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Der jüdische Student · 1932-12-01 · Heft 11 (Dezember 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 11 (Dezember 1932)
Date
1932-12-01
Page
[Seite] (sequence 29)
Language
German
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Bemerkungen Zionismus in Algier Liebe Bundesbrüder, wir nehmen an> daß es Euch interessieren wird, etwas über die zionistischen Abenteuer zweier nach Afrika verschlagener Bundesbrüder zu erfahren und senden -deshalb nachstehenden Bericht 2n den J.ST. Zur Information sei gesagt, daß Algier unser jetziger Aufenthaltsort, nicht ein Beduinenlager, sondern eine moderne Großstadt mit 400 000 Einwohnern ist, die sich aus Arabern, Franzosen und völlig europäisierten sephardisehen Juden zusammensetzt. Die Juden bilden ein wirtschaftlich nicht zu unterschätzendes Element, da sie die stattliche Zahl von 20 000 — 254 Studenten an der hiesigen Universität — erreichen. Der Durchschnittstypus ist der in Deutschland aus Vorkriegszeiten noch gut bekannte Typ des wohlsituierten Kleinbürgers, der se'in kleinem Geschäft besitzt. Der wirtschaftliche Antisemitismus hält sich infolge der ökonomisch relativ guten Verhältnisse in gemäßigten Bahnen. Wenn auch keine strenge Orthodoxie herrscht, so werden die Gebote doch, menr^ eingehalten, als das bei uns der Fall ist- Bemerkenswert ist ein großer Zusammenhang der Gemeinde, und der Einfluß, den der Rabbiner auf jung und alt in allen Fragen besitzt. Das Verhältnis zu den Arabern . ist nicht gerade gut, da zwischen beiden ein starker wirtschaftlicher Konkurrenzkampf geführt wird und zum Teil auch die religiösen Gegensätze Anlaß zu gegenseitigem Haß sind, doch da das Land vollkommen in der Hand Frankreichs ist und die Juden infolge ihrer Geschlossenheit ein sehr selbstsicheres Auftreten haben, kommen ernsthaftere Zusammenstöße nicht, vor. Wenn wir auch vorher sagten, daß wirtschaftliche Antisemitismus noch wenig Boden gefaßt hat, so &f man einen gesellschaftlichen Judenhaß nicht verleugnen. Der gesellschaftliche Boykott, ein Anfang -efes Antisemitsmus besonders bei der jmgen Generation — vor wenigen Tag&n kam es zu geistigen Plänkeleien m der hiesigen Universität — greift inmer stärker um sich. Als rein äußerliches Zeichen mag vielleicht dienen; daß das Buch „Sages de Zion*' mit reichlichem antisemitischen Vorwarf!* hier unter gebildeten Franzosen sek verbreitet ist und großen Beifall genießt. So werden die Juden audfc hier immer mehr aus ihrer lOOproz. Assimilation, aus ihrem „franz. Bürgür jüd. Glaubens" Traum unsanft emporgerissen und in die Welt der Wirklichkeit versetzt. Noch ist das Erwachen schwach, noch wiegt sich der größte Teil in utopischen Hoffnungen, aber vergeblich versucht man durch schöne Worte traurige Tatsachen 2m verschleiern. Wenn die Lethargie bei den hiesigen Juden auch sehr groß ist, so ist es doch selbstverständlich, daß bei der Jugend, gerade als Reaktion gegen das lange Judentum verschweigen, eine Betonung des eigenen Judentums stattfindet» und so haben sich auch hier vor nicht allzu langer Zeit 2 jüdische Jugendvereine gebildet. Von der Schilderung der 25 assimilierten Wohltätigkeitsvereinen wollen wir Abstand nehmen, man kennt sie in Deutschland zur Genüge. Der eine Jugendverein ist ein kleiner angeblich zionistischer Pfadfinderbundi dessen Mitglieder wenig Ahnung vom Scouting und gar keine vom Zionismus haben- Sie unterscheiden sich von den anderen Bünden nur insofern, als sie nur Juden zu Mitgliedern aufnehmen, eine Beschäftigung mit jüdischen Dingen findet in keiner Weise statt. 319

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