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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1938-03-15 · 6 (15.3.1938) · p. Seite 81

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
14 (Ausgabe A) (1938)
Issue
6 (15.3.1938)
Date
1938-03-15
Page
Seite 81 (sequence 1)
Language
German
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Jüdischei Gemeindeblatt für den Verband der Multasgemeinden in Bayern und die KoltuHgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Wiirzburg An»fabe A t Allgemeine Autgabe, Bezugspreis RM>6o im Vierteljahr, RM. 2.40 für das Jahr Anigabe B: Mit dem Beiblatt für Würzburg und Umgebung. Bezugspreis RM. 1.50 im Vierteljahr, RM. 6.— für das Jahr. Erscheint am 1, und 15. jeden Monats. JJ«»u««?berj^e*b^ndBayer. Israel. Gemeinden / Verlag B. Heller, München, Plinganserstr. 647TeK75T65rPostscheck MUntueu 398/ / Auteigen naoh Tarif. Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda betr. Überwachung der geistig und kulturell tatigen Juden im deutschen Reichsgebiet. XIV. Jahrgang München, 15. Marx 1938 Nr. 6 Inhalt: Das Wunder — Vorbericht über die drei Grundlagen jüdischer Eigenbildung — Verband bayer. israelitischer Gemeinden — Aus der Gemeinde München — Staatszionistische Organisation — Aus der Gemeinde Hamberg — Aus bayer. Gemeinden — Jüdischer Turn- und Sportverein München e. V. „Jtus" — Jüdischer Kulturbund in.Bayern — Mitteilungen des jüd. Lehrervereins für Bayern. Das Wunder Hin kurzer Traktat anstelle einer Purimhetraclitung Von Rabbiner Dr. Mix Kalten (Bamberg) Aui das, was als Wunder sich darbietet, antwortet im Menschen eine Erregung, in deren Tiefe eine Frage und ein Ausruf sich verbirgt. Die Elemente der Frage und des Ausrufs, in der Wurzelschicht noch in eins verwoben, die so zur Anerkennung des Tatbestandes eines Wunders drängen, sind nicht mengenhaft geschieden noch mengenhaft scheidbar. In dem gefragten „Ist's möglich?" hallt das Echo der Seelenbeschwer nach, die angestrengt die Möglichkeiten der Menschenhilfe abgehend, zu einem unvorstellbaren Grade der Verwirrung hinaufgeschraubt wurde. Im ausrufenden „Heil ist geschehen" werden alle diese Kämpfe von einer höheren Erkenntnis überholt, wird menschliche Tatkraft ausgespannt und auf eine Art zur Ruhe gesetzt, daß sie sich über das lächerlich Unzulängliche ihres Bemühens Gedanken machen kann. In der ' Ligenartigen Vermischung von Frage und Ausruf, die dem Wundergeschehen antworten, kann der Ausruf, der doch weiter nichts ist als das laut sich vorgesagte Innewerden einer ganz anderen Lösung als die, auf welche' das Denken eingestellt war, so sehr den Ton auf sich ziehen, daß er zur Melodie, zum Lied, zum Hymnus wird, die über alles Fragende hinwegschwellen, es ertrinken lassen. Und wiederum kann dieses sich so sehr behaupten, daß es -dem Ausruf Widerstand leistet und zum Zweifel wird, als Zweifel schlechthin an der Durchlässigkeit der Dingwelt für eine Geschehensbewegung von einer anderen, unerkennbaren Seite her nicht von seinem Platze weicht. Das Wunder ist eine andere Form der Rede, mit der die Allmacht zur Welt liinspricht. Es ist darum solange als Wunder verstanden worden, als überhaupt die Sprache Gottes von Menschen verstanden wurde. Die Sprache Gottes, das ist nicht das in und um ihn, was er als Sprache Gottes deutet, sondern das. was vom anderen Ende auf ihn zukommt, ihn anrennt, gleich einem vollen Strom, umreißt und in seine Strombahn nimmt. Als die Sprache Gottes als die willenhafte Menschenleukung nicht mehr vernommen wurde, als ihr Eigen-Sinn des richtunggebenden Befehlswortes undeutlich wurde, ging aueh vom Wunder die klare Bestimmtheit ab, in der es von seinein Begriffsursprung stand. Verengerte sich nach dem Verlöschen der prophetischen Erschlossenheit die „Laststimme" zum dünnen Rinnsal der Bath Kol, „der Hallstimme", so fiel auch vom Wunder der großartige Charakter einer öffentlichen Entscheidung ab, und es verkroch sich m die private Sphäre, nicht sowohl die Kraft Gottes bezeugend als die Richtigkeit einer Ansicht im Gelehrtenstreit ila< AnMem-rei iit-n. Weg-sein eines Frommen, und so aufgelöst .und verdünnt im Filigran der legendarischen Anekdote. Sollte die Sprache Gottes in der Menschenbrust nicht mehr bedeuten als eine Gefühlserhebung. ein Hingerissensein zum Göttlichen oder die Stimme des Gewissens, so konnte auch die feite Umrandung.xdie dem Wunder bisher gesetzt war, sich nicht bewahren. Sein strenger Sinn verlor sich immer mehr im uneigentlichen des Wunderbaren. Vielleicht hat das «jer Talmud im Auge, wenn er sagt: Esther ist der Abschluß aller Wunder (Jörn. 29a). In der glückhaften Beilegung von geschichtlichen Krisen des Judentums ist fortan nur vom Wunderbaren, nicht vom Wunder zu sprechen. Verschiedenartig ist das innere Ziel dessen, was ein Wunder heißt. Im einen Fall ist die Zweckbeziehüng auf Gott die stärkere, im anderen auf den Menschen. Bei den großen Geschichtswundern handelt es sich darum, daß Menschen in Not geholfen wird. Bei anderen ist es darauf abgesehen, daß das göttliche Wesen selbst in seiner Kraft und Wahrheit oder eine von ihm gesandte Person im Recht ihres Führeranspruchs erkannt wird. Von der Höhe kann das Wur"ler gespendet werden als ein freies Zeichen göttlicher Barmherzigkeit, oder von unten verlangt werden als das. worin sich die Gottheit über ihr Vermögen ausweist, zu helfen und" abzuwehren und zu gewünschter Zeit die schützende Kraft bereit zu halten. Das Verlangen nach einem Wunderzeichen nennt die Schrift;,Gott versuchen, aui die Probe stellen". Das experimentierende „Wir wollen zusehen, ob Er in unserer Mitte ist oder nicht" (Ex 17t) ist in seiner heidnischen Alternative verwandt dem riskierenden „es .einmal mit der' Gottheit probieren". Ks Heg! Sonntag, den 27. März 1938, 20 Uhr in der Synagoge Vorführung des Films „SCHAFFENDER WILLE at \ Einleitender Vortrag des Herrn Präsidenten der Reichsvertretung Rahbiner Dr. Baeck, Berlin

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