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Der jüdische Student · 1933-02-01 · Heft 1 (Februar 1933) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
30 (1933)
Issue
Heft 1 (Februar 1933)
Date
1933-02-01
Page
[Seite] (sequence 36)
Language
German
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Hebräische Gegenwartsliteratur- Von Max Nußbaum, Breslau. Der Uebergangsprozeß vom Mittelalter zur Neuzeit vollzog sich bei uns Juden viel langsamer und anders, als bei den übrigen Völkern Europas. Die Epoche der großen Entdeckungen und der revolutionären Gedanken — die europäische Renaissance — war für unser Volk eine Zeit der Not und des Elends und ist an ihm — zunächst spurlos vorübergegangen. Das „goldene Zeitalter" unserer alten Literatur fällt daher auch vor die Renaissance. Aus demselben Grunde ist unsere neue Literatur bereits ein Echo der Neuzeit, Sagt man „neuhebräische Literatur", so versteht man darunter das hebräisch-literarische Schaffen der letzten zwei Jahrhunderte. Ihre Entstehungszeit könnte man zwischen 1730—1750 ansetzen und würde damit das Richtige treffen, denn um diese Zeit sind die ersten Werke L u z a t o's , des großen Dichters mit dem die neuhebräische Literatur beginnt, geschrieben worden. Unter neuhebräischer Literatur der Gegenwart verstehe ich das hebräische Schaffen der letzten 25—30 Jahre, also des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts. Diese Zeitspanne deckt sich ungefähr mit der des Zionismus und unseres beginnenden Fortschrittes in Erez Israel. Der vorliegende Aufsatz beschäftigt sich mit diesem kleineren Ausschnitt aus der neuhebräischen Gegenwartsliteratur. Und auch diese letztgenannte Aufgabe ist nicht leicht. In unserer jungen nationalen Kultur ist alles noch im Werden. Noch nichts ist geworden. Nichts geformt und konturiert. Alles — aber auch wirklich alles in unserem kulturellen Schaffen in Palästina und in der Galuth — ist fluktuierend. Noch haben wir in keinem Gebiet die nötige objektive Distanz um die Fülle und Vielfältigkeit unserer künstlerischen Neuschöpfungen in feste Formen einzufangen und in bestimmte Kategorien zu zwängen. Reich und mannigfaltig wie das Leben selbst — hat man seine wahre Freude daran, wenn man sich in diese, zum großen Teil bereits bodenständig palästinensische, zumindest aber jüdischoriginelle Literatur vertieft. Trotzdem — oder soll ich sagen deswegen? — ist es furchtbar schwierig, einem nicht gut eingeweihten Publikum etwas davon zu erzählen. „Literarische Schulen" — etwa im europäischen Sinne — besitzen wir noch nicht. „Richtungen" heben sich noch nicht immer zur Genüge ab. „Einflüssen" ist noch sehr schwer nachzugehen. Auch haben unsere jungen Talente noch nicht ihr Bestes gegeben, um ihre Leistungen summarisch abzu^ schätzen und einzuordnen. Inhalts- und widerspruchsvoll wie das Leben selbst — umso schwieriger das literarische Produkt eines Jahrhundertdrittels auf eine Formel zu bringen. Was ich will — ist die Zeichnung einer Grund Stimmung und die Aufweisung jener Faktoren die diese Haltung bewirkten. Ich will eine Einführung geben. Letztere ist sowohl als Einleitung zu späteren Aufsätzen über Einzelerscheinungen — und -persönlichkeiten neuhebräischer Gegenwartsliteratur gedacht, als auch als eine Art Anleitung für jeden Bbr., der zu dem einen oder anderen Werk dieser Literatur selbst greifen will. I. Die ganze hebräische Literatur von M. Ch. L u z a t o bis zur Epoche, von der wir reden, war ein Ringen um die Sprache. Die Dichter und 34

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