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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1938-04-15 · 4 (15.4.1938) · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1938
Issue
4 (15.4.1938)
Date
1938-04-15
Page
Seite 7 (sequence 1)
Language
German
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fOittetlungen Des lüöifrtjen f ebreroereina für Hapern Schriftleitung: Max Adler; München 1938 _München, 15. April 1938 Nr. 4 Aron Mandelbaum zum 70. Geburtstag Viele Kollegen werden über die Uberschrift überrascht sein. Aussehen und Rüstigkeit unseres Freundes Mandelbaum lassen es nicht ahjien, daß er schon die Schwelle des 8. Jahrzehntes erreicht hat. Aber die Vereinsakten sagen es uns und darum stimmt es auch, Kollege Mandelbaum begeht am 14. April seinen 70. Geburtstag. Es ist uns ein freudiger und Heber Anlaß, ihm mit unseren herzlichsten Glückwünschen bei dieser Gelegenheit den Dank für all das zum Ausdruck zu bringen, was er in treuer und hingebender Tätigkeit für Lehrer und Schule, für Verein und Judentum geleistet hat. Ais ganz junger Lehrer wurde Aron Mandelbaum im Jahre 1893 zum Schriftführer neben dem unvergeßlichen Goldstein s. A. in die Verwaltung des Lehrervereins gewählt. Sein Ziel, für das er rastlos tätig war, war die materielle, soziale und geistige Hebung des jüdischen Lehrerstandes und sein Hauptwerk war der Auf- und Ausbau der Unterstützungsstiftung. Von 1893—1913 war. ex als Schriftführer des Vereins tätig, bis ihm im Jahre 4913 das Vertrauen der Mitglieder als Nachfolger Goldsteins die Führung übertrug. In schwerer Zeit stand nun Mandelbaum an der Spitze des Vereins. In den Jahren der Kriegs- und Nachkriegszeit gelang es ihm, den Zusammenhalt unter den Kollegen zu wahren und die jungen Lehrer, die nach Ende des Krieges zurückkamen, für die Mitarbeit Im Verein zu gewinnen. Stets stand er seinen Main. In vorderster Linie kämpfte er auch für die Revision des Judenediktes und für die Gründung des Verbandes. Einen gefestigten - und geordneten Verein konnte er im Jahre 1920 seinem Nachfolger Dingfelder übergeben. Seit 1920 nimmt er als Ehrenmitglied der "Verwaltung mit Rat und Tat an der Vereinsarbeit teil. Während seiner 45jährigen Tätigkeit in der Verwaltung hat er in nie ermüdender Arbeitsfreude seine ganze Kraft und seine hervorragende Fähigkeit der Lehrerschaft geschenkt. Seine Begeisterung für alles, was Schule und Lehrerstand bewegt, sein reiches Wissen, verbunden mit rethorischer Begabung, seine ruhige Art, haben ihm die Wertschätzung aller Kollegen verschafft. Wir wünschen, daß der Jubilar noch recht lange* Jahre der "unsere --bleiben und seinen wertvollen Rat und seine hilfsbereite Tat auch weiterhin dem Verein leihen möge. Freie Vereinigung der Lehrer und Kantoren der Pfalz Der seit einigen Jahren anhaltende Auswanderungsdrang hat nun auch die Lehrerschaft in der Pfalz erfaßt. Nachdem schon vor einigen Jahren Kollege Liberles in Ludwigshafen nach den Vereinigten Staaten übersiedelte und Fuß fassen konnte, folgen nun mit demselben Ziele die Kollegen David Bär und H. Schottland. . - David Bär. seit 1920 ununterbrochen im Diensie, wirkte in der Pfalz zum Wohle seiner Gemeinden von 1927 bis 1929 in Kirchheimbolanden und von 1929 bis heute in Edenkoben hauptamtlich als Religionslehrer und Kantor. Außerdem erteilte er in vielen kleinen Gemeinden den Religionsunterricht. Er ging stets diensteifrig und beflissen 'seinem Berufe nach, ohne th seiner Bescheidenheit Anspruch auf öffentliche Anerkennung zu erheben. Nun verläßt dieser allseits beliebte Kollege die Stätten seiner Tätigkeit. Wir können zum Abschied ihm mit seiner Lebensgefährtin keinen , besseren Wunsch zurufen als 1>«a w" Inn« rinn ins t'.Gese.gnet seist Du bei Deinem Auszug und gesegnet seist Du bei Deinem Einzug.' Heinrich Schottland hat bereits 34 arbeitsreiche Dienstiahre (mit kurzer Unterbrechung in den Kriegsjahren) als Religionslehrer und Kantor hinter sich. Diese Zeit hat er fast ausschließlich in pfälzischen Gemeinden verbracht. Die letzte Gemeinde, die das Glück hatte, einen solch' ausgezeichneten Lehrer, Prediger und Betreuer zu haben, war Frankenthal. 