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Der jüdische Student · 1903-01-01 · Heft 10 (Januar 1903) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 10 (Januar 1903)
Date
1903-01-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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170. Nr. 10. Die Juden in England, Von Max D. Gillis*) Redner sprach zuerst von den ergreifenden Schicksalen der Juden in England bis zu ihrer Verbannung im Jahre 1200. Diese Periode ist nach den massgebenden Historikern eine ununterbrochene Leidenskette. Sie unterscheidet sich in nichts von der Lage der Juden in anderen Ländern Europas zu jener Zeit; ja ein englischer Historiker, Charles Egan, behauptet mit seltenem Freimut, dass die Juden in England noch mehr zu eiden gehabt hätten als in den anderen Ländern Europas. Fast vier Jahrhunderte nach der grossen Emigration wagten Juden mit Cromwells Erlaubnis sich wieder in England anzusiedeln, nachdem Manasse ben Israel in dieser Sache an das lange Parlament petitioniert hatte. Obgleich seine Petition keinen direkten Erfolg hatte, vermehrten sich die Juden in England rasch. Wie weit die englischen Schriftsteller der Zeit vom Judenhass entfernt waren, beweist die Tatsache, dass einer, Harrington, damals alten Ernstes vorschlug, Irland an die Juden zu verkaufen. Von dem Moment ihrer Niederlassung rangen sich die Juden von Schritt zu Schritt bis zur völligen Emanzipation durch, sodass sie heute in ihren bürgerlichen Rechten von allen Juden der Welt am günstigsten dastehen. Im Jahre (689 fiel die Fremdensteuer und schon 1715 gingen die Naturalisationsakte mit bedeutender Majorität im Oberhaus durch. Nachdem noch die Oath of Abjuration, die Declaration und die test-act gefallen waren, stand ihrer völligen Emanzipation nichts im Wege. Es waren dies drei Eide, die von jedem, der eine öffentliche Stellung einnehmen wollte, abzulegen waren, von Juden aber ihres Wortlautes wegen (upon the true faith of a Christian) nicht abgelegt werden konnten. — Vermöge ihrer hohen Begabung und Dankbarkeit gegen England taten sich bald Juden auf allen Gebieten öffentlichen Lebens hervor. Im 18. Jahrhundert waren es Jacob Mendana, David Nieto, der Mathematiker Sarmaito, Gompertz, Emanuel Mendes da Costa, der Bibliothekar der Royal Society, Sjr Salomen Medina und Dr. Schömberg. In der Politik zeichneten und zeichnen sich aus d'Israeli, Arthur Cohen, Lionel Cohen, Baron v. Worms, Montague, Goldsmid, in der Justiz Sir Jessel, in der Litteratur Vater und Sohn d'Israeli, Samuel Philipps, Dr. Schlesinger und Israel Zwangwill, in den Naturwissenschaften, in der Philologie, Medizin und Presse Prof- Sylvester, Goldstücker, Zedner, Deutsch, Sir R. Larden, Moses Levy u. a. Als Philanthropen genossen Montefiore und Behrens hohe Verehrung. — Ein weiterer Beweis für das Schwinden antijüdischer Vorurteile ist die Aufnahme der Juden in die englische Aristokratie. Im allgemeinen herrscht *) Aiszug aus einem im V.J.St.M. gehaltenen Vortrage.

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