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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1938-02-15 · 2 (15.2.1938) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1938
Issue
2 (15.2.1938)
Date
1938-02-15
Page
Seite 3 (sequence 1)
Language
German
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immeilungen Des luDtfrtjfn feljreroereina für flapern 1938 Schriftleitung: Max Adler, München München, 15. Februar 1938 Nr. 2 Kunstbetrachtang Von Siegfried Ziegler. München (Fortsetzung) Tolstoi sagt einmal auf einem Spaziergang durch sein Heimatdorf zu einem Freund, mit dem er sich gerade Uber die höchsten Kunstschöpfungen der Menschheit unterhalten hat: „Siehst Du, dort geht Petruschka, vor 6 Wochen ist ihr Iwanoff an Schwindsucht gestorben, 14 Tag« später hat man ihren Mann nach Sibirien verschickt — was wird Ihrer armen Seele noch die 9. Symphonie von Beethoven sagen können?" — v , Kunstbetrachtung und Kunsterlebnis setzt eine innere Ruhe, Geordnetheit, ein Ausschaltenkönnen irgendwelcher erdenschwerer Ereignisse voraus. Ein echter Kunstgenuß erfordert gründlichste Vorbereitung. Wenn wir daraufhin unsere jahrtausendalte jüdische Geschichte anschauen, wie viele Ruhepole sind uns schon in diesem Lauf der Zeiten beschieden gewesen, wieviele Epochen einer Seßhaftigkeit von wirklich ausreichender Dauer zur Verfügung gestanden, große bildhafte Kunstwerke oder Architekturen zu formen? Waren wir nicht direkt dazu verurteilt — nein, auserkoren, unsere Bildwerke nur geistig zu gestalten. Aber weil wir sie geistig gestalten gelernt haben, haben wir uns oft in demselben überirdischen Leid, in dem der Künstler schuf, vorbereitet, seine Werke zu betrachten, und sie in ihrer Tiefe zu ergründen. Wenn es sich dabei auch um Taten handelt, die von Großen anderer, ruhigerer Regionen stammen, wir dürfen es aussprechen und stolz darauf sein: Wir waren oft die Förderer und Anreger solcher Schöpfungen. Keinen Geringeren als Rembrandt hat das Alte Testament zu über 900 unsterblichen Werkeh angeregt, seine graphischen Blätter eingeschlossen. Und welche überwältigende Sprache reden die Monumentalfiguren „Moses und David" eines Michelangelo! Gar nicht zu sprechen von seinen Fresken in der Sixtina. Kaum ein Großer im Reich der Künste ist nicht Von irgend einem Werk -der Bibel zu edler Tat begeistert worden. %' \ ' r Bildbesprechungen _ » Moses, von Mich e 1 a n g e 1 o ist eine der vielen Figuren, die die Kirche St.Pietro Vincoli schmückt. Mit welcher gewaltigen Auffassunghat dieser größte bildende Künstler es verstanden, diesen Heros und Schöpfer jüdischer Gesetzeslehre der Nachwelt als ewiges SinrfbiM z>u erhalten. Es ist schwer, ja fast unmöglich, einer solchen Rundplastik in der Photographie nur einigermaßen näherzukommen; denn das Lebendige der Form windl eben nur durch die plastisoUe^Wirkung erzielt. Man erzählt, Michelangelo war so verbohrt in ^^Artoeit dieses grandiosen Werkes, daß er am Ende seiner Arbeiten einer Extase seinen Meissel gegen die Figur geschleudert und sie angeschrien haben soll: so 1 eb d>o ch! Diese suggestive Kra/ft überkommt uns, wenn wir vor diesem Vater unserer ureigensten Geschichte stehen. Wir vergessen in diesem Eindruck verständlicher Weise uns nur mit sachlichen Details zu befassen; «her der gewaltige Ausdruck dieses Kopfes, dieser Arme und Hände, dieser' machtvollen Harmonie und Geschlossenheit des Körperbaues wird jedem unvergeßlich bleiben, der Gelegenheit hatte, diese Momimentalstatue im Original zu sehen. Rembrandt — Die O p f e r u n r Isaaks Wie nahe'lag da die Gefahr, daß Refrtbrandt den alten Vater, der sein eigenes und einziges Kind töten soll, entweder zu rührselig und gar zu gewalttätig auffaßte. Aber dieser selten kläre Geist sah die vielverschlungenen Probleme in guter Ordnung und wählte eine Darstellung, die ihm erlaubt, das Gräßliche des Opfers anz unverhohlen zu zeigen und doch genügend versöhnende Motive aus