Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 5 (August 1902)
- Date
- 1902-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jahrg. 1. Berlin, August 1902. No. 5 Ideale Werte. Von Sanctus. ^lle Menschen streben dem Ideale nach. Ich sage dem Ideale, denn es giebt nur eines: Das Gefühl der Harmonie. Es liegt im Wesen des Ideals, dass es nie erreicht wird, ebenso wie es in seinem Wesen liegt, dass es ununterbrochen angestrebt wird, — bald mehr, bald weniger bewusst. Das Bewusstsein vom Ideal und das Streben nach dem Ideal fallen zusammen; man bezeichnet beide Erscheinungen gemeinsam mit dem Namen: Idealismus. Die zahllosen Begriffe, welche die Menschen gemeinhin als Ideale bezeichnen, wie: Wahrheit, Liebe, Reichtum, Freiheit, Weisheit u. s. w., will ich mit einem richtigeren Ausdruck ideale Werte" benennen; Jeder ideale Wert war ursprünglich Eigenwert eines Subjekts. Das Subjekt empfand in der Auslebung seines Eigenwertes eine gewisse — wenn auch einseitige — Befriedigung seines Idealismus, seines Strebens nach Harmonie. Allmählich löste sich der Eigenwert vom Subjekt ab und trat, je weitere Kreise er in der menschlichen Gesellschaft zog, um so selbständiger und „objektiver" auf, bis er schliesslich von der Majorität der gesitteten Menschen als Harmonie schaffender Gern einwert erkannt und anerkannt wurde. So entstanden ideale Gemeinwerte und so entstehen sie noch heute. Da jeder Mensch eine Eigenart besitzt, liegt auch