Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 30 (1933)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Am Schluß dieser Entwicklung aber können wir feststellen, daß esgelungen ist, einmal den Gedanken der Außenarbeit selbst im jungen Kartell so weit durchzusetzen, daß er aus der Sphäre der Diskussion in die Praxis getreten ist, und zweitens klarzustellen, daß es sich im Grunde genommen um die Arbeit auf zwei großen Gebieten, nämlich Erfassung der Jugend in Schülerbünden und Mitarbeit in den Ortsgruppen für die Organisation handelt. Hier hat sich besonders die Tätigkeit einiger Verbindungen als durchaus erfolgbringend gezeigt und Versuche wie Landpropaganda, Hineingehen in die Vorstände der Ortsgruppen, Barak, Mitarbeit am Delegiertentag und die Ausführungen im J.St. über Organisationen zeigen, daß das K.J.V. seine Bedeutung und Verantwortung als Faktor des zionistischen Lebens in Deutschland zu erkennen beginnt. (Siehe auch Bericht des Außenressorts unter Bemerkungen.) Der Stand der Verbindungen war im allgemeinen äußerlich gesehen befriedigend. Wir verfügen, wie man wohl sagen kann, zur Zeit quantitätsmäßig über genügend Kräfte, um unsere Arbeit durchführen zu können. Auf der anderen Seite muß vielfach festgestellt werden, daß eine Verflachung der wissensmäßigen Grundlagen in der Aktivitas erfolgt ist, und daß man glaubt, heute einer ideologischen Fundierung entbehren zu können. Schlimmer aber noch als das ist die Tatsache, daß die menschliche Haltung unserer Bundesbrüder, insbesondere das Verantwortungsgefühl und die Bereitschaft zum Einsatz für die zionistische Arbeit, bei dem größten Teil außerordentlich zu wünschen übrig läßt. Dies ist wohl letzten Endes das Problem des jungen K.J.V. im Augenblick. In der Natur dieser Sache liegt es, daß man nicht allzu viel darüber reden und schreiben kann. Aber es wird, wenn das K.J.V. überhaupt eine Bedeutung haben und behalten will, notwendig sein, durch organisatorische Mittel, vor allem aber durch Vorbild und engen Zusammenschluß der Menschen, die wirklich K.J.V.er sind, auf eine Aenderung dieser Haltung bei den an der Peripherie Stehenden hinzuwirken und sie zionistisch vor allem auf diesem Gebiet menschlicher Zuverlässigkeit zu erziehen. Im engen Zusammenhang damit steht eine gewisse Lockerung des bundesbrüderlichen Gefühles bei einer Reihe unserer Bundesbrüder. Bedauerlich für die Erziehungsarbeit dieses Jahres war der Umstand, daß wir gezwungen waren, das Camp ausfallen zu lassen. Dadurch fehlte uns die Möglichkeit, mit der gesamten Aktivitas diese für die bundesbrüderliche und zionistische Erziehung so wichtigen Tage zu verleben. Es konnte einen nicht vollwertigen Ersatz darstellen, wenn wir durch zahlreiche Reisen in sämtliche Verbindungen versuchten, den Kontakt des Präsidiums mit den Verbindungen aufrecht zu erhalten. Auch die Berliner Aktiventagung konnte durch das Milieu Berlin und alle die damit verbundenen Schwierigkeiten diesen Zweck nicht so erfüllen, wie es ein Camp getan hätte. Immerhin gab sie Gelegenheit zu einer Aussprache sowohl über die praktische Arbeit als auch zu einer ersten Andeutung der unbedingt notwendigen Erziehungsmaßnahmen, die zu einer Intensivierung der K.J.V.-Erziehung in der heutigen Zeit ganz besonders erforderlich sind. Die Königsberger Bundesbrüder haben zusammen mit den anderen im Osten gelegenen Verbindungen den Versuch gemacht, auf einem eigenen Ostcamp die K.J.V.er zusammenzufassen, und dieser Versuch ist außerordentlich gelungen und hat die Berechtigung des Campgedankens aufs neue erwiesen. 3