der biblischen Eraihlung selbst beizubringen, so daß das Grauen der Szene sich in künstlerische Harmonie auflösen konnte. Der alte Mann drückt dem geliebten Kind mit scheinbar brutaler Hand das Gesicht zurück, um mit dem scharfen Dolchmesser den schönen Hals auf einen Schlaig zu durchschneiden. Aber diese Bewegung der Hand ist doch auch im tiefsten Sinn mitleidsvoll: Sie verdekt dem Vater das Antlitz seines Sohnes und erspart es ihm, das angstvolle und brechende Auge M sehen. Anschließend hieran eine kleine Federzeichnung, die in frappierend knappen Strichen eine erste Inspiration Rembrandts zu dem-- Thema „Haman-b+tte t Esther um Unade" zeigt. An den erstaunlich knappen Linien erkennt man schon den Ausdruck der Personen und den -ganzen Aufbau des Bildwerkes. Ein Temperamet und eine Sicherheit im Strich, wie wir sie kaum bei einem anderen Maler erleben. -Wie gegensätzlich wirkt dagegen der Vortrag eines,Dürer. Wie beherrscht sind da die Linien der einzelnen Gesichtspartiell verfolgt und mit welcher minutiösen Hartnäckigkeit die einzelnen Haarpartien des ausgezeichneten Porträts des „Hieronymus H o 1 z s c h u h e r" Betrachten wir doch nur die Glanzlichter in den Augenpupitlen und ihrer Iris. Die Spiegelung der Fenster ist da mit einer solchen Genauigkeit beobachtet, und in einer Schärfe wiedergegeben, daß es einem fast schwindlig wird, wenn man in diesen Augenausdruck länger hineinschaut. Und es geschah ja auch, daß dem im Besitz der Münchener Pinakothek befindlichen, hervorragenden Selbst- > porträl Dürers aus dem Jahre 1500 von einer geistesgestörten Betrachterin mit dem Messer die Augen, die sie verfolgt haben sollen, ausgestochen worden sind. (Fortsetzung folgt.) Von derHerrlinger Lehrertagung In 'der letzten Nummer unserer „Mitteilungen" brachten wir einen kurzen Bericht über die HerrKnger Fortbildungstagung., Wir stellten einen zweiten Bericht in Aussicht. Auf unser Ersuchen stellte uns Kollege Leopold Rose in Hörstein die folgenden Ausführungen über das Randprogramm zur Verfügung. Auch diese Arbeit mußten wir aus räumlichen Gründen wesentlich kürzen. Trotzdem glauben wir. daß »ich unsere Leser aus den beiden Berichten ein -BiW von der vielfältigen und fruchtbaren Arbeit 1n Herrhngin machen können. (Die Schriftleitung.) Die Freizeit der HerrÜnger Tagung, insbesondere die Abende, standen einmal unter dem Zeichen eines lebhaften Meinungsaustausches über die brennendsten Fragen der Gegenwart und die Erfahrungen innert"th 'H»« Sdmlbllfk» "'■»! nippa «H^hf nur mehr oder weniger an der Peripherie der" Schule liegen. Ein Abend war der Besprechung einer Reihe in den letzten Jahren erschienener Bücher gewidmet, um ihre Brauchbarkeit für die Hand des Lehrers, bezw. des Schülers zu prüfen. Die Aussprache über Fragen der Cbaraktereraiehung (Referent: Dr. Schärfer. Breslau) wurde wirksam ergänzt durch eine AuseinandersetzuiK über die Frage nach der Existenzberechtigung des Bundes im allgemeinen, unter Berücksichtigung der derzeitigen Verhältnisse. Die Arbeitsgemeinschaft zu den Fragen der Berufsausbildung (Referentr Hans Gärtner. Berlin) wurde in die obengenannte miteinbezogen. — Daß die Zeitverhältnisse in> negativer Hinsicht wesentlich mitbedingend an der imicren Haltung unserer Jugetnl sind. Jüdische Lehrerbildungsanstalt Wttrzburg Das Schuljahr 1938/39 beginnt am 2h. April. Schüler mit 7]ährigem Schulbesuch können in die unterste. Schüler mit mittlerer Reife in die entsprechenden mittleren] Abiturienten in die vorletzte Klasse eintreten. <, s. Das Abschlußexaincn .der oberstem Klasse berechtigt zji'r Anstellung als Volksschullehrcr an jüdischen Schulen; der erfolgreiche Abschluß der 3 unteren Klassen führt zur mittleren Reife: Ab Schuljahr 38/39 tritt eine Vennehrung'und Intensivierung des fremdsprachlichen Unterrichtes (Iwrith. Englisch. Spanisch) ein. j —i—..— Meldungen und Anfragen an das Direktorat.

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