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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1938-01-15 · 2 (15.1.1938) · p. Seite 17

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
14 (Ausgabe A) (1938)
Issue
2 (15.1.1938)
Date
1938-01-15
Page
Seite 17 (sequence 1)
Language
German
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JÜdiKCliCS Ausgabe A GemeindeMatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern and die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg Ausssjabe A: Allgemeine Aufgabe, Bezug!preis UM. -.60 i .n Vierteljahr, fiM. a.40 für das Jahr Ausgabe B: Mit dem Beiblatt für Würzburg und Umgebung. Bezugspreis BM. 1.50 im Vierteljahr, BM. 6.— für das Jahr. Erscheint am 1. und 15. jeden Monats. Herausgeber: Verband Bayer. Israel. Gemeinden / Verlag B. Heller, München, Plinganserstr. 64, Tel. 73665, Postscheck München 3987 / Anzeigen nach Tarif. Angemeldet heim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volklaufklarung und Propaganda betr. Oberwachung der geiitig und kulturell tatigen Juden im deutschen Reichsgebiet. 'yivr- .lahrgang München, 15. Januar 1938 SrTi Inhalt: Wie muß der ideale jüdische Staat der Zukunft aussehen? — Aus der Gemeinde München — Aus bayerischen Gemeinden — Aus der Pfalz — Jüdischer Turn- und Sportverein München e.V. „Jtus" — Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern — Jüd. Kulturhund in Bayern, Ortsgruppe München — BUcherschau — Geschäftliches — Personalia — Kalendarium und Gebetszeiten Wie muf} der ideale jüdische Staat der Zukunft aussehen? Von Fabius Schach1 Ein jüdischer Staat ist nicht nur ein Staat für Juden, sondern auch fürs Judentum, — das Wort in weitestem Rahmen gedacht. Dieser Staat wird nicht die ganze Judenheit aufnehmen können, aber den jüdischen Geist wird er ganz verwirklichen müssen. Den jüdischen Geist, nicht den des düsteren Ghetto und nicht den durch die Assimilation verfälschten, sonderrr'den der Bibel und Propheten, wie er heute wäre, wenn wir eine normale geschichtliche Entwicklung gehabt hätten. Dieser Staat wird den Juden in Reihkultur zeigen müssen, den wahren, innerlich freien Juden.-■.__ Gestehen wir es: es war nicht recht, daß wir über den Gedanken der jüdischen Mission gespottet haben. Nennet es Mission, Beruf oder innere Aufgabe, — was kommts auf das Wort an? — Aber dieses geistig-sittliche Eigenleben ist eine ewig konkrete Wahrheit, es ist in der Bibel verankert. Israel ist nicht ein Volk wie jedes andere, es ist ein Volk sui generis. Es hat nur eine Existenzberechtigung, wenn es sein Leben lebt, und nur die natürlich-geschichtliche Aufgabe kann die Grundlage eines gesunden jüdischen Gemeinschaftslebens sein. Es ist im Volksleben, wie in dem des Individuums: wer seinem illllHiHii Berufe lim hlniht, hat anrh für andere gelebt, la. wir Juden haben auch innerhalb der Menschheit eine Aufgabe zu erfüllen .Wir sind — mag das Unverständnis.höhnen — auserwählt zum' Leiden, zum tragischen Aufwärtsstreben. Dieser Aufgabe werden wir nicht gerecht durch stolze Worte, sondern durch ein Leben vollen Strebens nach Gerechtigkeit, durch ewiges Wahrheitssuchen. Es gibt eine jüdische Weltanschauung, — das zu leugnen, wäre Torheit und Feigheit. Sie steht nicht im Gegensatz zur Weltanschauung der zivilisierten Menschheit, aber sie ist anders, — anders in der Zielsetzung, anders im Wege. Und diese Weltanschauung zur lebendigen Wirklichkeit zu machen, ist die erste und höchste Aufgabe eines wahrhaft jüdischen Staates. 1 Der verehrte Verfasser konnte am 10. Januar sejnen 70. Geburtstag feiern. Die jüdische Presse jeder Richtung HäTTTei dieser Gelegenheit die publizistische Wirksamkeit und den ethischen Idealismus, des Jubjlars ausführlich gewürdigt. Der Judenstaat wird aufgebaut sein auf Menschlichkeit. Das will keine Verneinung des-Nationalismus bedeuten*, sondern eine Spannung des Rahmens über das Nationale hinaus.vDie Menschen sind alle, wie es unsere Bibel klar' ausspricht, Kinder Gottes, das ist ihr Adel und ihre Verantwortung. Sie dürfen ihrer Differenzierung wegen nicht geringer geschätzt , werden, aber auch nicht sich überheben. Das ist keine Illusion, sondern von der Bibel festgelegt und vom alten Judentum vorgelebt worden. Die Menschen sind nicht gleich, aber gleichberechtigt, das ist die Grundlinie des mosaischen Gesetzes. Es gibt keih höheres Fremdenrecht als das der Bibel. Der r-remae ist glelchgestellt vor Gott und. dem Gesetz. Er muß den Grundgesetzen des Landes gehorchen, kann aber sein Leben führen, ohne gehindert oder benachteiligt zu werden. Ja, er genießt einen besonderen Schutz, wie die Witwe, die Waise, wie jedes sozialschwache Volkselement. Das Gesetz ist Gottesoffenbaning. also .absolut, unabhängig von Zeit und Volksempfinden. ist daher — im Geiste, nicht in der Form. — ewig und universal. Aber diese Menschlichkeit prägt sich nicht nur negativ im Nichtunrechttun aus, sie erfordert positive Tat. menschliche Opfer. Dief soziale Gesetzgebung der Bibel stefrt-abrherr|i Denkmal für alle Zeiten da. Sie muß nach den Fortschritten der Zeit weiter ausgebaut werden. Ein Sozialismus, der von Gott seine Legitimation hernimmt, hat Ewigkeitswert, er kann und muß die Grundlage des Gemeinschaftslebens bilden. Sozialismus im Sinne der Bibel ist ja nichts anderes als atigewandte kristallisierte Menschlichkeit. Das Ziel ist der gerechte Ausgleich, die Fernhaltuiig drückender, verstumpfender Armut und entartenden-itppiKen Reichtums, — der gefährlichen, Pole de^ Volkslebens. Und der biblische Weg zu diesem Ziele ist eine gerade, klare-Linie. Der Schabbat der Woche, wo alles in völliger Gleichheit ruht und die Weihe und Würde höheren Leben? genießtrder Schabbat der Jahre — Schemita -vmit seiner Tilgung aller .Schulden und der Radikaluihe des Bodens, und das siebente Schabbatjahr — der Jobel —, an'dem alle Güter ~Ü65 Landes nach den neuen Bedürfnissen vom Staate geordnet werden, — sie bilden die beste Basis menschlicher Gerechtigkeit und sozialer Weisheit. Sie sind heilig. — dem Geiste, nicht Samstag, 29. Januar Im Jtus-Saal 20.30 Uhr Vortrag Dr. Paul Eppstein-Berlin: Her Lebensranm der Juden in Deutschland.

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