Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1938
- Issue
- 2 (15.2.1938)
- Date
- 1938-02-15
- Page
- Seite 4 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9934493-9934244-9934193--480-3770744- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Mitteilungeo des Jüdischen Lehrerverejns für Bayern Nr. 2 konnten die beiden Leiter dieser Arbeitsgemeinschaft, welch« über die Verhältnisse in den Großgemeinden berichteten, bestätigt erhalten. Übereinstimmend wurde festgestellt. daß ein nennenswerter Unterschied zwischen den Jugendlichen in der Stadt und auf dem Lande nicht bestehe. Es wurde untersucht, ob der . Bund in seiner gegenwärtigen Lebinsform der Juxend noch ein wahres Bedürfnis darstelle, oder ob die Schule ein bestehendes Manko durch geeignetere Maßnahmen noch auszugleichen hätte, um die schön leise gewordene Begeisterung zumindest nicht weiter schwinden zu lassen. Die Erweckung von Begeisterung sei eben- . so wichtig wie die Berufsausbildung. Beide würden sich gegenseitig bedingen, seien Angelpunkte der Gestaltung jüdischer Zukunft. --•--—-1--- Franz Rosenzweigs Lehrplan für den Jüdischen Religionsunterricht In einem Briefe an Hermann Cohen, Zeit ists... Gedanken über das jüdische Bildung sp rob 1 e m des Augenblicks' hatte Franz Ros.enzweig im Jahre 1917, als er sich im Felde befand, in Mazedonien (abgedruckt in dem bei Schocken soeben erschienenen Buche '.Kleinere Schriften'von Franz Rosenzweig, bereits veröffentlicht im Vorlag der Neuen Jüdischen Monatshefte Ende 19L7, 2. Aufl. 1918. sowie in Rosenzweigs Buche ,Z we i s tTd mj a nd' 1926) die Leitsätze formuliert, die einem Lehrplan für den jüdischen Religionsunterrirhj an den Höheren Schulen zu Gjnp<ty liegen sollten. J2er_l Herr Direktor Adler gab wertvolle Anregungen zur Pflege guter Schulmusik und Gestaltung von Feiern und Onegim. An Hand der Kantone „Hine lo janum". „Wacht auf" sowie des Liedes für Chamischa asar bischwat „K'hal gannanim"^ u. a. wurden theoretische und praktische Erläuterungen gegeben. Der Leiter des Schullandheims Dr. Rosenthal widmete eine Stunde des Schabbat-Nachmittags einem Bericht über Zweck und Aufgabe des Heimes und die bisher' gemachten Erfahrungen. Ein Spaziergang durch die verschneiten Gefilde der Voralb zum ..Blau topf" in Blaubeuren, einer Juraquelle mit grünschillerndem Wasser, erfüllte den Wunsch mehrerer Herren, die frische, kräftige Luft der Schwäbischen Alb etwas ausgiebiger genießen zu dürfen. So bildete dieser kleine Ausflug eine geeignete Ergänzung zu der Fülle von Themen und Gesprächsstoffen, welche die Stunden manchmal so kurz erscheinen ließen. Der dadurch entstandene Eindruck des Unvollständigen man konnte oft über Feststellunguen nicht hinauskommen — wäre bei einem günstigeren Termin der Tagung nicht entstanden, wiewohl wir auch im übrigen hoch befriedigt sein konnten. \ Sonderfahrt für Lehrer nach Erez Im Monat August soll eine zweite Sonderfahrt für Lehrer nach Palästina unternommen werden. Es kommen nur Damen und Herren in Frage, die im Schuldienst stehen. Meldungen sind zu richten ah den Redakteur der Jüdischen Schulzeitung. Herrn Dr. Siegfried Braun. Köln-Sülz, Unkeler Str. 17. Vereinsmitteilungen — I. V e r w a 11 u n g s s i t z u n g : Am 16. Januar fand in Würzburg eine Sitzung der Verwaltung statt. Gegenstand der Besprechung waren allgemeine Schulfragen und Standesangelegenheiten. Besonders eingehend wurden Fragen des Lehrplanes behandelt. -. Vereins beitrage. In der—Veiwallungssitzung—wurde der Vereinsbeitrag für 1938 für aktive Mitglieder in Bayern auf Hl RM. für pensionierte und Mitglieder außerhalb Bayerns auf 8 RM. festgesetzt. Die bisherigen Ermäßigungen für Junglehrer bleiben bestehen. Wir machen unsere Mitglieder auf § 9 umserer Satzungen aufmerksam, wonach der Vereinsbeitrag im Januar fällig Ist. Der Beitrag kann aber auch-in zwei Raten (die zweite.Rate bis 1. Juli!) bezahlt werden. Wir bitten die Kollegen dringend ihrer Beitragspfl'cht pünktlichst nachzukommen. (Postscheckkonto: Nürnberg 6479.) \ SL Fortbildungskurs, Es ist beabsichtigt, auch in diesem Jahre einen Fortbildungskurs in Würzbufg abzuhalten'. Wünsche und Anregungen für die Ausgestaltung dieses Kurses sind baldmöglichst der Vereitisleiturtg zu unterbreiten. 