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Der jüdische Student · 1902-05-01 · Heft 2 (Mai 1902) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 2 (Mai 1902)
Date
1902-05-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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2. No/ 2. Angesichts dieser Thatsachen versagt jede bei uns deutschen Juden übliche Erklärung des „Antisemitismus." Nicht Konkurrenzneid, nicht religiöse Unduldsamkeit ist es, sondern eins schimmert überall durch, was viel furchtbarer ist: Der unausrottbare, tief im Gefühlsleben der Rasse und in der geschichtlichen Entwicklung begründete Hass, der das ganze rumänische Volk vom niedrigsten, nur dem Instinkte folgenden Bauern bis hinauf in den Kreis der Gebildeten und Regierenden gegen den* Juden als solchen beseelt. Der Jude wird als ungleichartig in der Masse empfunden und gehasst „Fremder'4 nennt ihn die bezeichnende Sprachedes Gesetzes. Diese tiefgreifenden Wurzeln des Judenhasses legen es leider nahe, sich keinem Optimismus hinzugeben. Von Rumänien ist keine Umkehr zu erwarten. Aber auch noch eine andere Erwartung dürfte nichtig sein: Die Hoffnung einei Intervention der Mächte. Wir müssen uns mit dem Gedanken vertraut machen, keinen Freund und Retter in solchen Nöten zu haben; wir sind auf uns selbst angewiesen. Wenn ein jüdisches Blatt in herzlichem Mitleid, aber allzu blinder Zuversicht sagt: Diese Verfolgung muss das Gewissen der Völker wachrufen, grade sie ist geeignet den Juden in Rumänien endlich eine Heimat zu schaffen, so möchte ich eine andere Stimme zitieren. Ein deutschnationales Blatt, „milderer Tonartu macht einer liberalen Zeitung, die eine Intervention fordert, den Vorwurf, sie scheine mehr für das Judentum als für das Deutschtum zu kämpfen, wenn sie ein Einschreiten zu Gunsten rumänischer Juden verlange. Die Argumentation ist klar: Wir haben im eigenen Lande grade genug mit den Juden zu thun, als dass wir uns noch mit andern befassen wollten. Das ist also die Sachlage. Die Juden Rumäniens — und nicht nur Rumäniens — haben kein Land, das ihnen Rückhalt bietet und sie stützt. Das ist das tragische Schicksal der Juden, dass sie selbst im Lande ihrer Geburt als Fremde betrachtet werden, ohne doch das kräftigende Bewusstsein einer anderswo gelegenen Heimat zu haben. Hierin liegt der Kern des ganzen Elends, das wir die Judenfrage nennen, in allen seinen Formen.

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