Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- Fünfter Jahrgang (1865/66)
- Issue
- Beilage zum Jeschurun (1865)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 89)
- Language
- Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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91 bleich, die Adern waren aufgeschwollen, er mußte mächtig erregt sein. Ernst entgegnet« nichts. Jetzt erhob sich der Alte, er hatte die feine Gesellschüft bemerkt, sein Auge ruhte fest auf Ernst, besten Erregung stieg. Bertha sah ängstlich bald auf den Alten, bald auf Ernst, der sich au einem Grabstein lehnte. Jetzt trat der Alte vor, er ging bis zu Ernst und lispelte leise: ״Ernst I" Ernst wurde immer unsicherer, sein Auge umflorte sich, er entgeguete nichts. ״Ernst!" wiederholte der Alte mit so weicher und schmerzerstickter Stimme, daß sie einen Stein hätte erweichen können. ״Sie wünschen I" lispelte Ernst. Der Greis sah ihm tief in das große Auge: ״Wozu dieser rauhe Empfang?! Soll's Vornehmheit sein, soll es als Strafe gelten? — Ich habe Dich ja immer geliebt, und bit stoßest mich nun kalt zurück!" Wie unwillkührlich griff Ernst mit der Linken nach der klopfenden Brust —aber er entgegnete wieder nichts. ״Ernst!" begann der Alte wieder, deffen impvnirende Würde selbst der herbe Schmerz, der in ihm toben mußte, nicht beeinttächtigen konnte. ״Du hast mich also ganz »ergeffen I" Bertha schien das lange Schweigen Ernst's unpassend, sie konnte es nicht begreifen, daß er diesen Zudringlichen nicht abweise, daß er so viel Schwäche einem Ranne gegenüber habe, für deffen Benehmen es keine ׳ Entschuldigung gab. Ein Jude sollte sich mit dem Manne ihrer Herzens, mit ihrem Ideal ein solches Spiel — denn etwas Anderes konnte es ja nicht sein — erlauben. Der Gedanke war ihr unerträglich. ״Nun Doktor I Die Ungeduld peinigt mich: weisen Sie den Ntann doch einfach und energisch ab."