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Der jüdische Student · 1933-02-01 · Heft 1 (Februar 1933) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
30 (1933)
Issue
Heft 1 (Februar 1933)
Date
1933-02-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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ist richtig und falsch zugleich. Ich glaube nicht, daß sich bei uns überhaupt etwas grundsätzlich Neues sagen läßt. Aber man kann zu den zionistischen und erzieherischen Aufgaben des Kartells in einem ganz bestimmten Sinn Stellung nehmen, sodaß sich die praktische Arbeit als notwendige Folge ganz bestimmter Grundanschauungen ergibt. Die Folge davon wird sein, daß unsere Arbeit sinnvoll und planmäßig wird. Da das Kartell ein Erziehungsbund ist, werden selbstverständlich die größten Bemühungen dem jungen Kartell dienen müssen. Aber auch für die Altherrenschaft wird es in ihrer zionistischen Arbeit von großer Bedeutung sein, wenn sie im Kartell einen starken und durch seine Geschlossenheit zionistisch wirksamen Rückhalt findet. Die Grundlage des Zusammenschlusses unserer Bundesbxüder im Kartell ist die Verantwortlichkeit der Bundesbrüder vor dem Zionismus. Der Zionismus darf nicht irgend eine Bewegung sein, der man sich aus irgendwelchen Gründen anschließt, sondern er ist seinem Wesen nach eine Existenzfrage nicht so sehr in materieller, wie vor allem in moralischer Hineicht. Der Zionismus bedeutet für uns die Möglichkeit, unser Leben sinnvoll zu gestalten. Das KJV. ist der Bund, in dem Menschen, die zionistisch und deshalb auch persönlich einer für den anderen einstehen können, zu Bundesbrüdern werden. Dies ist das Ziel unserer Erziehungsarbeit. Weil aber der Zionismus nicht allein formal und auch nicht allein vom Individuum her begriffen werden kann, weil er als eine nationale Bewegung ein bestimmtes Volk, nämlich das jüdische, im Auge hat, deswegen bleiben wir allein und verlieren den Anschluß, wenn es uns nicht gelingt, unser politisches Streben und unseren Wunsch nach Erfüllung unserer Persönlichkeit zu unterbauen durch jüdische Inhalte. Durch sie werden Wir auch im Wissen, Fühlen und im Unbewußten wieder zu Juden. Dies wurde bei uns bisher zu wenig beachtet. Es fehlte an ernsten Bemühungen um die jüdischen Inhalte. Statt dessen glaubte man vielfach schon jüdisch zu sein, wenn man einen Neschef abhält, die Horra tanzt, ein paar hebräische Sätze sprechen kann. Dies ist umso gefährlicher, da wir als Zionisten doch wissen müssen, daß es eine jüdische Kultur derzeit nicht gibt. Das Leben im Osten ist zwar „jüdischer" als unseres, deswegen aber noch nicht jüdisch. Und selbst in Palästina ist das erst im Entstehen, was später einmal endgültig dort sein soll. Der Versuch, für unser Kartell die Lebensformen der Arbeiterschaft — oder der chaluzischen Bünde nachzuahmen, ist sicher falsch, denn es ist unorganisch und der Lage unserer Menschen nicht angemessen. Uns hilft hier nicht der leichte Weg. Wir müssen uns ernsthaft bemühen und den Versuch machen, durch tiefes Eindringen in die Vorgänge der Vergangenheit und der Gegenwart des jüdischen Volkes das zu erreichen, was anderen vielleicht von selbst zufällt. Es wird eine wichtige Aufgabe des nächsten Jahres sein, durch Hinweise von Seiten des Erziehungsressorts den Verbindungen Arbeitsmöglichkeiten hierfür zu geben. Ich bin überhaupt der Ueberzeugung, daß es für uns neben der Erfassung und Bewußtmachung der Quellen unseres Zionismus aus unserer menschlichen Not, immer wieder notwendig sein wird, auch unser Wissen um das jüdische Volk zu vertiefen* Nur so werden wir uns vor uns selbst und im Kampf mit der Umwelt behaupten können. So glaube ich auch, daß wirklich erfolgreiche zionistische 3 15

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