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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1938-02-15 · 4 (15.2.1938) · p. Seite 51

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
14 (Ausgabe A) (1938)
Issue
4 (15.2.1938)
Date
1938-02-15
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 4 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern 51 III. Jugendbünde und Einzelwege Bei der Berliner Tagung des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände am 7. und 8. Februar 1938 waren Erziehungs- , fragen und das Problem der Berufsausbildung und Wanderung die Gegenstände der Tagesordnung und der Hauptreferat« (Dr. Georg Josephthal und Dr. Paul Eppstein). Die Meinungen standen sich oft scharf »gegenüber. Die Frage, ob das Ende der Bünde gekommen und wie tiefgreifend, wie weit selbstverschuldet und auf welche Weise behebbar die Krise der Bunde sei, diese Frage wurde bei der Tagung inaoh allen Seiten erörtert. Die außerordentliche Be-_ deutung einer gediegenen Berufsausbildung, hinter der alle anderen Fragen zurückstehen müssen, -ist -da~bei wieder zutage getreten. Der erklärliche Bildungsmangel unter den Jüngeren und Mittleren -i-41ettrt"^meoft besprochene ernste Sorge. Das Hauptproblem, zu dem die Aussprache wieder zurückfand, war die Frage nach dem Schicksal und der „Erfassung" der nicht" bündiisoh organisierten Jugend. In den Großgemerinden steht eine unverhältnismäßig große Zahl aller Jugendlicher außerhalb der Jugendbewegung. Für die Mehrzahl unserer schulentwachsenen Jugend gibt es kein jüdisches Erziehungsmittel neben den Bünden. Da alle diese jungen Menschen zukünftige Auswanderer sind und . im Ausland noch weit stärker als hier dem Judentum verloren zu gehen drohen, ist es eine berechtigte Forderung,»in verstärktem Maß die Jugend unseren Bünden zuzuführen oder sie durch andere Mittel zusammenzuhalten. Die Ansichten über Möglichkeiten und Erfolgsaussichten der Maßnahmen für die Jugend außerhalb der Bünde gingen bei den Rednern stark auseinander. Zu all den Schwierigkeiten, die einer stärkeren Erfassung in deu Bünden entgegenstehen, 'kommt, daß heute alle Bünde (neben den'gesetzestreuen) zionistisch sind. Die Tateache, daß nach der gegenwärtigen Auswanderungslage nur ein kleiner Teil unserer Jugend nach Palästina gehen kann, erschwert außerdem die Ausdehnung der Jugendbünde. Daß dies verhängnisvoll - ist und eine charaktervolle bewußt jüdische Gesinnung als jüdischer Halt auch den Übersee-Auswanderern not täte, muß klar gesehen werden: darum wurde mit Recht der chaluzische Anspruch als einziger postuliert, der eine ungebrochene und sinnvolle Lösung der Fragen des Einzelnen und der Gemeinschaft zu sein beanspruchen' darf. Allgemein wurde jedenfalls die Aufgabe als brennend empfunden, die unorganisierte Jugend nicht weiter unbetreut ziellos ihren Weg neben den Bünden gehen zu lassen. Das ergab die vielsründige Aussprache der Tagung. In diesen Aufgabenkreis will der Reichsausschuß auch die Betreuung der Kleingemeinden und der Schützlinge der Jugendämter einbezogen haben. Eines wurde in der Arbeitstagung ganz'deutlich: Wenn die Leistungen der jüdischen Jugendbewegung nicht hoch'mehr Jugendliche umfassen komiten, so waren daran auch die wirtschaftliichen_3esohfänknTlgejr_Q^ Gruppen schuld. Bei derallgejnein-iüdts^h^rrB^eutung der Bünde ist ihre