Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 11 (Dezember 1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Der andere Bund „Ccl Aviv1' bestellt aus 130 etwa 20jährigen Leuten, -die insofern einen Fortschritt bringen, als daß sie den „Judaisme" in ihren Reihen stärken wollen. Die Arbeit besteht aus Vorträgen, wie z. B. Napoleon et les juifs, le Lyrisme biblique usw. Der Durchschnitt der Mitglieder ist wenig intelligent und arbeitet nur passiv mit. Viele huldigen etlichen Ismen, ohne von der Materie eine Ahnung zu haben. Immerhin haben sie doch einen hebräischen Kurs und eine jüdische Bibiloihek zusammengebracht. Diesen zweiten Verein haben wir uns als den Ausgangspunkt für zionistische Propagandaarbeit erwählt. Wir K.J.V.er, unterstützt von einem Haschomer Führer aus Ungarn und einem Palästinenser, -die auch hier Landwirtschaft studieren, haben jetzt einen Vorstoß in die algerische Judenhcit unternommen. Obwohl wir infolge unserer nicht allzu großen französischen Sprachkenntnisse sehr behindert waren, gelang es uns infolge unseres selbstsicheren, zionistischen Auftretens einen starken Eindruck auf die Leute zu machen und sie in Diskussionen zu interessieren. Ein von uns gehaltener Vortrag über ,,La question juif et sa Solution" hatte trotz der Sprachschwierigkeiten, einen unerwartet großen Erfolg. Es war ein übcrfüllter Saal, und wir freuen uns, Euch schreiben zu können, daß <lie Leute von einer großen Begeisterung für die ihnen neuen, revolutionären, zionistischen Ideen, ergriffen wurden. Eine sehr lebhafte Diskussion folgte, in der die Leute sicher zum ersten Mal sich mit zionistischen Gedanken voll und ganz auseinanderzusetzen versuchten. Am Schluß der Debatte wurden wir von vielen gebeten, die Hatikwah zu singen, in die dann die meisten mit einstimmten. Weitere persönliche Unterhaltungen haben bereits dazu geführt, daß die erste zionistische Gruppe Algiers im Entstehen begriffen ist. Leider fehlen uns zugkräftige Propagandamittel, wie Barak usw., trotzdem hoffen wir, Euch' bald von der Arbeit der Z.V.LA. (Zionistische Vereinigung für Algier) berichten zu können. Mit bundesbrüderlichem Schalom Reginald Goldschmidt, VJSt. Hasmonaea, Berlin. Michel Rabino witsch, VJSt. Hermonia, Danzig. (Rabinowitsch hat mir die Erlaubnis gegeben, für ihn zu zeichnen, nachdem der Artikel im Entwurf fertigestellt war.) „Aktive und Passive Judenpolitik'4, Der Struktur-Wandel der jüdischen Situation in Deutschland mußte zur erneuten Grundlegung und Ueberprüfung der bisherigen politischen Anschauungen des deutschen Judentums im Hinblick auf die umgebende Welt führen. Daß die alten Begriffe, mehr aber noch die alten Methoden der assimilatorischen Zentralverems- Politik nicht mehr ausreichen, ist heute weit über den Kreis der Zionistischen Organisation hinaus Gemeingut aller politisch Denkenden geworden. Was ist an die Stelle dieser Begriffe und Methoden zu setzen? Der in langjähriger jüdischer Volkspolitik bewährte und bekannte ehemalige Vorsitzende des Jüdischen Volksrats in Posen, Rechtsanwalt Dr. Max Koll ensch er, einer der Führer der Jüdischen Volkspartei unternimmt es, in einer kurz gefaßten Darstellung") diese Frage zu beantworten. Nach Festlegung der Aufgabe gibt der Autor eine ausgezeichnete Danstellung des historischen *) "Aktive und Passive Judexipolitik" Verlag Rubin Maß, Berlin 1932. 320