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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1938-06-01 · 11 (1.6.1938) · p. Seite 165

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
14 (Ausgabe A) (1938)
Issue
11 (1.6.1938)
Date
1938-06-01
Page
Seite 165 (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches AusgabeA €}emeindeblatt für den. Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg Aangäbe A: Allgemeine Ausgabe. Bezugspreis RH. -.60 im Vierteljahr, RM. 1.40 für das Jahr AD»l»b« K: Mit dem Beiblatt für Würzburg und .Umgebung. Bezugspreis RM. 1.50 im —.: Vierteljahr, KM. 6.— für das Jahr. Erscheint am—1. und 15, jeden Monats. Herausgeber: Verband Bayer. Israel. Gemeinden / Verlag B. Heller, München, Piinganserstr. 64, Tel. 73665, Postscheck München 5987 / Aiiieigen. nach -Tarif. Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda betr. Oberwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet. XIV. Jahrgang München, 1. Juni 1938 Nr. 11 Inhalt: „Arabia Deserta" — Nationaljüdische Jugend Wichtiger Steuertertrtin im Monat Juni 1938 — Synagoge A. D. 1519 iracta et fundamerrto eversa — Aus der Gemeinde München — Zionistischer Ortsverein München — Staatszicnistische Organisation! München — Aus der Gemeinde Augsburg — Aus der Gemeinde Bamberg — Aus bayer. Gemeinden — Aus dem Reiche — Jlid. Turn- und Sportverein München — Bücherschau — Geschäftliches — Bekanntmachungen des Verbandes Bayer. Israel. Gemeinden —' Bekanntmachung der Israel. Kultusgemeinde München — Personalia — Kalendarium und Gebetszeiten. „Arabia Deserfa" \ Zur besseren Kenntals der arabischen Umwelt Im Jüdischen Land Das Studium Arabiens, des Islams, der arabischen Sprache und Kultur in Vergangenheit und Gegenwart, der Geschichte und* Kunde des Landes im weitesten Sinn, ist den Juden von heute oft empfohlen worden Die jüdische Herkunft, die jüdische Geschichte und die jüdische Zuikunit verweisen entschieden auf eine noch gründlichere Beschäftigung mit dem großen Volk der Araber, mit seinem geheimnisvollen Lande und seiner klassischen älKache, als es heute unter mm populär ist. 1001 Nacht. Pierre Loti. Karl May, ja~selbst T. E. Lawrence und Hans Kolin — jeder der aufgeführten Namen und Begriffe eine höchst beachtenswerte und lehrreiche Welt für sich — genügen nicht.an Wesen und Geist „lsmaels". mit welchem unser Schicksal verbunden war und ist, heranzukommen. Das richtige Mittel dazu bleibt die Erlernung der klassischen arabischen Spräche Es darf hier daran erinnert werden, daß es zur besten jüdisch» Tradition des heute so oft leichthin gescholtenen 19. Jahrhunderts gehörte. Islam-Kunde, Arabisch und vergleichende semitische Sprachwissenschaft in die Lehrfächer unserer jüdischen theologischen -Lehranstalten aufzunehmen. An einer stattlichen Reihe arabistischer Arbeiten von der Erstlingsarbeit Abraham Geigers über Muharmned bis zu Goldzihers aufbauenden Grundwerken der Islam-Wissenschait könnte leicht gezeigt werden, daß die Durchbildung in diesen Fächern — außerhalb jedes Zusammenhanges mit praktischen, kolonialpolitis.chen Aufgaben wie etwa in Holland. England und Frankreich — rioch vor zwei Generationen in Mitteleuropa die Pflanzschule für ein besseres Verständnis des Semitischen und für eine gediegene Haltung zum Wissenschaftlichen überhaupt bei unseren Rabbinern, Lehrern und Lehrenden gewesen ist AN allmählich mit dem Aufkommen des Zionismus im steigendem Maße auch praktische Aufgaben zu einer breiteren und tieferen Erfassung jener schwierigen Fächer hätten führen sollen, hörten aus äußeren, hier nicht zu erörternden Gründen „Arabisch" und „Islam" fast ganz auf, das Interesse der an unseren Hochschulen ausgebildeten jüdischen Führer zu beanspruchen. Gute Dissertationen oder gelehrte Arbeiten und Werke auf diesem Gebiete wurden Ausnahmen: es gab bei den jungen Rabbinern immer mehr-Schriften aus den Fächern der Germanistik und der Philosophie, dagegen immer weniger Arbeiten aus den Disziplinen der Semitistik. Iranistik oder der sich mehr und mehr spezialisierenden Islam-Wissenschaft. Das Wissen um die arabische und islamische Welt unter uns wurde so. je mehr die weltpolitischen Bewegungen darauf hinwiesen, zusehends schmäler. Auch heute haben die großartigen KrgebnisseNder Erforschung des vorderen Orients oder die Rolle, die der Islam weltgeschichtlich gespielt hat, noch nicht angefangen in unser Bild von der Entstehung der Völker und Staaten. geschweige denn in unser allgemeines Epoche-Bewußtsein einzugehen. Es ist dringend davon abzuraten, auf journalistischen und feuilletanistischen Wegen oder mit Reportagen dies Films und Radios jenes nötige gründliche Wissen zu ersetzen. Aus der Flut der Literatur über die Araber, worüber wir früher auch in diesen Blättern dann undi wann berichten konnten, ragt seit kurzem das in neue Form gebrachte Werk von -C. hart*» Mnn. tagu .Doughty „Arabia Deserta" hervor; es ist jetzt unter dem Titel „Die Offenbarung Arabiens" (aus dem Englischen von H. Federmann) im Verlag vom Paul List (612 Seiten mit einer Karte; Preis geb. RM. 11.—) erschienen. Dieses umfangreiche Reisetagebuch ist, obwohl es vor über 50 Jahren abgefaßt wurde, geeignet, einen ersten Begriff von der eigentlichen Welt .„Arabien" zu, «eben. Dotugtotys „Reisen in der arabischen Wüste", die Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts gemacht wurden, sind als eines der größten Prosawerke der englischen Literatur gefeiert worden. Der Freund des Verfassers, der englische Oberst T. E. Lawrence, der Autor der „Sieben Säulen der Weiheit", hat d'ie Neuherausgabe veranlaßt. Einige. Sätze aus seinem Vorwort und die Wiedergabe eines kurzen Kapitels sollen im Folgenden (statt einer literarischen Charakteristik und einer unzureichenden Inhaltsbeschredbung) von dem Stil des Buches, das keine Unterhaltungslektüre und wie Doughty selbst sagt .keine Milclf für Säuglinge" ist. einen ersten Eindruck vermitteln. Lawrence sagt in dem ausführlichen Vorwort zu Doughty: „Je mehr man sich mit Arabien beschäftigt, eine um so größere Fundgrube bedeutet «Arabia Deserta» und je weiter man reist, desto größer wird die Hochachtung vor der Einsicht, der Urteilsfähigkeit und der Künstlerschaift Kies Verfassers.......Das Buch ist zeitlos und wird nie veralten. Ks ist das erste und maßgebliche Werk über die Araber der Wüste;,.. Jeder, der dem Bgriff Arabien näherkommen will, muß sich mit diesem Buch auseinandersetzen." In dem großen Reisewerk des englischen Pfarrersohnes Doughty (1844—1926) leuchten auf Schritt und^Ffitt die Erinnerungen an die biblischen Stätten und Szenen auf. Seine wissenschaftliche Bedeutung liegt auf dem Gebiet der Geographie, der Ethnographie und Ethnologie. Als Mterarisches Kunstwerkübertrifft Doughtys „Travels in Arabia Deserta" bei weitem den dicken Wälzer „Seven \Pillars of Wisdiem" von Lawrence, auch dessen berühmtes Buch „The revolt in the Desert". Lawrence selbst spricht voH Begeisterung von seinem Vorgänger und Lehrmeister: „Es herrscht ein vollendeter Realismus in dem Buch von Doughty. Er gibt die volle, uneingeschränkte Wahrheit von allem, was er erlebte. Wenn er ein Vorurteil hatte, so war es eines zuungunsten der Araber,

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