StüJzjnig--«H»e^Jf!S»tJich-jüdische Aufgabe, deren Wichtigemeinden noch nicht allgemein anerkannt habere. Die Zahlen, die Dr. Paul Eppstein in seinem Bericht gab. geben am meisten zu denken: 3500 junge jüdische Menschen stehen in der Berufsausbildung, dazu kommen 800 aus Auslandshachschara; 1500 stehen in landwirtschaftlicher und 700 in handwerklicher KollektivausbildungT^t^pO befinden sich in Einzelausbildung. Diese 4500 stehen in einer Gesamtzahl von etwa 75 000 Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren. 90 Erozent der jüdischen Jugend gehen Wege außerhalb der gemeinschaftlichen Ausbildungsarbeit. — es sind Einzelwege. Der erschütternde, aber immer sachliche und wahrheitsgetreue Bericht von Günter Friedender „Jüdische Jugend zwischen gestern und morgen" (Vortrupp-Verlag, Berlin 1938) ergänzt die Berliner Betatungen: Der verengte jüdische Raum, die Begegnung des Jugendlichen mit Gemeinde und .Synagoge, das Elternhaus, die Bünde., die Einzelwege, die Jugend ohne Zukunft und ohne Vergangenheit, ohne Heimat und Vaterland, ohne Glauben und Hoffnung, all das wird hier phrasenlos beim Namen genannt, damit das Schlimme noch zum Guten gewandt werden kann und das Gefährlichste, die Selbsttäuschung, vermieden wird. .... "T) H/^/^/^Z^/^/^/^/^/^/^/^/^/^/^/^/^/^/^/^/^O Ein Schiff fährt ans ... Ein Schiff fährt aus im fahlen Morgengrauen UndJ^sshen^M*hnant^fttTf~sTfnn und schauen Den sanft Entgleitenden mit Wehmut nach Indessen, an die Ferne schon gebunden, (llühn jene noch vom Aufruhr der Sekunden, Da ein geliebter Mund den Abschied sprach. Hinüber wehn, herüber gehn die Zeichen, Wie weiße Vögel, die einander gleichen, lind Rufe flattern bang vom Du :um Du — Inzwischen aber ist auf sanften Wogen Das Schilf im Nebel lautlos fortgezogen. Dem Ziel der utiheVimnten Küste zu. Vnd immer ferner zieht es seine Kreise, Vnd immer leiser wird's, und geislerleise Schwebt es hinaus ins offene Weltenmeer Die Vielen aber, die am Ufer stehen. . Sehn es erlöschen und hinübergehen. Ein Hauch, ein Nichts.....Vnd ihre Welt ward leer. Edith I.. Meger. li'Vz^/^/'^^/^/'^/^/^V Aus der Gemeinde München Am Mittwoch, den 16. Febiua.r abends 9K Uhr, beginnt der Lehrkurs von Herrn Dr. Alfred Perlmutter Uber „Geschichte der englischen Kolonialpolitik" (Sitzungssaal). Die Mittwochkurse von Herrn Dr. Benno Silberschmidt über ..Hauptstönnungen der modernen Philosophie" beginnen erst wieder nach Rückkehr des Vortragenden und werden noch besonders angekündigt.. . Vortrag Dr. Arthur Prinz Der angekündigte Vortrag von Herrn Dr. Arthur Pri_nz- Berlin über das Auswanderungsproblem der Juden in Dmtschland findet Samstag, den 19. Februar, abends VK9 Uhr im ltus-Saal, P^inganserstr. 76, Ecke Johann-Clanze-Str. (Linie 8 und 28) statt'." Der Redner, der als .der beste Sachkenner gilt, wird außer der jüdischen Auswanderungsfrage in Deutschland (Zielländer u. ihre Aufnahmefähigkeit — Zukunftsaussichten etc.) auch Ost- und Zentraleuropa sowie die Frage der Erschließung neuer Länder und der gegenwärtigen Einwanderungsmöglichkeiteii in Palästina und in Ubersee behandeln. — Eintritt frei! Deine tägliche 5-PlennIg-Spende schafft jüdisches Nationalvermögen — erlöst Boden in Erez Jsrael Jetzt 2. Büchsenleerung des KKL. Jüdischer Nationalfonds e.V. Sekretariat München, Schlosserstrasse 2

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