Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 7-8 (Oktober 1902)
- Date
- 1902-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7/8. 103 Er malte als Märtyrer des Judenvolkes Märtyrer des Judenvolkes. Sein grandioses Bild „Ahasver im Diadem" trägt seine Leidenszüge ebenso wie der betende Jude" auf seinem grossen Gemälde in der Dresdener Gralerie. Aber über diese Schmerzenskunst hinaus will unsere Sehnsucht. Aus der Kunst, welche unser Schicksal gebar, soll uns die Kunst werden, die aus unserer Art entspringt. Die Freude an Wald und See soll wieder lebendig werden. Mit unseren Augen, mit jüdischen Augen werden unsere Künstler schauen all die Fülle der Schönheit ringsum. Aber diese volle und reiche Kunst kann uns nur werden, wenn wir wieder volle und ganze Menschen sein werden. Erdgeborene! Wenn aber einige jüngere Werke uns einen zaiten Hauch der Kunst unserer Zukunft ahnen lässt, so hat der Zionismus diesen Vorfrühling uns geschenkt. Der Zionismus, der uns ohne die materielle Heimat den segnenden Frieden der Heimat beschert hat. Und ohne Heimat keine Kunst. — Erfolglose ludengesetze. Dr. Max Eschelbaci er. Wer das Schlechteste im Menschen in seiner schlechtesten Verkörperung sehen will, der greife zu den mittelalterlichen Judengesetzen, er wird hier reiche Ausbeute finden. Ihre Lektüre bedrückt und verdüstert förmlich das Gemüt, und es ist kein Wunder, wenn die Historiker, die unsere Geschichte durch die traurige Brille dieser leges barbarorum betrachten, ein Schreckensbild von dem Leben eines Juden im Mittelalter entwerfen, und wenn, ihnen folgend, die gemeine Meinung dahin geht, die Hauptbeschäftigung unserer Väter sei gewesen, sich verbrennen zu lassen. Dem ist jedoch nicht so; eine nähere Betrachtung lässt vielmehr erkennen, dass viele jener Gesetze mehr auf dem Pergament, auf dem sie geschrieben standen, als in der Wirklichkeit lebten. Für diese Behauptung sollen im folgenden nach den Mitteilungen, die Scherer in seinem Buch über „die Rechtsverhältnisse der Juden in den deutsch-österreichischen Ländern*4 macht, einige Belege angeführt werden. Von den Judengesetzen der germanischen Stämme sind die westgotischeu die bekanntesten; sie sollten die spanischen Juden und die Zwangstäuflinge treffen und enthalten namentlich gegen die letztgenannten sehr harte Verfügungen; aber die Nachkommen der Spaniolen, die dadurch ausgerottet werden sollten, leben noch heute, die Westgoten aber gehören