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Der jüdische Student · 1902-06-01 · Heft 3 (Juni 1902) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 3 (Juni 1902)
Date
1902-06-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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JSTo. 3. bei der wir wieder neue Graste und unsere Berliner Bundesbrüder begrüssen konnten. Max Berlowitz hielt eine schwungvolle Tendenzrede. Neu aufgenommen wurde stud. arch. Fritz Wohlgemuth aus Königsberg. — Wir beschlossen, uns an dem von Dr. Nossig ins Leben gerufenen Bureau für jüdische Statistik zu beteiligen. Ferner beteiligen wir uns regelmässig an dem vom Ausschuss der Studentenschaft eingerichteten Turnspielen, das wöchentlich 2 mal nachmittags stattfindet. Aus den Kreisen der Alten Herren. A. H. Dr. J. Dobrzynski ist von dem Amtsgericht Gostyn an das Landgericht Posen, A. H. Lichtenstein von dem Amtsgericht Guttentag an das Landgericht Ratibor überwiesen worden. (Dobrzynski wohnt Gartenstrasse 211.) A. H. Julius Citron hat soeben in Freiburg i. B. sein medizinisches Staatsexamen bestanden. Aus Studentenkreisen. Am Montag, den 9. Juni, fand in den Aegirsälen eine von der „Berliner Zionistischen Vereinigung" veranstaltete jüdische Akademikerversammlung statt. An Stelle des verhinderten Referenten Dr. Eduard Leszynski sprach cand. med. Elias Auerbach über das Thema: „Der jüdische Student und der Zionismus." Er führte etwa folgendes aus: Der jüdische Student muss durch die Lehren der akademischen Geschichte notwendig zu der Erkenntnis kommen, dass er den Weg zu verlassen hat, den bisher die jüdischen Akademiker eingeschlagen haben. Sie haben alles daran gesetzt, unterschiedslos in der deutschen Studentenschaft aufzugehen, indem sie sich kosmopolitischen und deutsch-nationalen Bestrebungen mit Feuereifer anschlössen. Trotzdem sind sie auf der ganzen Linie zum Judentum zurückgedrängt worden. Dieser Vorgang lässt sich in der Geschichte aller studentischen Organisationen aufweisen. Zuerst die Ausschliessung der Juden aus den Burschenschaften und Korps, dann ihre Isolierung in den wissenschaftlichen „freien" Vereinen, endlich ihr neuliches Fiasko in der Deutschen Freien Studenntenschaft. Durch Entäusserung des Judentums bis zur Selbsterniedrigung haben die jüdischen Studenten nichts erreicht als Hohn, Verachtung und innere Zerrissenheit. — Daraus, so folgerte der Redner, muss der jüdische Student endlich den Schluss ziehen, dass es für seine innere Einheitlichkeit und seine äussere Stellung das Erspriesslichste ist, unter Juden fürs Judentum zu arbeiten. Und das ist auch die Grundlage des Zionismus. In der Diskussion, die sich an den Vortrag s^hloss, versuchte zunächst Herr stud, jur. Jaques Abraham, das vom Referenten ausführlich besprochene Verhalten der Juden in der Finkenschaft und auf dem Weimarer Studeutentag zu rechtfertigen. Es gelang ihm diee jedoch sehr schlecht, zumal er für seine Person die extrem-assimilatorische Tendenz ablehnte. Im weiteren Verlauf der Debatte nahm Herr cand. pliil. Oalvary seine Stellung zur Judenfrage dahin, dass der Einzelne versuchen müsse, in sich eine Harmonie zwischen deutschem und jüdischem Empfinden zu vereinigen. — Herr Baum entgegnete ihm, dass auf diesem individuellen Wege die Hauptfrage nicht gelöst werde. Nachdem noch mehrere Redner für und gegen den Zionismus das Wort er-

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