Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1902)
- Date
- 1902-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No.JL 63. F r i ed 1 ä n d e r hat die Prüfung als Referendar bestanden. — A.H.hrc. Assessor Dr. Friedemann bekleidet zur Zeit eine Hilfsrichterstelle beim Landgericht Wiesbaden. Er ist bis zum 1. Juni 1903 nach Wiesbaden versetzt. (Adresse: Albrechtstr. 13.) — Neu aufgenommen wurden Arthur Rosenzwei g - Berlin und Otto Ehrlich- Neustadt bei Pinne. Benin. In den J. C. wurden aufgenommen: Siegfried Bergmann, stud. jur., Josef Bergmann, stud. med , Israel Bucki, stud. jur., Paul Hertz, stud. jur., Leo Cohn, stud. med., Felix Jacobsohn, stud. ehem., Alfred Grün, stud. jur., Ernst Baschwitz, stud. med. dent. Breslau. Nachdem im vorigen Monat unsere Arbeit mehr rein geschäftlichen Angelegenheiten gewidmet war, konnten wir uns im Monat Juni ganz den inneren Vereinsangelegenheiten zuwenden. Neben den anregenden Geschichtsvorträgen des Herrn Dr. Behrends, welche die Zeit der Entstehung des Christentums behandelten, dienten mehrere interessante Konvente, auf denen es zu lebhaften Tendenzdebatten kam, zur inneren Ausbildung der Mitglieder; für die Füchse fand ausserdem der regelmässige Unterricht statt, der sich in letzter Zeit besonders eingehend mit ihrer Einführung in die Geschichte und die Tendenzen des Vereins befasste. Die wissenschaftliche Kommission, bestehend aus Steinitz, Peritz und Wermuth, nahm Burschenprüfungen vor, deren Resultat die Aufnahme von Kretschmer und Schindler in den J.C. war. An Vorträgen wurden gehalten: Kretschmer: Gabriel Riesser (II.Teil); W a 11 f i s c h: Lage der Juden im Westgotenreich; nebenher gingen regelmässige Zeitungsreferate unserer Füchse. Zur Repräsentation nach aussen bot uns unser Sommerausflug vom 2. Juli Gelegenheit, dessen Ziel, wie in den Vorjahren, Deutsch-Lissa war. In zahlreicher Gesellschaft verbrachten wir den Nachmittag mit Spielen im Lissaer Parke und begannen gegen Abend den Kommers. Die Tendenzrede hielt unser Fuchs Wolff; Herr Rabb. Dr. Krueger trug ein selbstverfasstes Gedicht über eine alt-jüdische Fabel vor. An den Kommers schloss sich ein Kränzchen an. Zu allgemeinem Bedauern mussten wir schon um ^11 das wohlgelungene Fest abbrechen, um rechtzeitig zur Bahn zu kommen. — Als kleine Nachfeier wird sich an das Fest Donnerstag, den 10. Juli eine Exkneipe in Deutsch-Lissa anschliessen. Von Konventsbeschlüssen sind hervorzuheben: A.C. Es wird im Einvernehmen mit Berlin beschlossen, in unserm Bundesorgan scharfen Protest gegen die Vorgänge auf dem Weimarer Finkenschafts- Kongress einzulegen und diesen Protest an sämtliche grössere Zeitungen zu versenden. — Der Bitte, einen hier neugegründeten national-jüdischen Turnverein bei uns mitturnen zu lassen, wird stattgegeben. Persönliches : Aufgenommen wurde med. dent. Max L a u f e r. — Das Austrittsgesuch von jur. Schönfeld wird bewilligt. — In den J.C. werden aufgenommen jur. Schindler und med. Kretschmer. — Unser lieber LA. Manheim bestand sein Referendar-Examen. Charlottenburg. Die Kosten des wissenschaftlichen Teiles am 1. Vereinsabend des verflossenen Monats bestritten wir mit der Vorlesung des Artikels „Die neue hebräische Litteratur" v. Dr. Bernfeld aus d. Jahrbuch des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur. Ferner wurden folgende Vorträge gehalten: stud. ing. Alfred B e r 1 o w i t z sprach über „Nationale Assimilation"; indem er die beiden Prinzipien des Nationalismus und Sozialismus scharf umgrenzte, stellte er sie als etwas Verschiedenartiges, sich gegenseitig aber nicht Ausschliessendes hin. Herr Dr. Rob. H a n t k e x\.H. sprach über „Moderne jüdische Studentenbewegung", mit besonderer Berücksichtigung der Gründung des Berliner V.J.St. Cand. ehem. Jancu Grünberg schilderte in einem Vortrag über Dr. K. Lippe das Wesen und die Bedeutung des bekannten Arztes und Talmudkenners. Den Vorträgen und Diskussionen folgte, wie üblich, ein geselliger Teil. Herr Regierungsbaumeister Kaufmann war so liebenswürdig, der Vereinsbibliothek das wertvolle Werk „Eisenbahn-Technik" v, Waldegg zu stiften, wofür wir ihm auch an dieser Stelle unsern Dank aussprechen.