4. Personalien. N e u a u f n a h me : Sigmund Margulies. Schulamtsbewerber in München. Austritte wegen Auswanderung: Max Katz, bisher Nürnberg: Emil Zielinsky. früher Waisenhausdirektor in Emden. Kollege Katz ist bereits nach U.S.A. ausgewandert, KollSge Zielinsky beabsichtigt, demnächst nach Holland überzusiedeln. Wir wünschen den beiden Vereinsmitgliedern auch an dieser Stelle alles Gute auf ihrem weiteren Lebensweg! . - Lehrplan weist zuweilen die Züge des Utopischen. Unausführbaren auf. (Rosenzweig schlägt z. B. vor„ ,daß Schüler der sechsten Klasse in das Original des babylonischen Talmuds eingeführt werden sollen. Die bisher erreichte Sicherheit im Hebräischen würde es erlauben, die sprachliche Eigenart des talmudischen Aramäisch als .Abweichungen vom Hebräischen' sehr kurz zu behandeln.) Aber dessenungeachtet begegnen wir in iRosenzweigs Leitsätzen auch Forderungen, die auch'heute für den Religionsunterricht und zwar nicht etwa nur an den Höheren Schulen, sondern auch an den Volksschulen und besonders an. den Jüdischen Volksschulen in Frage kommen und auf allgemeine Zustimmung rechnen können, weil sie zum eisernen Bestände unserer Lehrpläne heute gehören, z. B. wenn Rosenzweig vorschlägt, daß'der jüdische Kalender das Rückgrat des Religionsunterrichts sein müsse. Indem das Kind in die jüdische Woche und 'das Jüdische Festjahr eingeführt wird, kann ihm hier anschließend effle Reihe der wichtigsten kultischen Gebräuche erklärt werdenund wieder im unmittelbaren Anschluß an diese eine Darstellung der biblischen Geschichte in ganz frei. ans. Schrift und Aggada geschöpften Einzelbildern folgen. Was die Pessachhaggada in der Zeit ihrer Entstehung geleistet haben muß, das oder etwas Ähnliches,hat hier der Lehrer im Zusammenhang der Behandlung des Saobati' und der Festtage .zu 'geben.' (S. 59.) . '.- ■'iii Sehr bemerkenswert ist auch dfe Ansicht Rosenzweigs (ihre Bedeutung wird gewiß heute eher begriffen als vor zwei Jahrzehnten, als sie von Rosenzweig ausgesprochen wurde), daß es sinnlos und zweckwidrig wäre, jüdischen Kindern die Kernsprüche ihres Glaubens* in deutscher Übersetzurfg, ins Leben mitgeben zu wollen. ,An der Sprache hängt der Sinn;, und es ist .wahrhaftig eine Untersohätzung der Innigkeit., mit, dter sich Christentum und deutsche Sprache seit Luther und1 lärJgeT' schon vermählt haben, wenn man glaubt, iüdische Inhalte/In deutscher Sprache ohne fremdgläubigen Beiklang mitteilen m können. Am schlimmsten, wenn gar das Gedächtnis systematisch mit? solchem Aufguß ,vollgefüllt wird: es ist wirklich nicht schwerer, einen Psalm im ur- München. den Kl. Februar 1938. M. Rosenfeld: M. Adler. sprüngrichen. Wortlaut einem frischen unbelasteten Kindergedächtnis einzuprägen als in dem meist nöjat dazu recht fragwürdigen .Deutsch' der gegenwärtig zu diesem Zweck bei uns beliebten Übersetzungen.' (S. 61 f.) . ' ] Einmütige Zustimmung findet gewjß' auch die Fordernug Rosenzweigs, daß dem Schüler besonders, wenn'der Zeitpunkt der Barmizwah in Sicht kommt. Gelegenheit gegeben werden soll, regelmäßig am sabbatüohen Gottesdienst teilzunehmen. Rosenzweig setzt sich 'sehr dafür ein. daß die Kinder o>n Gemeinde gottesdienst besuchen, weilem künstlich zurechtgemachter .Jugendgottesdienst' gerade das, worauf es ankommt, die Einführung in das Leben der Gemeinde, nicht leistet. (S.' 63.) Rosenzweig erörtert in diesem Zu*amn\enhange auch die Frage, die heute Oft erörtert wird welche Aussprache de»»Hebräischen im Religionsunterricht zur Anwendung kommen soll, und entscheidet sich füt die aschkenasische. weij es sich bei dem nahen Zusammenhange zwischen Unterricht und .Synaeoee ganz von seihst verstehen würde, daß die Aus.^rache'iwes'Hebräischen. die im Unterricht eingeht wird, sich nachder* Synagoge richtet Nur dann kann jenes.Gefühl des Heimischseins 'entstehen, aus dem das Bewußtsein des Besitzes einer jüdischen^Welt entspringt.' (S. 63) Diese wenigen Hinweise werden wohl -schon erkennen lassen, daß die von Rosenzweig bereits .vor/zwei Jahrzehnten niedergeschriebenen pädagogischen Leitsätze bei der Erörterung des jüdischen Bildungsproblems unseren Tage ,nluhf unberücksichtigt bleiben dürfen. -. , . '' '• Rabbiner Dr. Emst Ste'ck'efrnacher. Ludwisghafen a. Rh. -r I 11 i ■ Mir den initaJt der „MttteU'unKen" verantwortlich: Max Adler, München