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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1938-01-15 · 2 (15.1.1938) · p. Seite 18

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
14 (Ausgabe A) (1938)
Issue
2 (15.1.1938)
Date
1938-01-15
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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18 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern dem Buchstaben nach, sie zeigen den Wert, den ein natürlich denkender, gesund fühlender Jude gehen muß. Religion. Volkstum und soziale Gerechtigkeit bilden eine unzerstörbare Einheit* und diese Einheit ist der Lebensgedanke der Judenheit für alle Zeiten.,.------" ___—-—-■ ■ y —rülese Linie weiser Volksführung führt auch zur Sittlichkeit. Ein Staat kann nur gesund sein, wenn die Grundzüge der Sittlichkeit ihn vor Verfall und Entartung schützen. Die Freiheit, die der Mensch als Lebenselement braucht, darf nicht mißhraucfit werden für zerstörende sittliche Fäulnis. Die Zügellosigkeit ist die Karikatur der Freiheit, der Hemmungslose ist Sklave seiner Triebe. Wie die Reinlichkeit und die hygienische Gesundheit des Gemeinwesens die Reinlichkeit jedes Einzelnen bedingt, so kann auch die innere Reinlichkeit, die Sittlichkeit, nur gewahrt bleiben, wenn die einzelnen Glieder sittlich sind. Entartung und Zügellosigkeit müssen vom Volke ferngehalten werden. Die Familie, die Wurzel des Gemeinschaftslebens, muß rein und gesund erhalten bleiben. Eheschließung und Scheidung waren im alten Judentum leicht durchführbar, und gerade da Juden neigen dazu, ihren Eigenwillen bis ins Kleinste durchzusetzen. Sie gehorchen nicht blindlings. Nur wo die Weltanschauung in einer Autorität verkörpert ist, wo Glauben und Zutrauen aus einer großen Persönlichkeit fließen, da beugen sie sich — nicht sklavisch, sondern in aufrichtiger Verehrung. (Beispiele dafür gibt es genug in der alten und jüngsten Geschichte.) Hier scheint der Schlüssel zur Lösung des Problems zu ruhen. Der Staat darf nicht inquisatorisch in die Seelengeheimnisse des Individuums eindringen-,' er darf nicht versuchen, Überzeugungen zu. vernichten und' Heuchelei zu erzeugen, wohl aber kann und soll er erzieherisch dem Individualismus Grenzen setzen durch Ausbildung der Erkenntnis vom Werte des Volkes, durch die Hebung der Überzeugung von der Notwendigkeit der Rücksichtnahme am den Nachbar, auf die Gesamtheit. Der Staat wird durch Belehrung, nicht durch Zwang, den Bürger dahin bringen, daß er freiwillig auf manches verzichtet, was Unangenehmes hervorzurufen geeignet ist. Er wird äber auf der anderen Seite den Menschen zur Toleranz^ erziehen, d. h. zum Bewußtsein, daß auch der Aridere das Rech^ SeHSSclTS^te vTd^SMrtSr^ JCIIIU tmntkt.mtM«ten Überzeugung zu folgen und daß :duuJSSS^fSÄ&üStaS A""ic"« a"derer "id,t d?,det' sonder" vers,eht u"d durch war Naturtriebe jn_jtiÄtt=MneiIraglicli gewordenen Ehe gesihützi. Hier ist wiederum ein natürlicher Weg, der auch im modernen Staate beschritten werden kann. Und auch hier bleibt das Seelische des Gesetzes* ewjg, das wie bei jeder gesunden Entwicklung, immer neue Formen annehmen und sich dein Leben und seinen Forderungen anpassenuwßT-4}i«-niiraTTä~Ja^ Weg. den die Tulniudistcn und Rabbinen immer gingen. Auch die Förderung der Kultur wird im neuen Judenstaate eine wichtige Aufgabe bilden. Kultur im tiefsten Sinne. Kultur des ganzen Menschen, Bildung des Geistes und des Herzens, Bildung in Tiefe und Höhe hinein. Veredelung der Willens- Kräfte. Stärkung und Läuterung des Charakters, Erziehung zum vollen Menschen, zum bewußten harmonischen Juden. Kultur im jüdischen Sinne heißt, Erziehung vom Tierischen zum Menschlichen, vom Instinktiven zum Ethischen. Es gibt kein Volk auf Erden, dem die Erziehung heiliger ist als dem jüdischen. Lernen und'lehren steht im Mittelpunkt jüdischer Ethik, und auch ohne staatlichen Schulzwang gab es bei uns seit Tausenden von Jahren allgemeine Schulen vom Elementarunterricht bis zur Hochschule, und vielfach unentgeltlich. Im neuen Staate wird natürlich der allgemeine Unterricht, wie in jedem modernen Staatswesen, gesetzlich geboten sein, und.man wird auch danach streben müssen, daß auch der höhere Unterricht jedem Befähigten auch ohne Entgelt zugänglich wird. Da- " rüber hinaus wird der Staat durch öffentliche Bibliotheken. Volkshochschulen, Theater. Akademien. Musikanstalten und Museen den Gesichtskreis^djs_J&ilk«^^ suchen. ITei^voii^Jiaitvi«4imnisniWT^ngherzigkeit. wird er die Geistesgüter aTier Völker für sich fruchtbar machen. Fruchtbar, das heißt nicht aK totes Gut hinnehmen, nicht schablonenhaft entlehnen, sondern durch Verschmelzung niit (JeriiuJisdie^^ noch achtet. Denken wir au den Schabbat! Er ist für uns nicht ein Tag der Ruhe und des sozialen Ausgleiches, sondern auch der inneren Heiligung des Menschen, der