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Der jüdische Student · 1932-11-01 · Heft 10 (November 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 10 (November 1932)
Date
1932-11-01
Page
[Seite] (sequence 27)
Language
German
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und getraue mich kaum, es schon als Tatsache hinzunehmen — als ob von dem fanatischen Kampf um Ordnung und Disziplinierung doch sich schon o£was in der Schulordnung, vor allen Dingen abeT auch im Leben der Kinder abzusetzen .beginnt. Ich habe meine Meinung in diesen Dingen oft genug ausgesprochen: die Erziehung von unhysterischen, phrasenlosen, tüchtigen Tatsachenmenschen von bester Arbeitsgesinnung ist das große Problem der hebräischen Erziehung Palästinas, und die Voraussetzung für die wirtschaftliche Zukunft der Juden im Lande. Entghettoisierung zusammen mit Judaisierung — das lehre ich nunmehr seit 15 Jahren — bleibt das Hauptziel der hebräischen Schule hier, wo sie ohne das Mittel der Assimilation den Uebergang vom Ghetto direkt in nationaljüdische Menschlichkeit vollziehen muß. Die Schule setzt restlos ihr Streben nach Umbildung der höheren Schule nach der Seite der Berufserziehung fort. Nachdem im vorigen Jahr nur aus zionistisch-politischen Gründen der große Reorganisationsplan für Schule und Technikum, der unter der Aegide des James Simon-Fonds durchgeführt werden sollte, gescheitert ist, hat die Schule zum mindesten auf einem Gebiete in diesem Jahre Berufserziehung in die höhere Schule hineingebaut: wir haben trotz aller Schwierigkeiten der Zeit eine Abteilung für die Ausbildung von Wirtschaftsbeamten geschaffen, die vor allen Dingen für die Schüler bestimmt ist, die in jüngerem Alter ins Leben hinaustreten sollen. Wir sind besonders stolz, darauf hinweisen zu dürfen, daß wir diese Abteilung gleichzeitig al3 Fortbildungsklassen der hiesigen Volksschulen organisiert haben, so daß bei dem Mangel an öffentlichen Mitteln wir aus unseren Kräften heraus wenigstens den Haifaner Volksschulen die Möglichkeit eines Oberbaues, der etwa einer gehobenen deutschen Volksschule gleichen würde, gegeben haben. Wir haben noch kühnere Pläne auf einem Gebiete, das für die Berufsausbildung und die Umbildung der höheren Schule nach der Seite der Berufsvorbildung noch entscheidender ist, aber darüber berichte ich, wenn wir mit diesen Plänen weiterkommen. Noch ein Wort über das Finanzielle: Ich habe bei der plötzlich uns auferlegten Neuorganisierung mir noch nicht klarmachen können, wie sich für das künftige Jahr das Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben stellt. Ich glaube aber, daß ich nicht fehlgehe, wenn ich annehme, daß bei einem Etat von 8000 LP — 7000 LP durch Schulgeld gedeckt werden. Es fehlen also noch nicht einmal ganz 15 Prozent, daß wir unseren Etat selber decken. Dabei muß in Betracht gezogen werden, daß wahrscheinlich auch in diesem Jahre —• das sind zum mindesten die Zahlen vom vorigen Jahre — 15 Prozent unserer Schüler Freischüler sind, 15 Prozent eine Ermäßigung von 50 Prozent genießen. Wenn eine Schule im Laufe von 15 Jahren in diesem Umfange sich selb^ ständig gemacht hat, wenn sie dabei über eine gute wissenschaftliche und pädagogische Reputation berichten kann, so scheint es mir, hat sie das Recht, s'ch für den kleinen Teil ihres Budgets, der ungedeckt bleibt, an die Öffentlichkeit um Hilfe zu wenden. Und es scheint mir, daß ich das Recht habe, mich bei solchem Tun an meine Freunde mit der Bitte zu wenden: Helft mir, damit die Sorge um diese letzten 15 Prozent nicht die Sicherheit und Zuverlässigkeit einer gesunden Arbeit gefährden! 289

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