Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 30 (1933)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3537599-3537840-3537842--8639-3546704- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ehen Grundsätzen wie bisher weiter gehen. Sie muß sich auf Menschen zviiehen IS und 20 Jahren einrichten, web ei wir natürlich im wesentlichen Nichts tidcIlten erfassen werden. Also zunächst die ehemaligen Studenten, dann AHturUnten, dann auch andere, die uns ihrer menschlichen Haltung nach geeignet erscheinen." Der in Leipzig beschlossene Grundsatz, das. Karsli von dien zu reinigen, die ihm nicht mehr mit Recht angehören können, weil sie ztuil;tisch und menschlich versagt haben, erhält gerade heute seine volle Gültigkeit Niehls wäre verfehlter, als eine ,,Notgememschafts,'~Sümmung aufkommen zu lassen. Wir müssen gerade, heute hart sein und uns unerbittlich und sofort viii allen denen trennen, die jetzt sich der Aufgabe nicht gewachsen zeigen. Das Präsidium sucht das Kartell einen Weg zu führen, der seinen besten zionistischen Traditionen 'entspricht. Die Forderung der Stunde heißt, Kleister seines Schicksals zu werden. Wenn alles um uns zusammenbricht, so müssen wir wissen, daß unsere Idee uns für alle Fragen unseres weiteren Leb-ns ein Wegweiser ist. Wir müssen aber auch wissen, daß nur sie uns den richtigen Weg weisen kann. Wir dürfen uns nicht damit zufrieden geben, daß ms der Zionismus heute als einzigen unter den deutschen Juden innere Sicherheit gibt. Diese innere Sicherheit ist wertlos, wenn sie nicht zu echten Entscheidungen führt: Umstellung unserer Berufe auf Palästina und Einsatz aller Kräfte für die Bewegung. Gelingt um jetzt, die Erfüllung dieser beiden Forderungen durchzusetzen, dann wird auxh das K.J.V. weiterleben, selbst wenn ganz andere Formen und Voraussetzungen gegeben sind. Denn jetzt wird es sich zeigen, wieviel zionistische Kraft in uns steckt, Franz Brüll Beridit Pritz Löwenstein. Die grundlegende Veränderung in der Lage der deutschen Juden stellte das Präsidium des K.J.V. vor Aufgaben, die nach Art und Umfang einer; Vergleich mit früher überhaupt nicht zulassen. Ein Kartell, das zum überwiegenden Teil aus werdenden oder fertigen Akademikern besteht, sah sich im Cb.ufe weniger Wochen vor eine Situation gestellt, die zu einer völligen berullbhcn Neuorientierung zwang. Studenten können ihr Studium nicht beenden; Akademiker, die bereits Examen gemacht haben, können es nicht verwende^: zugelassene Anwälte und Notare verlieren ihre Zulassung, Kassenärzis die Kassenzulassung, Richter und Beamte ihre Stellungen, kaufmännische und technische Angestellte ihre Stellungen. Die Aufgabe des Kartells in dieser Situation könnte von einem doppelten Gesichtspunkt aus betrachtet werden. Es war entweder möglich, so zu reagieren, wie der große Teil des deutschen Judentums reagiert hat: mit Philantropie, bestenfalls mit konstruktiver Hilfe» Dann hätte es sich darum gehandelt, Studien- und Niedsrlassungsmögliclkeiteii im Ausland nachzuweisen, Geldmittel für diese Zwecke aufzubringen, evtl. wirtschaftliche Möglichkeiten sonstiger Art in oder außerhalb Deutsülands nachzuweisen. Das Präsidium hielt diese Auffassung für unzionistisch urd mit den erzieherischen Grundgedanken des K.J.V. nicht für vereinbar. Die zionistische Grundhaltung des J.V. war stets von dem Gedanken geträger, daß der einzelne K.J.V.er sich nicht damit begnügen darf, ein aktives Mtglied der zionistischen Organisation in der Galuth zu sein, sondern daß ex verpflichtet ist, Palästina in sein Lebensprogramm aufzunehmen und dem|emäij 63