusammengefaßt, in dem dargestellt wunde: 1. Entwicklung der sozialen Idee im Tcnacli .2. Entwicklung der nationalen Idee im Tenach „3. Beginn der Prophetie in Israel. Entsprechende Abschnitte aus dem Tenach wurden durchgearbeitet. Bericht aus Nahalal: Gruppe von 49 Jugendlichen. 37 Jungen. 12 Mädchen; im Lande seit April 1936. — Intensive Schu- I u n k : In den Kursen hatten wir außer der hebräischen Sprache Tenach, jüdische Geschichte. Naturwissenschaften (Biologie). I'alästinnkunde. außerdem theoretischen landwirtschaftlichen Unterricht, in dem wir uns mit der Baumpflanzung und -pflege beschäftigten. Gegenwärtig läuft ein Kurs über Viehzucht. Im Getreidebau haben

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.