'Als er im Jahre 1936 beauftragt wurde, die Jüdische Sonderklasse in Ludwigshafen als Volksschullehrer zu führen,' da folgte er der Berufung sehr gerne, sah er doch dort die Erfüllung seines Strebens, der ihm _anvertrauten Jugend Re<tp<i tu gp.hp.n. MiLauflerordentlic.he.nl pädagogischen Gschick und mit methodischer Begabung vermittelte er den Kindern allgemeine Kenntnisse und dank seines großen jüdischen Wissens bleibende jüdische Werte. Schottland wirkte auch einige Jahre als Vorsitzender der „Freien Vereinigung isr. - Lehrer und Kantoren der Pfalz" und hat in dieser Eigenschaft in bester Weise bei dem Verband der isr. Kultusgemeinden der Pfalz die Interessen unseres Standes gewahrt. Dankbar empfanden alle seine Kollegen seine stete -Einsatzbereitschaft. Leider war es ihm in den letzten Jahren, durch ein Leiden gehemmt, nicht mehr möglich, dieses Amtes weiter zu walten. Wir Pfälzer Lehrer, die wir mit großer Liebe und Verehrung an V unserem Schottland hängen, bedauern zutiefst seinen Wegzug. — Es geht der Beste von uns! Auch ihm und seiner Familie rufen wir zu: 1»as nna-n-oi "unm-nnM tna „Gesegnet seist Du bei Deinem Auszug und gesegnet seist Du bei Deinem Einzug." Semlnarschlufiprüfung 1938 In der Zeit vom 7.-22. III. fand die Seminarschlußprüfung an der Jüdischen Lehrerbildrungsanstalt in Würzburg unter Vorsitz eines von der Regierung von Ünterfranken bestellten Kommissars statt. Im 1. Abschnitt beteiligten sich 7, im 2. Abschnitt 20 Prüflinge. Die sämtlichen Prüflinge des 1. Abschnitts erhielten die Erlaubnis zum Vorrücken in die 6. Klasse, die Prüflinge des 2. Abschnitts das Reifezeugnis und zwar in 16 Fällen mit dem Prädikat gut, in 4 Fällen mit dem Prädikat sehr gut. Aus dem Gebiet der Pädagogik waren folgende Aufgaben zu bearbeiten, die von der Regierung von Unterfranken gestellt wurden: 1. Erziehungs- und Bildungslehre: a) Unterrichten und bilden und erziehen. Welche Folgerungen ergeben sich daraus für die Volksschule? b) Pflichtbewußtsein und Pflichterfüllung sind unentbehrliche Forderungen jeder Erziehung. 2. Unterrichtslehre: aX Der Unterricht im 1. Schülerjalirgang ist als Gesamtunterricht zu erteilen. Diese Forderung ist seelenkundlich zu begründen; Unter Anführung von Beispielen ist zu zeigen, wie diese Lehrplanforderung durchgeführt werden kann. b) Der Grundsatz der Selbständigkeit im naturkundlichen Unterricht der Volksschule. 3. Geschichte der Pädagogik: -a) Rousseaus Ansichten übet die Gestaltung des Unterrichts sind darzulegen und nach ihrem praktischen Wert zu beurteilen. b) Es ist darzulegen, welche Strömungen die Arheitsschulbewegung ausgelöst und welche Pädagogen auf ihre praktische Formung einen bestimmenden Einfluß gewoniu*n haben. Fortbildungslebrgang für Lehrer an Jüdischen Volkschulen Während der Weilmachtsferien fand in der Jüdischen Bezirksschule in Bad Nauheim mit Unterstützung der Schulahtcilung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens, sowie unter Mitwirkung der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung bei der Reichsvertretung ein Fortbildungslehrgang für Lehrer an jüdischen Volksschulen statt. \ Herr Rabbiner, Dr. S. Levy-Mainz eröffnete den Lehrgang und begrüßte mit warnten Worten die erschienenen Teilnehmer. Der Studienplan umfaßte folgende Gegenstände: I. Pädagogik Prof. Dr. Curt Bondy-Groß-Breesen erörterte Grundfragen der Erziehung. Unter besonderer Berücksichtigung seiner praktischen Erfahrungen auf dem Auswandererlehrgut Groß-Breesen zeigte er Wege der Erziehung zur manuellen Arbeit. Der jüdische Lehrer habe .heute nicht nur die Aufgabe, Wissen zu vermitteln, sondern er habe auch eine Erziehungsaufgabe zu übernehmen, die früher den Eltern, Bund usW. oblag. Uber Fragen der Minderheiten — Umschichtungs- und Auswanderer-Erziehung sprach Prof. Dr. Ernst Kantorovicz-Frankfurt ai* Main. Er wies u. a. darauf hin, daß die Bildungs- und Erziehungsprfthleiiiatilf ripr Jndpn in Deutschland dadurch bestimmt ist, daß Bildung und Erziehung an einer Jugend zu leisten ist. welche vor der Auswanderung oder.vor der Umschichtung steht. Bildung der formalen Fälligkeiten ist deshalb heute eine der Hauptaufgaben der Erziehung. Herr Schulleiter Karl Bettmaiui-Bad Nauheim sprach über Sonderfragen der Internatserziehung. Er gab einen Uberblick über die

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