religiös-ethischen Vertieimig. die Stimde, die den Manschen dem Göttlichen näher führt. Der Staat wird also in jüdischem Geiste die- Schabbatruhe noch strenger als in England den Sonntag gestalten. Er wird aber nicht in. das. individuelle Leben zu tief eindringen dürfen, wird die nichtöffentliche Entweihung nicht unter Strafe stellen. Das öffentliche Leben wird an diesem Tage, soweit es das wirtschaftlich-soziale Leben verträgt, (die Grenzen werden die Rabbinen, wie es ehemals durch Takonot geschah, regeln müssen) ruhen. Man .wird nicht den Einzelnenzwingen können, im Privatleben die Schabbatruhe streng durchzuführen. Wohl aber wird man das Taktgefühl der Volksgengssefl zu wecken -suchen, alles zu vermeiden, was das religiöse.Gtrfühl verletzen könnte. Und aut der anderen Seite wird mau den Menschen dahin zu bringen bestrebt sein, daß er sich nicht darüber aufregt, wenn andere den Schabbat anders auffassen. Der jüdische Staat hat die Bestimmung, wie es Achad Haam will, den wahren, freien, natürlichen Juden auszubilden, — eine schwere, aber dankbare Aufgabe. Man wird die geschichtliche Entwicklung von 20(10 Jahren nicht rückgängig machen, aber die Schattenseiten dieser Entwicklung. Vaij Ghetfomäßig^ imd^^ssmiTlafiirTNchc zu überwinden suchen. Intidealen Zu-r stand wird dieses erst durch Generationen erreichbar sein, -aber es wird bei einer natürlichen Entwicklung von Stufe zu Stufe besser werden. Der neue jüdische Staat wird niemals in der Lage sein, die lf> Millionen Inden d**r W^lt aiif/mipn"!»!', es zum wahren eigeneirBj^jjtzjLJiiajJ^ttr^ neuen Bausteimm3XJUl«+t--wTrTTä^ Architektur eine jüdische aufbauen, eine Kultur, die dem Juden Von heute und morgen adäquat ist. Diese Grundlinien des Staatslobens sind also kiar. Sie nehmen von der Natur und der Geschichte unseres Volkes ihren Ausgang und führen zur Ihme menschlicher Auffassung und glücklichen Zusammenlebens. Die Frage ist nur. wie weit sie gezogen werden dürfen. Der Mensch ist ein Doppelwesen.-ein individuelles und universelles, und alle staatliche Erziehungskunst geht schließlich darauf hinaus, die beiden Elemente in Harmonie miteinander zu bringen, oder wenigstens eine Brücke zwischen diesen Welten zu schlagen. Jeder Mensch ist eine Welt für sich, es hat nie vor ihm etwas Identisches gegeben und wird nie nach ihm geben. Er trägt das Gesetz seiner Entwicklung in sich, und seine Größe ruht in seiner Individualität. Aber er ist daneben auch soziales Wesen, er lebt in der Gemeinschaft als organischer Teil, er hat heilige Pflichten gegen sie. Er ist-cin freies W'esem seine Freiheit ist sein höchstes Gut, das niemand antasten darf. Aber er lebt in sich das Leben seines Volkes, das Leben seiner Geschichte. Seine Freiheit darf nicht die Freiheit Anderer stören, sein Individualismus darf nicht das Wohl der Gemeinschaft schädigen. Der Staat muß für alle sotgen. ohne in die Individualität der Natux-ltew-—weite, s" K^mi inftl Holt il it Kleina tyiilnsliiin für dit» Alliiulmi-- iiiend einzudringen. DanLl_4J.i vulim^mjT^^ iihirTr" lleit und darüber hinaus fiii die ganze Kulturwelt von Wichtigrigste Sjaatsprobltnu-Wrr tntleTTTiTdendas individualistische Weit werden. Die Gerechtigkeit und Klugheit der Weltpolitik enTT^vielleicht Vf es Erbe unseres Blutes, vielleicht muß das Bestreben fördern, den .ludern endlich eine dauernde auch ein Produkt unserer geschichtlichen Entwicklung. Die Hbimstatte zu sichern. anderer jüdischen Zentren bedürfen, aber nur.im Judenstaat auf dem geschichtlich geweihten Boden unserer Väter werden alle Faktoren des jüdischen Seelenlebens vereinigt sein. Er allein wird daher den freien Juden, frei von Erstarrung durch Leid und von dualistischer Zerfahrenheit, ermöglichen. Er aHein wird den Beruf1 haben, seelischer Mittelpunkt der Judenheit und des Judentums zu sein. Er allein wird den größten geistig-sittlichen Einfluß auf die Gesamtiudenheit ausüben können, weil er den echten natürlichen Juden ausbilden wird: Aber auch nach außen wird er berufen sein, die Welt von aHen Vorurteilen gegen die Juden zu hellen/ Ein kleiner Staat kann weder politisch noch strategisch eine imponierende Rolle spielen, wohl aber kann er die Schweiz ist ein lebendiger Beweis dafür in sittlich-geistiger •Beziehung ein Musterstaat werden, und die Struktur seines Aufbaues, seine Verfassung und Gesetzgebung können den Weg zu einer idealen Entwicklung bahnen.' Ein Volk, das durch alle Völker und alle Kulturen wanderte, ist wohl dazu berufen, das Gesunde aller Kulturen zu verwirklichen. Ein Volk, das sovieTfür seine Überzeugung gelitten hat. ist berufen, innere Werte zu erzeugen und innerhalb des Vörkerkonzcrns sozial und religiös-ethisch schöpferisch zu wirken. Wie das jüdische Volk trotz seiner relativen Germgheit eine große Rolle in der Weltgeschichte K>

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